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17.11.2018
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Bruder Gereon Perse.

Kein Foto vom Gesicht. Darauf besteht Bruder Gereon Perse. Der Eremit aus Schortens will nicht nur für sich und still leben, sondern auch unerkannt bleiben.

Bruder Gereon Perse lebt als Eremit in Schortens

Ausgestiegen: Von der Bühne in die Klause

Schortens. Nein, in diesen Tagen ist es kein Morgengrauen mit leisem Vogelzwitschern. Nein, es ist finstere Nacht. Wenn Bruder Gereon Perse sich erhebt, um seinen Tag mit zweistündigem Gebet zu beginnen, herrscht rings um seine "Abt-Aelred-Klause" in einer Mietwohnung in Schortens noch Stille.

Kaum jemand ist unterwegs. Wohl niemand in der Nähe versenkt sich zu dieser Zeit so tief in klösterliches Gebet. Morgenruf, Engel des Herrn, Psalm, Vigil, Abschnitt aus der Benediktsregel, besinnliches Gebet, Morgengebet.

Leben in Stille

Der 43-Jährige betet das alles jeden Morgen. Denn er hat sich entschieden, als Eremit zu leben. Ganz für sich. Mit den Gelübden von Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam, die er gegenüber dem Bischof abgelegt hat.

Zum Alltag gehören immer wieder feste Gebetszeiten. Hausarbeit. Spaziergang. Arbeiten für den Lebensunterhalt. Dazwischen Erholung und Ruhe. Nach dem Nachtgebet um 21 Uhr Nachtruhe. Getrennt von der Welt, Stille der Einsamkeit – so beschreibt das Kirchenrecht den Rahmen des eremitischen Lebens. Ohne Fernseher, kein Radio dudelt vor sich hin.

Aber auch nicht in völliger Abgeschiedenheit. Denn seine "Abt-Aelred-Klause" liegt mitten im Ort. Das Radio stellt Bruder Gereon morgens kurz für die Nachrichten an oder für die Morgenandacht, wenn er mit dem Gebet fertig sei. Beim Waschen und Putzen aber bleibt es aus; nichts soll die Stille stören.

Und wovon lebt ein Eremit? Die Arbeit für den Lebensunterhalt gehöre ganz wesentlich dazu, solange sie nicht der Regel der Armut widerspreche und dem Leben in Stille und Einsamkeit.

Formen der Armut

Für Bruder Gereon bedeutet das vor allem: Orgel spielen in  der Pfarrgemeinde, bei Gottesdiensten in Jever und Schortens. Die erreicht er mit dem Fahrrad, denn ein Auto besitzt er nicht, als Zeichen des Verzichts.

Mit dem Orgeldienst kommen im Monat etwa 300 Euro zusammen. Außerdem plant er, einmal pro Vierteljahr einen Vortrag bei Katholischen Bildungswerken zu halten oder auch einmal einen Besinnungstag. Noch hat er keinen genauen Überblick über sein Einkommen; es werde aber sicher unter dem Hartz-IV-Satz liegen und "ein entbehrungsreiches Leben" bedeuten. Billige Supermärkte in der Nähe hat er sich schon gesucht.

Er treffe sich durchaus auch außerhalb der Klause mit Freunden. "Genau das verbietet die Regel für besinnliches Leben ja nicht." Wichtig sei nur, ein gutes Gleichgewicht zu finden zwischen dem zurückgezogenen Leben und der Pflege von Freundschaften.

Dies der Alltag eines Eremiten, seine Einnahmen, seine Ausgaben. Der Rahmen einer Lebensform, die in den ersten Jahrhunderten der Kirche weit verbreitet war. Und heute wenig bekannt ist. Warum hat sich Bruder Gereon gerade auf diesen Weg gemacht?

Geboren in Köln, wollte der junge Mann nach dem Abitur Priester werden, studierte deshalb Theologie in Bonn und Löwen in Belgien. Nach dem Abschluss mit dem Diplom folgte der für Priester verpflichtendePastoralkurs.

Im Jahr 1994 nahm sein Leben eine Wende, nicht mehr Priester war das Ziel. Gereon Perse baute vielmehr in Köln mit Gleichgesinnten eine neue geistliche Gemeinschaft auf, stark ökumenisch geprägt. In diesem, seinem alten Leben, hat er mit Orgelspielen, Auftritten im Kabarett und als Straßenmusiker Geld verdient.

Aber es blieb eine Unruhe. Genährt durch die intensive Arbeit in der "Ökumenischen geistlichen Gemeinschaft", der Bruder Gereon auch einmal als Prior vorstand. Schließlich habe er sich entschlossen, als Mönch zu leben. Im Jahr 2000 war das, in einer kleinen Wohnung in einem Gemeindezentrum in Köln.

Dann ohne Fernseher

Die endgültige Entscheidung, die Lebensform des Eremiten zu wählen, fiel 2006. "Am 11. Juni habe ich meinen Fernseher abgeschafft", berichtet er. Nur die Frage des Ortes blieb offen, die Frage, wo seine "Klause" stehen sollte.

Bei einer Anfrage beim Bischof von Münster habe er praktisch offene Türen eingerannt, der Blick auf die Landkarte habe ihm dann gezeigt, welch weite Räume es dort gebe. Mit dem Oldenburger Land habe er eine gute Wahl getroffen, glaubt er. Von dort könne er auch guten Kontakt zu seinen geistlichen Begleitern halten. Und doch: Wer sich selbst einen solch ungewöhnlichen Weg aussucht, könnte ja auch ins Zögern kommen.

Unruhe und Sehnsucht

Bruder Gereon schüttelt den Kopf. "Ich spürte immer eine Unruhe, was die Sache mit Gott angeht, habe ihn als sehr verborgen erlebt. Mein Gedanke war: Um diese Gottesfrage zu klären, muss ich mich stärker der Stille aussetzen."

Das Problem: Vor dieser Entscheidung habe er sich immer wieder gedrückt. Denn eine solche Entscheidung für die Stille würde sein Leben verändern. Und wie hat sich sein Leben verändert? "Gott ist mir nicht näher als vorher. Aber ich merke, dass meine Sehnsucht aufgehoben ist, dass diese Lebensform als Eremit meiner Sehnsucht also entspricht. Damit ist dieser Weg für mich unumkehrbar."

Diözesaneremiten

Das Gesetzbuch der Kirche regelt seit dreißig Jahren genau, wie Männer und Frauen als "Eremiten" leben, ohne an einen Orden gebunden zu sein. Ein solches Lebensform entwickelte sich aus kleineren Anfängen vor allem um 300 nach Christus in Ägypten und verbreitete sich schnell. Seitdem unterschied man zwischen Eremiten, die in einer Klause gemeinschaftlich mit anderen lebten; daraus entstanden später oft Klöster. Daneben kannte man die in völliger Einsamkeit lebenden Eremiten.
Diese Form des geistlichen Lebens nahm im vorigen Jahrhundert einen Aufschwung und wurde neu geregelt. Eremiten legen seitdem in die Hände des Ortsbischofs ein Gelübde ab und verpflichten sich, die drei evangelischen Räte einzuhalten: Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam.
Im Kirchenrecht heißt es, ein Eremit lebe "in strengerer Trennung von der Welt, in der Stille der Einsamkeit". Die strengere Trennung von der Welt ist nicht wörtlich zu nehmen und bedeutet auch keine Weltflucht; viele Eremiten leben in einer Stadt. Sein Leben soll aber "eine größere Lösung von allem, was von Gott trennt", bedeuten. Offizielle Quellen nennen für Deutschland achtzig solcher Eremiten.

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Text: Franz Josef Scheeben | Foto: Franz Josef Scheeben in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
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