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10.12.2018
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Sternsingergruppe.

Eine Falkenberger Sternsingergruppe aus dem Jahre 2008. Die ausschließlich männlichen Darsteller in den Gruppen müssen in Falkenberg verheiratet sein.

In Falkenberg hat das Dreikönigssingen eine besondere Tradition

Wo der Trauschein für die Sternsinger Pflicht ist

Garrel-Falkenberg. Was haben Mettwürste mit den Heiligen Drei Königen zu tun? Warum sind im Garreler Gemeindeteil Falkenberg im Dekanat Friesoythe nur erwachsene Sternsinger unterwegs? Warum war dort fast jeder erwachsene Mann schon mal Sternsinger? Und warum braucht man dort außer Königen und Sternträgern auch noch zwei "Sackschlepper"? Fragen, die am besten die Falkenberger selbst beantworten können. Kirche+Leben hat sich die Zusammenhänge vor Ort erklären lassen.

Auch für Josef Lake war das zuerst völlig neu. Damals, 1963, als er als neuer Volksschullehrer in Falkenberg im Dekanat Friesoythe anfing. Und er dort noch die letzten Sternsinger-Kohlessen in alter Form miterleben konnte: "Es gab Grünkohl mit Wurst, auf der Diele einer der kleinen Siedlerstellen." Wo die Leute fröhlich feierten.

Zuerst Würste gesammelt

"Man traf sich zu der Zeit, von Jahr zu Jahr abwechselnd, immer auf einem anderen Hof", erinnert er sich. "Zu Bier und Grünkohl." Wie es seit 1948 Brauch war in der damals noch jungen Siedlung zwischen Garrel, Varrelbusch und Petersfeld. Wo sich erst 1919 Kolonisten ansiedelten. Lehrer Lake erklärt: "Der Nordkreis Cloppenburg war in diesen Jahren eine ziemlich arme Gegend. Für große Feiern und Feste fehlte das Geld. Deshalb waren die Leute auf die Idee  mit dem Sternsingen gekommen."

Anneliese (links) und Roswitha Buschermöhle mit den Königs-Gewändern. Ihre Gastwirtschaft ist die Zentrale der Aktion.

Verkleidet als die Heiligen Drei Könige lief eine Gruppe von Haus zu Haus der damals rund 50 Familien. Sie wünschten ein gutes neues Jahr und baten um eine Gabe. Süßigkeiten wie heute waren dabei allerdings nicht üblich. Stattdessen sollte jede Familie ein paar Würste geben. Deshalb gehörten zu den Sternsingern  auch je zwei "Sackschlepper".

Die Würste wanderten anschließend allesamt in einen großen Kohltopf – als Grundlage für ein gemeinsames Kohlessen. Eine bundesweite Sternsinger-Aktion in der heutigen Form existierte damals noch nicht.

Von Beginn an spannten die Falkenberger ihren neuen Lehrer in das Projekt ein. "Es war selbstverständlich, dass ich das Sternsingerlied aussuchen und mit den Gruppen üben sollte. Dafür war hier immer der Lehrer zuständig", sagt Josef Lake, der jahrelang auch den Kirchenchor leitete.

Eine Frau allerdings ist noch länger dabei als er. Schon auf den allerersten Fotos aus den 1940er Jahren ist sie zu sehen. Damit darf Gastwirtin Anneliese Buschermöhle getrost zum Urgestein der Falkenberger Drei-Königs-Tradition gerechnet werden. Bis heute ist sie aktiv und hat auch Tochter und Schwiegersohn mit ihrer Begeisterung angesteckt.

In der Gaststätte der Buschermöhles lagern die Gewänder. Die Familie kümmert sich darum, wenn den Männern die traditionell weißen Königshosen angepasst werden müssen. Auch für die Verpflegung ist Familie Buschermöhle zuständig. Zum Beispiel für das zweite Frühstück, dass die Darsteller  traditionell an ihrem Einsatztag brauchen – genauso wie für das gemeinsame Abendessen zum Abschluss.

In Falkenberg sind die Aufgaben der Sternsinger traditionell "nach Straßen" verteilt. Das bedeutet: Im einen Jahr sind zum Beispiel die Bewohner der Hauptstraße an der Reihe, im anderen die vom oberen und unteren Ende der Lindenallee oder vom Schulweg, und so weiter.

Fast alle waren dabei

So kommt fast jede der mittlerweile rund 130 Familien an die Reihe. "Es finden sich auch immer wieder neue Helfer für das Drumherum", sagt Anneliese Buschermöhle, die im Dezember rechtzeitig Bescheid gibt, wann es Zeit wird für die Vorbereitungen.

"Die Falkenberger sind mit großer Begeisterung bei der Sache", bestätigt Josef Lake. Er erinnert sich etwa an die Feier zum 60-jährigen Bestehen der Aktion. "Da habe ich die Männer im mit 160 Gästen voll besetzten Saal gefragt, wer schon mal mitgemacht hat. Fast alle sind aufgestanden und haben gemeinsam das Sternsinger-Lied gesungen."

Der erste Sonntag im Januar – das ist der große Tag für die Falkenberger Sternsinger. Zuerst trifft man sich bei Buschermöhles zum Umkleiden, Roswitha Buschermöhle schminkt dann auch den Kaspar-Darsteller. Um 8.30 Uhr geht es los. Ausgefallen ist die Aktion noch nie – egal, wie stürmisch oder kalt es war.

Die "Sackschlepper" gehörten immer fest zum Falkenberger Sternsingen, wie dieses Foto aus den Anfangsjahren zeigt.

Für den Transport der Gruppen stellt einer aus dem Ort seinen Kleinbus zur Verfügung. Auch die "Sackschlepper" der Anfangsjahre gehören traditionell noch dazu – so wichtig wie zu Beginn sind sie allerdings nicht mehr. Denn: Mitte der 1960er Jahre beschloss die Dorfgemeinschaft, die Sache mit dem Wurstsammeln aufzugeben – und stattdessen um Geld zu bitten.

"Wir wollten auch nicht mehr nur für unser Fest sammeln, erklärt Anneliese Buschermöhle. "Sondern auch für einen guten Zweck."

Seither geht in jedem Jahr ein Teil der Spenden zum Beispiel in die Mission, an Menschen in Not oder an besondere Projekte. Für eine Behinderten-Sportgruppe etwa oder für die Delfintherapie für ein krankes Kind. Jedesmal wird neu entschieden.

Und für den Rest des Geldes kaufen sie wie seit eh und je Wurst und Fleisch – für das gemeinsame Kohlessen. Das findet seit 1965 allerdings nicht mehr wie früher reihum statt, sondern an einem festen Ort: in Buschermöhles Saal.

Jugendliche überfordert

Abends zwischen 19 Uhr und 19.30 Uhr kommen die Sternsinger-Gruppen zurück von ihrer Tour. Dann werden die Spenden gezählt.

Und warum sind nur Erwachsene als Sternsinger zugelassen? Anneliese Buschermöhle klärt auf: Es habe wohl mit Erfahrungen aus vergangenen Jahrzehnten zu tun, als dabei noch Jugendliche im Einsatz waren – und mit den vielen Einladungen auf einen kleinen Schluck zur Stärkung überfordert gewesen seien.

Damals habe man sich eben für den Grundsatz entschieden, nur noch verheiratete Männer  aus dem Ort als Sternsinger zu nehmen – und sei damit gut gefahren.

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  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Sternsinger

Text: Michael Rottmann | Fotos: privat, Michael Rottmann in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
06.01.2011

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