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09.12.2018
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Vorsehungsschwestern.

Noch heute sind die Vorsehungsschwestern weltweit auch im Dienst an Kindern und Jugendlichen tätig – so wie in den Anfängen.

Vorsehungsschwestern feiern 170-jähriges Bestehen

Sich immer wieder neu erfinden

Münster. Man soll die Feste feiern, wie sie fallen – sagt ein Sprichwort. Darum ist es durchaus verständlich, dass immer mehr Ordensgemeinschaften auch Jahrestage groß begehen, die man nicht unbedingt als echte Jubiläen bezeichnen kann: etwa das Fest ihres 85. Gründungstags. "Wir wissen ja gar nicht, ob wir das 100. Jubiläum der Gemeinschaft noch erleben", sagte kürzlich ein Ordensbruder im Blick auf den Auflösungsprozess, dem sich viele Kongregationen in Europa ausgeliefert sehen.

Wenn die Schwestern von der göttlichen Vorsehung am Samstag (03.11.2012) nun das 170-jährige Bestehen ihrer Ordensgemeinschaft feiern, so haben auch sie dabei sicher im Blick, dass sie in Europa immer mehr "ein Auslaufmodell" sind, wie einige von ihnen durchaus ehrlich eingestehen. Während die Schwestern in ihren ursprünglichen Einsatzgebieten in Deutschland und den Niederlanden immer älter und immer weniger werden, gibt es allerdings tröstliche Neuaufbrüche in Brasilien, Afrika und Indonesien, und nur selten ist der damit verbundene soziale Aufstieg der entscheidende Eintrittsgrund.

Darüber hinaus ist es vor allem der 200. Geburtstag ihres Gründers Eduard Michelis, den die Vorsehungsschwestern in diesem Winter begehen können. Da Anfang November Delegierte der Provinzkapitel aus aller Welt zu einem Ordensratstreffen in Steyl (Niederlande) zusammenkommen, ist die Anwesenheit so vieler "internationaler" Schwestern ein guter Anlass für einen Festakt in Münster.

Dabei haben die Schwestern die bevorstehenden runden Geburtstage schon in den letzten Monaten zum Innehalten und Besinnen genutzt – etwa zu der Frage, was vom Erbe Eduard Michelis' geblieben ist, der die "Schwesterngenossenschaft" 1842 als Antwort auf die Nöte der damaligen Zeit gegründet hatte. Ursprünglich exklusiv mit der Fürsorge an Waisenkindern betraut, übernahmen die Schwestern schon bald auch Aufgaben in allgemeinen Schulen und Kindergärten.

In Brasilien, wo die Ordensfrauen noch immer große Schulen und Kollegs betreuen, sind sie dieser Aufgabenstellung der Anfangsjahre bis heute verpflichtet. Aber selbst dort ist ihr Tätigkeitsfeld schon früh erweitert worden, indem die Schwestern auch anders gelagerte soziale Dienste aufnahmen und – gerade im 20. Jahrhundert – lernten, nicht nur für andere, sondern mehr und mehr mit ihnen zu arbeiten: eine Frage der (Neu-)Ausrichtung.

Dabei war es lange Zeit unvorstellbar, dass die ausgeübten Pflegeberufe außerhalb eines Ordens verrichtet werden könnten; Schwestern und Brüder (in vergleichbaren Kongregationen) hatten in gewisser Hinsicht ein Monopol. Das sieht heute anders aus: Viele ehemals Ordensangehörigen vorbehaltene Tätigkeiten werden im 21. Jahrhundert wie selbstverständlich von Laien ausgeübt, man muss nicht mehr in einen Orden gehen, wenn man sich zu solch sozialem Tun berufen fühlt.

Angesichts dieser Veränderungen in der Gesellschaft und der deutlich sinkenden Zahl von Neueintritten musste die Ordensgemeinschaft, insbesondere in Westeuropa, nach neuen Schwerpunkten für ihre Arbeit suchen und sich im Hinblick auf das steigende Durchschnittsalter auch der Frage der Machbarkeit ehrlich stellen.

Ein Hauptaufgabenfeld liegt heute in der Pastoral: Einige Schwestern arbeiten hauptamtlich in der Gemeindeseelsorge, viele – vor allem in Deutschland und den Niederlanden – engagieren sich ehrenamtlich in Krankenhäusern, Altenheimen und Hospizen. "So wie Eduard Michelis vor 170 Jahren auf die Nöte seiner Zeit geschaut hat, stehen wir immer wieder neu vor der Frage, welche Aufgaben die Gegenwart für uns bereithält", erklärt Schwester Simone Suffa. Und da Krankenschwestern und Altenpfleger oft keine Zeit für längere Gespräche mit Patienten oder Klienten haben, sei es für die Ordensfrauen ein gern wahrgenommener Dienst, hier in die Bresche zu springen: so lange sie dazu noch die Kraft finden und nicht selbst auf Pflege angewiesen sind. Auch das Mutterhaus in Münster wird zwangsläufig immer mehr zu einem Pflegeheim.

"Unser Apostolat war es schon immer, Zeit zu schenken und durch die Zuwendung zu den Mitmenschen Gottes Liebe zu bezeugen", verweist Schwester Simone auf die Urregel von Eduard Michelis. Wenn Michelis in den Anfangsjahren vor allem Kinder im Blick hatte, sind es heute – angesichts des demografischen Wandels – eben auch die Alten, denen sich die Vorsehungsschwestern zuwenden.

Leben ist Veränderung, das haben die Ordensfrauen in vielfältiger Weise erfahren. Durften sie in den Anfängen – im Blick auf die evangelischen Räte und die damit gelobte Keuschheit – nicht einmal ein Kind auf den Arm nehmen, so haben die Verantwortlichen im Lauf der Zeit begriffen, dass man Sexualität weder abspalten darf noch kann – dass es vielmehr um eine neue Ganzheitlichkeit gehen muss: im Sinn der eigenen Reifung und der Mitmenschen.

Während die Ordensfrauen noch bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg von heute auf morgen versetzt werden konnten, sucht man mittlerweile nach gemeinsamen Lösungen: Wo sind die Kräfte und Fähigkeiten der einzelnen Schwestern am besten einzusetzen? Und schließlich ist es längst selbstverständlich, in Eigenverantwortung mit Geld umzugehen: Während die Einzelne früher jeden kleinen Betrag bei Mutter Oberin erbitten musste, bekommt heute jede Schwester ein so genanntes Bedarfsgeld zur Selbstverwaltung.

Angesichts so vielfältiger Veränderungen ist Schwester Simone durchaus zuversichtlich: Auch in der Zukunft wird es Wege geben, traditionelle Werte zur Ehre Gottes und zum Heil der Mitmenschen zu leben, hier und anderswo.

Selbst den gegenwärtigen Auflösungsprozess kann sie darum relativieren. Zu schaffen macht ihr allerdings, "wenn eine nach der anderen stirbt", wenn persönliche Freundinnen und Weggefährtinnen verscheiden – weil Zuwendung, Hoffnung und Liebe doch immer sehr konkrete Gesichter besitzen und besaßen.

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Text: Jan Magunski | Foto: Privat in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
02.11.2012

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