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04.12.2016
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Kleinkind Fido und Mutter Tanja fühlen sich im Klassenraum wohl.

Kleinkind Fido und Mutter Tanja fühlen sich im Klassenraum wohl.

Präventionsprojekt in der Janusz-Korzcak-Schule

Ein Baby als Lehrer für die großen Jungs

Ibbenbüren. "Ist Fido wieder gesund?", fragt Lukas und läuft neben der jungen Mutter Tanja her, die den elf Monate alten Jungen auf dem Arm über den Schulhof trägt. Klar ist er das, wenn er die Klasse 5 der Janusz-Korzcak-Schule in Ibbenbüren besuchen kommt.

"Psst … Baby is watching you", steht auf dem dreieckigen Schild an der Klassentür. Dahinter bereiten sich die zwölf Jungen schon auf den Besuch vor: Sie bauen einen Stuhlkreis auf und rollen einen Teppich in der Mitte aus. Vorn, neben der Tafel, hängen ein Steckbrief von Fido und viele Fotos. Außerdem haben sich die Schüler mit den verschiedenen Entwicklungsstadien eines Babys beschäftigt und Plakate erstellt, die den Raum schmücken.

Als Tanja und Fido die Klasse betreten, ist Marius noch dabei, ein buntes Mobile an der Zimmerdecke zu befestigen: damit Fido auch etwas zum Spielen und Gucken hat.

Fido und seine Mutter besuchen seit einem halben Jahr jede Woche die Schüler der Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung. Das Projekt nennt sich "Babywatching" und wurde vom Stadtschulseelsorger Christoph Moormann an die Schule gebracht. Tatkräftige Unterstützung erhielt er dabei von Referendarin Annika Vossiek und Lehrerin Michaela Berger.

Fido hat es sich inzwischen auf dem Teppich bequem gemacht. Interessiert zieht er sich an der Mama hoch und betrachtet die kleinen Vögelchen am Mobile. Die Jungen im Kreis beobachten den Kleinen dabei. "Einige der Schüler leben in Wohngruppen oder in Pflegefamilien", erzählt Annika Vossiek. "Diese enge Bindung, die sie nun zwischen Mutter und Kind erleben können, ist für manche Schüler eine neue Erfahrung", ergänzt Schulseelsorger Moormann.

Das Präventionsprojekt "BASE-Babywatching" ("Baby-Beobachtung im Kindergarten und in der Schule gegen Aggression und Angst zur Förderung von Feinfühligkeit und Empathie") wurde vom Münchener Bindungsforscher Karl Heinz Brisch entwickelt.

Die Kinder und Jugendlichen trainieren am Beispiel von Tanja und Fido, genau zu beobachten, was das Baby macht, was es möchte, woran man das erkennen kann und wie die Mutter reagiert. Laut Studien wird durch das Beobachten, das Einfühlen in die Mutter und das Baby auch die Empathie anderen Menschen gegenüber bei den Schülern gefördert.

"Was hat sich verändert, seit ihr Fido vor zwei Wochen das letzte Mal gesehen habt?", fragt Moormann in die Runde.  Fido läuft mit seinem Plüschfußball im Kreis. Natürlich hält er sich dabei gut an seiner Mama fest. "Er ist gewachsen und hat auch viel mehr Haare bekommen", meint Dennis. "Er kann sich jetzt an Tanja hochziehen und schon besser laufen", erklärt Oliver.  Durch gezielte Fragen werden die Jungen angeleitet, die Beziehung zwischen Mutter und Kind zu betrachten.

Ein Lächeln zeigt sich auf den Gesichtern der "großen Jungs", wenn Fido zu ihnen kommt. "Das 'Babywatching' schafft für die Schüler einen geeigneten Rahmen, in dem sie ihre Gefühle zeigen dürfen. Das schafft der kleine Fido", sagt Moormann. "Fido weiß, dass Tanja auf ihn aufpasst und sich um ihn kümmert. Deshalb greift er immer wieder ihre Hand", beobachtet ein Schüler.

Seit Fido und Tanja die Fünftklässler besuchen, hat sich einiges verändert: "Wenn Fido hier ist, herrscht eine ganz andere Stimmung in der Klasse. Die Schüler gehen rücksichtsvoller miteinander um", sagt Annika Vossiek. "Fido ist ein bisschen wie der Lehrer für die Großen: Er zeigt seine Bedürfnisse. Dieses Sehen und Mitfühlen verändert die Klasse", sagt Christoph Moormann.

Nach gut 20 Minuten verlassen Fido und Tanja den Raum wieder. "Tschüss, Fido! Bis zum nächsten Mal", schallt es ihnen hinterher. Die Schüler setzen sich nun an ihre Tagebücher. Sie sollen festhalten, was sie in der Schulstunde erlebt haben, was Fido und Tanja gemacht haben und warum.

Draußen zieht Tanja ihrem Kind die Jacke an. "Ich finde das Projekt ganz toll", sagt sie. Anfangs seien die Jungen sehr verhalten gewesen. Doch jetzt seien sie glücklich, wenn Fido da ist. "Mich selbst berührt es immer sehr, wenn wir in die Klasse kommen." Sie erinnert sich noch an die Woche, als Fido krank war und die Schüler ihm Bilder gemalt und nach Hause geschickt haben.

In diesen Tagen treffen sich Fido und "die großen Jungs" zum letzten Mal. "Der Kleine kann jetzt schon fast laufen und nimmt Kontakt zur Gruppe auf", erklärt Moormann. "Da es um die Beziehung zwischen Mutter und Kind geht, ist nun der Zeitpunkt gekommen, aufzuhören." Zum Abschied bekommen alle ein schönes Foto zur Erinnerung an ihre Zeit mit dem kleinen Fido.

Doch das Präventionsprojekt "Babywatching" geht weiter: Nun besucht der kleine Liam mit seiner Mutter die Klasse 8 der Hellen-Keller-Schule in Ibbenbüren.

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Text: Anna-Lena Himstedt | Foto: Anna-Lena Himstedt in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
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