
Umgestaltet wird die Herz-Jesu-Kirche. Dort wird ein verkleinerter Gottesdienstraum geschaffen. Der verbleibende Teil des Kirchenraums soll nach dem Umbau als großer flexibler Versammlungsraum in Ergänzung zu dem bereits bestehenden Pfarrheim Herz-Jesu genutzt werden
Neuausrichtung des Gebäudebestands
Immobilienkonzept in einer Großpfarrei
Emsdetten. Seit entschieden wurde, dass die beiden Emsdettener Gemeinden St. Marien und St. Pankratius zu einer neuen Pfarrei zusammengeführt werden, beschäftigen sich das Seelsorgeteam und die kirchlichen Gremien intensiv mit einem Immobilienkonzept.
Ein Gotteshaus, ein Pfarrheim, ein Pfarrhaus, ein oder zwei Kindergärten – das war für lange Zeit der Gebäudebestand einer "durchschnittlichen Gemeinde", um dessen Zustand sich vor allem der Kirchenvorstand zu kümmern hatte. Im Zug der Gemeinde-Zusammenführungen in den letzten Jahren hat sich der Immobilienbestand einer Pfarrei vergrößert.
Entsprechend umfangreicher ist die Arbeit der Bauausschüsse in den Kirchenvorständen geworden. In Emsdetten, wo am 15. September 2012 die Zusammenführung der beiden Gemeinden St. Marien und St. Pankratius zu einer neuen Pfarrei mit dann 26.000 Gemeindemitgliedern vollzogen wird, haben sich das Seelsorgeteam, die Pfarrgemeinderäte, die Kirchenvorstände und eine Steuerungsgruppe schon intensiv mit der Ausgestaltung der neuen Gesamtpfarrgemeinde und einem Immobilienkonzept beschäftigt. Sieben Gotteshäuser, mehrere Pfarrhäuser und Pfarrheime sowie elf Tageseinrichtungen für Kinder wird diese neue Gemeinde zählen.
"Unsere Arbeit hat im Lauf der Jahre zugenommen", sagt Manfred Kloppenborg, seit 20 Jahren Kirchenvorstandsmitglied in St. Pankratius. Erst die Fusion von St. Pankratius, Herz-Jesu und St. Josef im Dezember 2004, nun die Gründung einer Pfarrei für die ganze Stadt Emsdetten: "Das hat Kraft gekostet, aber unsere Vorarbeiten haben sich gelohnt", sagt Kloppenborg und meint das Immobilienkonzept, für das sich die Emsdettener Gremien nahezu einstimmig ausgesprochen haben. Das Pfarrbüro St. Pankratius wird ebenso aufgegeben wie das Pfarrheim an der Rheiner Straße und das Pfarrhaus mit dem Pfarrbüro von St. Marien in der Schützenstraße.
Neues Pfarrhaus
Stattdessen entsteht neben der Herz-Jesu-Kirche ein neues Pfarrhaus, in dem auch das Pfarrbüro untergebracht sein wird. Das alte Pfarrhaus an Herz Jesu wird abgerissen und weicht dem Neubau. In dem neuen Pfarrhaus werden drei Diözesanpriester unter einem Dach wohnen. "Jeder Priester hat einen eigenen Wohnbereich, dazu gibt es Gemeinschaftsbereiche", sagt Pfarrer Norbert Weßel, der seit knapp zwei Jahren den leitenden Pfarrer Christoph Rensing im Seelsorgerteam unterstützt und das Wohnkonzept begrüßt: "Ein gemeinsames Pfarrhaus hat Vorteile: Es gibt gemeinsame Mahlzeiten, um sich auszutauschen, gemeinsame Gebetszeiten, das Pfarrhaus wird zum Dreh- und Angelpunkt für die Seelsorge."
Die Herz-Jesu-Kirche soll so umgestaltet werden, dass sie neben einem kleineren Gottesdienstraum auch einen großen Versammlungsraum bietet, der durch ein Raumteilverfahren multifunktional genutzt werden kann. In einem Obergeschoss können beispielsweise Büroräume für die Pastoralreferenten geschaffen werden. Ein Architektenwettbewerb für beide Baumaßnahmen ist bereits ausgeschrieben.
Pfarrer Norbert Weßel (links) und Kirchenvorstandsmitglied Manfred Kloppenborg sind zufrieden mit den Plänen des Immobilienkonzepts für die neue Emsdettener Pfarrei St. Pankratius. |
"Alles in allem fanden unsere Pläne der Immobiliennutzung die Zustimmung der allermeisten Gemeindemitglieder", sagt Manfred Kloppenborg. In zwei großen Pfarrversammlungen seien die Vorschläge besprochen worden. "Wegen des großen Andrangs war es notwendig, die Versammlungen in den Kirchenräumen durchzuführen. Kritik hat es nur vereinzelt gegeben. Man kann es eben nicht allen recht machen. Aber in den nächsten Monaten möchten wir auch noch die letzten Kritiker überzeugen", sagt das Kirchenvorstandsmitglied.
Förderlich für die weitgehende Akzeptanz sei die gute Kommunikation unter den Gremien von St. Marien und St. Pankratius gewesen, die wiederum die Gemeindegruppen informiert hätten. Ein Kompliment macht Manfred Kloppenborg dem leitenden Pfarrer Christoph Rensing, der die Gemeinden auf dem Weg zur Zusammenführung "gut mitgenommen" habe.
Breite Unterstützung
Auch die emeritierten Pfarrer Josef Achterfeld, Franz Lutum und Bernhard Kösters unterstützten die Pläne, was für den Konsens sehr wichtig gewesen sei. Zudem trage das Bistum Münster das Immobilienkonzept "ideell und finanziell" mit. Die Emsdettener hoffen nun, dass auch der Kirchensteuerrat "grünes Licht" für den Pfarrhaus-Neubau und die Kirchenumgestaltung gibt.
Dass das Bistum Münster das Gebäudekonzept positiv sieht, wertet Pfarrer Weßel als gutes Signal. In Emsdetten würden neue Bauvorhaben auf den Weg gebracht, anderswo stünde bei Gemeinde-Zusammenführungen die Schließung von Gotteshäusern an vorderer Stelle. In Emsdetten werden zumindest vorerst alle sieben Gotteshäuser (St. Pankratius, Herz-Jesu, St. Josef, St. Marien, St. Servatius, Heilig Geist und St. Konrad) erhalten bleiben. Die Kirchen-Standorte stehen mit der Gemeinde-Zusammenführung nicht zur Disposition.
"Gerade die Aufgabe eines Gotteshauses wird von Gemeindemitgliedern emotional gesehen. Wir sind froh, in unsere neue Pfarrei alle Kirchen mitzunehmen", sagt Weßel. Auch Kloppenborg hofft, über Kirchen-Schließungen erst sehr viel später nachdenken zu müssen: "Der Kirchenbesuch ist bei uns immer noch recht gut. Die Gemeindemitglieder kennen aber auch die allgemeine kirchliche Entwicklung, die zu schmerzhaften Einschnitten führen kann."
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