
Im Zentrum der Erlebnisausstellung "Knocking on Heaven's door" steht die bewusste Auseinandersetzung mit der Endlichkeit des irdischen Seins.
Veranstaltungsreihe der Jugendkirche Münster:
Konfrontation mit dem Tod
Münster. Im Eingang der Kirche: ein Grab. Auf dem Grab ein Spiegel. Im Spiegel: ein Gesicht. Irgendwann muss jeder sterben. So ist das nun einmal. Doch was ist eigentlich mit dem, was nach dem Tod kommt und wie können die Menschen heute mit den Gedanken daran umgehen?
Noch bis Donnerstag (02.02.2012) findet in der münsterschen Jugendkirche "effata!" eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel "Unternehmung Leben" statt. Im Zentrum der Erlebnisausstellung "Knocking on Heaven's door" steht die bewusste Auseinandersetzung mit der Endlichkeit des irdischen Seins.
Koffer für die letzte Reise
Mit dieser Frage hat sich das Team um die pastoralen Mitarbeiter und Religionspädagogen Mareike Doerenkamp und Sven Tönies beschäftigt. Dabei herausgekommen ist die Ausstellung "Unternehmung Leben". Die Ausstellung beginnt mit genau dem Grab und dem Spiegel. Sofort wird der Besucher damit konfrontiert, dass auch er eines Tages sterben wird.
Die Seiten der Kirchenmauern sind bestückt mit Koffern: "Koffern für die letzte Reise". Dies ist der Titel der Ausstellung von Fritz Roth, die den Kern der Veranstaltungsreihe bildet. Die Koffer wurden von verschiedensten Persönlichkeiten, darunter einige Prominente, gefüllt. Ihre Aufgabe war es, ihren ganz persönlichen Koffer für die letzte Reise zu packen.
"Mitnehmen kann ich nichts"
An der linken Seite der Mauer steht ein Koffer, der auf den ersten Blick leer erscheint. Kommt man jedoch näher, sieht man einen schlichten, weißen Zettel in der rechten Ecke des sonst inhaltslosen Koffers liegen. Dieser Koffer gehört Gerd Scobel. Auf den weißen Zettel hat er geschrieben: "Nichts. Damit habe ich, hat vermutlich alles begonnen. Am Ende gehe "ich", "dorthin" zurück. "Mitnehmen kann ich nichts."
In anderen Koffern sieht man Fotos von Menschen, die hier auf Erden für die Packenden wichtig sind. In weiteren Koffern findet man Bücher, CDs, eine Bierflasche, die alte Computertastatur, Blumen.
Was ist im Leben wertvoll?
"Mit dieser Ausstellung wollen wir dazu anregen sich bewusst zu werden, darüber, dass man stirbt. Aber auch darüber was im Leben wertvoll ist", erklärt Mareike Doerenkamp. Dieses Bewusstsein könne helfen, dass das Leben gelingt. Dem Leben eine neue Perspektive, wie die Religionspädagogin sagt: "Einen neuen Drive geben."
Weitere kleine Stationen neben der Kofferausstellung unterstützen diesen Gedankenansatz: Ein dunkler schmaler Treppenaufgang. Alles was man sieht ist ein Licht am Ende des Treppentunnels. Oben angekommen gibt es die Möglichkeit zu einer meditativen Einheit, in der man sich bewusst mit dem eigenen Weg zum Tod beschäftigen kann. Auf dem Weg, vorbei an den Koffern, kommt man schließlich zu einer Sammlung von authentischen Zitaten von Jugendlichen über ihre Vorstellung vom Jenseits. Die Zitate beschreiben, wie für die Jugendlichen das das Leben nach dem Tod aussieht oder aussehen könnte. Diese Zitate können von den Besuchern durch das Ablegen von kleinen Steinen – in Anlehnung an die Internetplattform Facebook - "geliked", zu Deutsch also "gemocht" werden.
Übertragung moderner Kommunikationsformen
"Die Übertragung moderner Kommunikationsformen auf solche Projekte erleichtern den Jugendlichen den Zugang zu so einem schwierigen Thema wie dem Tod.", erklärt Sven Tönies. Die am Projekt Beteiligten hoffen, durch die Veranstaltungsreihe einen Weg aufzuzeigen, sich mit dem Weg zum Tod zu beschäftigen, diesen als solchen anzunehmen und so das Leben bewusster gestalten zu können.
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Text: Franziska Kues | Foto: Franziska Kues
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