
Zwei Lkw-Ladungen Hilfsgüter haben die Grafenwalder den Menschen nach Mozyr gebracht.
Gestärktes Vertrauen in die Hilfe
Hilfstransport nach Tschernobyl auf den Weg gebracht
Bottrop-Grafenwald. Wie von selbst sortieren die Hände und geben an die nächste Stelle weiter. Die Tische scheinen die Funktion von Fließbändern angenommen zu haben, die die Kleidungsstücke selbstständig zu den entsprechenden Verpackungsstellen leiten. Das Team der Alten- und Rentnergemeinschaft (ARG) Heilige Familie in Bottrop-Grafenwald arbeitet konzentriert im Pfarrsaal. Auch in diesem Herbst hatten ihre Mitglieder wieder einen Hilfstransport auf den Weg gebracht, der Menschen im weißrussischen Mozyr bei Tschernobyl wichtige Dinge für das Alltagsleben brachte.
"Ist die Arbeit, die wir hier tun, auch nicht vergebens?", fragten sich Bodo Behrend und Jochen Breit. Sie wollten sehen, wie und für wen die Sammlung der verschiedenen Bedarfsgüter am Ziel ankommt. "Wir misstrauen nicht unseren Leuten", erklärt Behrend, "aber wir wollten wissen, wie die Verteilung funktioniert." Deshalb lud der Leiter der "ARG Lebenszeichen Tschernobyl", Klaus Frank, sie ein: "Fahrt mit und seht es euch an."
Fünf Tage dauerte die Fahrt hin und zurück für je 1.900 Kilometer Entfernung. Im Gepäck von zwei Lkw, die Firmen zur Verfügung stellten, zwanzig Tonnen Hilfsgüter, zu denen Kleidung genauso gehörte wie Haushaltsgeräte, Gehhilfen, Rollatoren und Matratzen, Hygieneartikel sowie auch Spielzeug und Plüschtiere. Die Tour sei keine "bequeme Reise" gewesen.
Eindringliche Erlebnisse luden sich den sechs ARG-Mitgliedern auf, die den Transport begleiteten. "Wir haben erfahren, dass die Menschen froh und dankbar für die humanitäre Hilfe aus Deutschland sind", berichtet Breit. Behrend stellte fest, "dass die Dorfhelferinnen einen vertrauenswürdigen Eindruck machen". Beeindruckt waren die beiden Mitfahrer von der Leistung der 78 Frauen, die sich um 720 Pflegefälle in 60 Dörfern im Umkreis von Mozyr kümmern. Zu Fuß oder mit dem Fahrrad seien sie zwei- bis dreimal in der Woche bei den alten und behinderten Menschen. "Sie wissen, was gebraucht wird. Da muss man sich um die richtige Verteilung dessen, was wir gepackt und hingebracht haben, keine Sorgen machen", ist Behrend nun überzeugt.
Breit geht es nicht anders. Er erzählt von einer jungen Frau, der wegen ihrer Diabetes ein Bein amputiert wurde und die "an den Rollstuhl gefesselt in einem primitiven Holzhäuschen lebt". Mit Mitteln des Sozialfonds, den die ARG Heilige Familie unterstützt, konnte der Ofen neu aufgemauert werden, damit die Luft im Haus endlich rein und warm wird. Weil zudem der Boden ausgeglichen wurde, kann sich die Frau wenigstens in der kleinen, frisch tapezierten Hütte allein bewegen. Nun lebt sie "nicht mehr in einem dunklen Loch", erzählen die Männer zufrieden, und man spürt dabei, wie sie sich an die Momente in dem kleinen Häuschen erinnern. Die Frau sei glücklich gewesen.
Die beiden Männer sind es ebenfalls, weil sie gesehen und gefühlt haben, "dass unsere Hilfe die erreicht, die sie benötigen". Auf ihrer Rundfahrt durch die Dörfer besuchte die Gruppe aus Grafenwald auch einen blinden Jungen, dem sie vor Jahren einen Computer geschenkt hatten. Er führte ihnen nun stolz vor, wie er mit dem Gerät umgehen konnte. Bewegt und gleichzeitig beruhigt mit dem guten Gefühl, seit Jahren mit ihrer Unterstützung das Richtige getan zu haben, sind sie wieder zuhause in Bottrop-Grafenwald angekommen.
In Mozyr haben die ARG-Leute aus Grafenwald nach vielen Jahren der Hilfe und der regelmäßigen Transporte die Frage gestellt: "Müssen wir weiterhin kommen? Werden wir gebraucht?" Von den Dorfhelferinnen, den Betroffenen und dem Sozialamt lautete die Antwort übereinstimmend: "Ja." Also wollen sie auch zukünftig helfen. "Der schöne Lohn ist die Dankbarkeit", strahlt Ulla Eulering, die Initiatorin der Grafenwälder Hilfe für Mozyr, beglückt.
Text: Peter Noçon | Fotos: Peter Noçon in
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