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22.05.2012
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Monika und Wilhelm Idziaszek vor ihrem Start nach Jerusalem in ihrer Weseler Wohnung.

Monika und Wilhelm Idziaszek vor ihrem Start nach Jerusalem in ihrer Weseler Wohnung.

Volontärdienst für 3 Monate in Jerusalem

Hilfseinsatz im "Paulus-Haus" im Heiligen Land

Wesel. Als zwei Tage nach Weihnachten das Telefon klingelte, dachten Monika und Wilhelm Idziaszek an einen verspäteten Weihnachtsgruß. Doch der Anruf kam aus dem Nahen Osten. Am anderen Ende der Leitung meldete sich Schwester Heidrun vom Orden Congregatio Jesu mit einer ungewöhnlichen Bitte: Sie befand sich in einer Notlage, denn ihr fehlten Zivildienstleistende, die ihr sonst oft in der Pilgerherberge "Paulus-Haus" in Jerusalem, die vor mehr als 150 Jahren unter Kaiser Wilhelm II. erbaut wurde, tatkräftig zur Seite gestanden hatten.

Das Gespräch dauerte 30 Minuten. Dann gaben die Eheleute Idziaszek ihre Zusage. Denn das kontaktfreudige Weseler Ehepaar hatte insgeheim schon darauf gehofft, dass man auf sein Hilfsangebot, das es im letzten Sommer bei einem persönlichen Besuch vor Ort gegeben hatte, zurückkommen würde.

Beide sind begeisterte Israel-Reisende und gehören dem Deutschen Verein vom Heiligen Lande an, in dessen Trägerschaft auch das "Paulus-Haus" steht. Dort hatten sie zu Pfingsten übernachtet. Schon zum siebten Mal führt sie nun der Weg in die Heilige Stadt.

Los geht es am Mittwoch (01.02.2012). Der Flieger bringt sie von Frankfurt nach Tel Aviv. Wie sie von dort nach Jerusalem kommen werden, wissen sie noch nicht. Nur eine Schwester am Zielort hat nämlich den Führerschein. Aber beide kennen sich im Land so gut aus, dass ihnen das weiter  keine Sorge macht.

Zum ersten Mal waren sie 1994 im Nahen Osten. Bereits vor sechs Jahren, als ihr Mann noch beruflich bei der Bahn beschäftigt war, half Monika Idziaszek bei einem vierwöchigen Arbeitseinsatz am See Gennesaret in der Wäscherei im Pilgerhotel Tabgha mit Mangeln, Falten und Bügeln aus. Kaum im Flugzeug, hatte sie damals als Alleinreisende ein merkwürdiges Gefühl von Unsicherheit beschlichen. Denn bei einer früheren Israel-Reise waren Steine auf den Touristenbus geworfen worden. Doch ihre Sorgen lösten sich schnell in Nichts auf.

"Die Arbeit hat sich sehr gelohnt", sagt Monika Idziaszek. Ihr Kollege Abed, ein Lehrer, der dort die Pilgergruppen betreute, hat das Weseler Paar inzwischen in Deutschland besucht. Idziaszeks sind praktizierende Katholiken und rege in der Martini-Gemeinde tätig. Nur einfach herumsitzen, weil der Ruhestand angebrochen ist, liegt der 68-Jährigen ebenso wenig wie dem 64-Jährigen. Sie suchten eine gemeinsame, sinnvolle und erfüllende Tätigkeit. Da kam Schwester Heidruns Anfrage wie gerufen. "Wir freuen uns, dort lebende Christen unterstützen zu können", sagt Wilhelm. "Überdies möchten wir natürlich die biblischen Stätten besuchen. Wenn man vor Ort die Evangelien hört, kann man sich das alles sehr viel besser vorstellen. Wir haben mit einer Ausnahmegenehmigung sogar schon einmal im Sommer in Betlehem Weihnachten gefeiert, als wir die Geburtsgrotte und die Hirtenfelder besichtigt haben."

Die Weseler sind beide echte Bibelkenner. Sie legen stets Wert darauf, dass es bei den Pilgerreisen des Vereins vom Heiligen Lande eine tägliche Messe gibt – anders als bei gängigen Studienfahrten. Auch zum Oster- und Pfingstfest und im Advent war das Paar schon in Israel.

Diesmal hoffen sie auch verstärkt auf Kontakte zu den Einheimischen und möchten das normale, moderne Leben in Israel kennen lernen – beim Einkaufen oder beim Friseurbesuch. "Israel ist ein hoch entwickeltes Land. Schon vor 15 Jahren hatten wir beim Aufenthalt im Kibbuz einen Computer", sagt Wilhelm. Vor potenziellen Anschlägen haben sie keine Angst. Sollte sich die Lage zuspitzen, würden sie als Volontäre ausgeflogen.

Für das Ehepaar endet die Reise am 18. April 2012. Das Touristenvisum setzt zeitliche Grenzen. "Wir sind uns darüber im Klaren, dass die Arbeit im Pilgerheim kein Zuckerschlecken wird. Wir werden uns um die Buffets kümmern, Getränke auffüllen und auch mal den Putzlappen in die Hand nehmen. Es gibt keine Arbeit, bei der wir nicht mit anpacken würden", sagt Monika. Natürlich stehen auch Ausflüge auf dem Programm, zum Beispiel zum Toten Meer oder zum See Gennesaret. In Jerusalem, das 800 Meter hoch liegt, ist es derzeit noch recht frisch. Doch der Frühling steht vor der Tür. Die Kosten für die Reise werden sie selbst aufbringen.

Die Vorfreude ist groß. Nach dem Motiv befragt, erklärt das Ehepaar: "Wir wollen aus christlicher Nächstenliebe helfen. Wir freuen uns, mit Gleichgesinnten zusammen zu leben und Menschen zu begegnen, die sich zu anderen Religionen bekennen." Vor allem werden sie die von Pater Wilhelm Schmidt vor 125 Jahren gegründete Schmidt-Schule besuchen, die sich neben dem "Paulus-Haus" befindet. Christliche und muslimische Mädchen lernen dort gemeinsam und begegnen so tolerant anderen Religionen.

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