
Der Dominikaner Johannes Zabel am Eingang der Kapelle der Katholischen Hochschulgemeinde in Vechta.
Auch mal auf Englisch um acht Uhr morgens
Pater Johannes Zabel hat die Arbeit aufgenommen
Vechta. Pater Johannes Zabel hat Freude an der neuen Gemeinde. Am Gemeindegottesdienst Dienstagabends, an den anschließenden Treffen im Gemeindezentrum. Bei den Treffen geht es bunt und lebendig zu, etwa bei der Cocktailparty nach dem Semester-Eröffnungsgottesdienst, beim Dreikönigs-Grillen oder einer Feuerzangenbowle, Filmvorführung eingeschlossen.
Grillen und Bibelarbeit
Der Dominikaner ist seit dem Herbst vorigen Jahres Hochschulpfarrer in Vechta, und das Programm trägt seine Handschrift. Nicht nur bei diesen bunten Terminen. Er hat einen Gesprächsabend zu Menschen im Dominikanerorden veranstaltet, zu "Bibliolog - ein Dialog mit der Bibel" und zum Nachdenken über Frömmigkeit bei den Benediktinern eingeladen. Oder zu einem Vortragsabend mit einem Professor zum Thema "Mathematik und Gerechtigkeit". So weit, so vielleicht typisch für eine Hochschulgemeinde.
Und dann gibt es dieses Jahr aber auch Besonderes, was nicht jede Hochschulgemeinde vorweisen kann. Jeden Morgen um acht Uhr wird in der Kapelle auf Englisch Gottesdienst gefeiert. Ein Angebot, das Pater Johannes überall in der Uni mit Plakaten bewirbt – grafisch geschickt gestaltet, von einem Gemeindemitglied.
Möglich ist das, weil ein Priester aus Tansania zurzeit in Vechta seine Doktorarbeit schreibt; hauptsächlich andere Studenten der afrikanischen Partneruniversität sind seine Gottesdienstgemeinde. Pater Johannes steht oft mit am Altar, für deutsche Gottesdienstteilnehmer liegen an der Orgel die englischen Messtexte aus. Pater Johannes hat unter anderem in Kalifornien Theologie studiert; ihn fasziniert ohnehin "der internationale Charakter dieser kleinen Universität mit ihren vielen Partner-Hochschulen".
Aber im Grunde ist das nicht der Alltag in Vechta. Die Universität Vechta sei stark von jungen Menschen geprägt, die das Lehramt anstreben. Und die meist aus der näheren Umgebung kommen. Bremen und Osnabrück seien schon Extremfälle, berichtet Pater Johannes.
Das mache die Gemeindearbeit nicht einfacher. Studierende und Lehrende konzentrieren ihr Programm nach seinem Eindruck stark auf ein "Di-Mi-Do"-Muster, wie man es an der Universität nennt: dienstags bis donnerstags wird studiert, dann ruft die Heimat – anders als in großen Universitäten. In Vechta, so formuliert es Pater Johannes, sei "der Pendleranteil" sehr groß. Er hat mit Terminen im Gemeindeleben schon darauf reagiert.
Bis in den Abend
Problem Nummer zwei: Die Universität in Vechta wird zurzeit erweitert, überall wird gebaut. Das bedeutet: Vorlesungen und Seminare werden oft bis in den Abend hinein angeboten, weil Räume fehlen. Anschließend sind viele Studierenden erschöpft und am Leben in der Hochschulgemeinde weniger interessiert.
Der Blick auf Kräne und Bauzäune bei der Universität lenkt den Blick des Paters aber auch auf ein großes Projekt seiner Gemeinde. In diesem Jahr sollen das alte Gemeindehaus und ein Nebengebäude abgerissen werden, ein großzügiger Neubau ist geplant.
Strahlend berichtet der Pater Johannes von den Plänen, wie großzügig das neue Gebäude aussehen soll, von dem Gedanken, ein Café einzurichten, das mit seiner Front zum Universitätsgebäude hin ein Zeichen für Offenheit sein soll.
Allerdings musste auch etwas geschehen. Das Zentrum der Gemeinde war ein altes Einfamilienhaus. "Der Vorteil", so Pater Johannes, "ist die Gemütlichkeit. Aber solche Häuser haben eben – auch im übertragenen Sinn – eine Schwelle." Die wolle man aufheben. Zudem liegt die Kapelle der Gemeinde zwar eigentlich ideal: Im Trakt "R" der Universität mitten zwischen den Hörsälen. Genutzt werden darf sie jedoch nur noch bis 2014. Also ist eine neue Kapelle nötig. Beide Elemente werden nun in einem Neubau vereint.
Für den Übergang werde das Gemeindeleben nicht leichter, gibt Pater Johannes zu. Ein Teil der Kapelle werde abgetrennt für einen Gemeindesaal, während der Bauzeit werde man Kompromisse machen müssen.
Mit angehenden Lehrern
Nur eines geht ungeschmälert weiter: die Arbeit als Mentor. Dort begleitet er Theologiestudenten für das Lehramt, sorgt für das verpflichtende Begleitprogramm der angehenden Religionslehrer. Zum Beispiel einen Informationsabend mit der Schulabteilung des Bischöflichen Offizialates, Orientierungsgespräche und Besinnungstage. Bis sie aus der Hand des Weihbischofs die offizielle kirchliche Lehrberechtigung, die "missio canonica", erhalten können.
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Text: Franz Josef Scheeben | Foto: Franz Josef Scheeben in
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