
Weihbischof Stefan Zekorn beim letzten Gottesdienst in der Liebfrauen-Kirche Beckum.
Traurig, aber unumgänglich
Die Liebfrauen-Kirche in Beckum wurde profaniert
Beckum. Zehn selbst gezimmerte Holzkreuze stehen vor der Kirche, eines trägt die Aufschrift "Unsere Kirche soll Kirche bleiben". Davor brennen Fackeln. Am Portal haben Gläubige Kerzen und rote Rosen aufgestellt – Ausdruck der Trauer der Liebfrauen-Gemeinde in Beckum, deren Gotteshaus am Sonntag (22.01.2012) profaniert wurde.
Aber die Gläubigen wissen mittlerweile auch um die Unumgänglichkeit dieser Maßnahme. Viele sind zum Abschiedsgottesdienst gekommen, um ein letztes Mal Eucharistie zu feiern in einem Gotteshaus, das ihnen ein Leben lang vertraut war. Einer von ihnen ist der langjährige Diakon Erich Bomke. Dass die Liebfrauen-Kirche aufgegeben und einem profanen Gebrauch zugeführt wird, treibt dem 89-Jährigen die Tränen in die Augen.
Verständnis für die Wehmut der Menschen zeigte Weihbischof Stefan Zekorn in dem letzten Gottesdienst. "Zahlreiche Lebensgeschichten sind mit diesem Gotteshaus verbunden, viele kennen hier jede Ecke", sagte Zekorn. Auch ein aktives Gemeindeleben habe es gegeben. Klar sei aber auch, dass die Zahl derer, die zu den Gottesdiensten kämen und sich in der Kirche engagierten, kontinuierlich abnehme. "Darin spiegelt sich die zunehmende Säkularisierung der Gesellschaft", sagte der Weihbischof.
Zekorn erinnerte an einen Brief des heiligen Paulus an die Korinther, in dem es sinngemäß heißt: "Die Gestalt der Welt vergeht, es gibt nichts Bleibendes, nur Gott. Auf ihn können wir setzen." In diesem Sinn rief der Weihbischof die Gläubigen dazu auf, die Chancen zu nutzen, die die Zukunft für die Gemeinde eröffne.
Neue Nutzung
Dann erinnerte Zekorn an die Diskussionen der vergangenen Monate zwischen Vertretern des Bistums und der Initiative "Pro Liebfrauen", die sich vehement für den Erhalt der 90 Jahre alten Kirche eingesetzt hatte. Er würdigte das Engagement aller Beteiligten, das allen viel Kraft gekostet hätte. "Auf beiden Seiten sind aber auch Verwundungen hinterlassen worden, die erst langsam heilen werden", räumte Zekorn ein. Umso mehr hoffe er, dass das letztlich zustande gekommene Konzept für die weitere Nutzung der Liebfrauen-Kirche von allen mitgetragen werde.
Im Anschluss an den Gottesdienst las der Propst der St.-Stephanus-Gemeinde, Johannes Mecking, das von Bischof Felix Genn verfasste Dekret über die Profanierung der Liebfrauen-Kirche vor. Danach räumten Messdiener den Altarschmuck ab. Unter den Klängen der Allerheiligenlitanei entnahmen Geistliche anschließend dem Altar seine Reliquien. Der Kelch mit den geweihten Hostien wurde aus dem Tabernakel entfernt, das Ewige Licht aus der Kirche gebracht.Schließlich zogen die Gläubigen gemeinsam mit Weihbischof Zekorn und Propst Mecking aus der Kirche. Die geplante Prozession zur St.-Stephanus-Kirche, die die neue Pfarrkirche der Liebfrauen-Gemeinde wird, fiel wegen schlechten Wetters aus.
Die Zukunft der Liebfrauen-Kirche ist klar: Das Gebäude wird ein Raum für sakrale Kunstgegenstände aus den Kirchen des Bistums Münster. Allein im kommenden Jahr werden zwölf Kirchen im Bistum profaniert.
Doch auch als Gebetsraum steht die Liebfrauen-Kirche weiterhin zur Verfügung. Dafür soll im Turm eine Kapelle eingerichtet werden, in dem unter anderem ein Mal pro Woche werktags eine Eucharistiefeier stattfinden soll. Die Glocken werden ebenfalls weiterhin läuten.
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Text: Marita Galka | Foto: Marita Galka in
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