
Nina Enseling (2.v.l.) organisiert verschiedene offene Angebote.
Ein offenes Ohr für psychisch kranke Menschen
Teestube in Dülmen sucht Ehrenamtliche
Dülmen. Jeden Dienstagnachmittag um 16 Uhr öffnet sich in Dülmen die Tür zur Teestube der Kontakt- und Beratungsstelle der Gemeindepsychiatrischen Dienste des Caritasverbands für den Kreis Coesfeld. Es ist ein offener Treff für Menschen, die psychisch erkrankt sind sowie deren Angehörige.
Fast ein Jahrzehnt hat Inge Hövener die Teestube geleitet. "Doch sie ist ehrenamtlich in Rente gegangen", erzählt Teamleiterin Nina Enseling mit einem Lächeln. Das Angebot gibt es natürlich weiter, doch gern würden die Verantwortlichen wieder Ehrenamtliche in ihren Räumen begrüßen. "Dabei geht es nicht um fachliche Qualifikationen. Sondern es geht darum, ein gemütliches Beisammensein zu organisieren und eine entspannte Atmosphäre zu schaffen", berichtet die 31-Jährige.
Den Besuchern der Teestube geht es ähnlich. Sechs bis sieben Gäste kommen regelmäßig zu diesem Treff, der nicht das einzige offene Angebot in Dülmen und im Kreis Coesfeld ist. Drei weitere Ehrenamtliche engagieren sich in Angeboten wie dem Bistro-Frühstück oder dem Mittagstisch. "Wir würden uns aber freuen, wenn sich noch weitere melden würden", gesteht die Diplom-Pädagogin.
Willkommen sind Frauen und Männer, die Lust haben, auf Menschen zuzugehen und zuhören können. "Wenn es jemandem nicht gut geht und er einfach einmal erzählen möchte, dann sind wir da. Oder wenn jemand von der Behörde mit einer Frage zurückkommt, stehen wir ihm ebenso zur Seite."
Mit den niederschwelligen Angeboten bieten die Gemeindepsychiatrischen Dienste den Erkrankten eine Möglichkeit zum Austausch. "Es gibt jederzeit auch die Gelegenheit für die Gäste, sich mit uns Hauptamtlichen in ein Büro zurückzuziehen. Wir sind eine Stelle, die berät und klärt. Wichtig ist uns die Krisenintervention."
Nachdem Enseling Tee und Kaffee gekocht sowie Kekse auf den Tisch gestellt hat, kommen nach und nach die Gäste. Sie mögen die Zusammenkünfte und die Atmosphäre in der Beratungsstelle. "Außerdem bin ich dann nicht allein", begründet ein Besucher seine regelmäßige Teilnahme. Die Teestube ist nicht das einzige Angebot, das er wahrnimmt.
"Ich habe mir über die verschiedenen Treffen einen neuen Bekanntenkreis aufgebaut", erklärt eine weitere Besucherin. Aufgrund ihrer Depressionen habe sich ihr alter Freundeskreis nach und nach von ihr gelöst. Das sei eine Erfahrung, die viele psychisch Erkrankte auch gemacht hätten. "Die Gesunden verstehen unsere Probleme nicht", bedauert sie. Inzwischen sei sie aber medikamentös gut eingestellt.
Wenn die Gäste zusammensitzen, sind die Themen vielfältig. Denn die Besucher kennen sich. "Natürlich tauschen sie sich auch über ihre Krankheiten aus. Aber diese stehen nicht im Vordergrund", weiß Enseling. Jeder habe sein "Päckchen zu tragen", dementsprechend sensibel gingen die Gäste auch miteinander um. Für die Besucher der Teestube ist das Angebot wichtig. Für sie bedeutet es einen festen Punkt in ihrem Zeitplan.
"Manche sind aufgrund ihrer Krankheit antriebsschwach oder in einer depressiven Stimmung. Deshalb ist es gut, wenn sie mit anderen Menschen in Kontakt treten und es auch bleiben", erklärt die Fachfrau. Aus dem lockeren Zusammentreffen in der Kontakt- und Beratungsstelle sind schon Freundschaften entstanden. Manche Besucher verabreden sich zu einem Kneipenbummel, treffen sich zum Kartenspielen oder kochen gemeinsam. "Es ist gut, unter Menschen zu kommen", betont eine Teilnehmerin.
Was erwarten die Gäste von neuen Ehrenamtlichen? "Offen und ehrlich sollten sie sein, aber auch die Gespräche moderieren können. Sie sollten Spaß an dieser Arbeit haben und Menschen mögen. Sie sollten neugierig sein, sich selbst aber auch zurücknehmen können", lautet die einhellige Einschätzung.
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Text: Michaela Kiepe | Foto: Michaela Kiepe in
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