
Georg Kallage ist seit Schuljahresbeginn neuer Schulleiter der Franziskusschule in Wilhelmshaven. Der 55-Jährige stammt gebürtig aus Goldenstedt und lebt jetzt in Varel.
Franziskusschule in Wilhelmshaven
Christlich orientiert und nicht weltfremd
Wilhelmshaven. Er ist der neue Schulleiter der Franziskusschule in Wilhelmshaven. Seit 30 Jahren unterrichtet Georg Kallage schon an der bischöflichen Haupt- und Realschule. Was er meint, wenn er seine Schule so beschreibt: "christlich orientiert und nicht weltfremd".
Der Vorteil ist ein Vorurteil, sagt der neue Schulleiter. "Manche Leute in der Stadt behaupten ja, die Franziskusschule habe eine ‚bessere Klientel‘. Aber das stimmt nicht", sagt Georg Kallage. "Wir nehmen zum Beispiel jeden katholischen Schüler, der sich bei uns anmeldet. Und man kann doch nicht sagen, dass katholische Familien besser sind als evangelische?"
Gut dreißig Jahre ist der 55-Jährige schon Lehrer an der bischöflichen Schule, er weiß, wovon er spricht. "Natürlich haben wir auch Kinder aus so genannten guten Elternhäusern. Aber fast ein Viertel lebt von Hartz IV."
Ein Viertel Hartz IV
Fast täglich liegen Anträge auf seinem Schreibtisch. Für Zuschüsse aus dem so genannten Bildungspaket. Für Schulgeld, Lernmittelkosten, Essensgeld. Für etwa 120 der gut 500 Kinder. Dazu kommen die Eltern, die die Hartz-IV-Grenze nur knapp überschreiten. Die auch oft nicht wissen, wo sie das Geld hernehmen sollen: 60 Euro im Monat fürs Mittagessen, 60 Euro im Jahr für die Buchausleihe oder jährlich 48 Euro für Sachkosten. Mit denen sucht Georg Kallage am runden Tisch seines Schulleiter-Büros dann nach anderen Lösungen. Mal über Ratenzahlung, mal helfen Spenden. Am Geld soll es nicht scheitern.
Die bischöfliche Haupt- und Realschule ist eine Schule mit ähnlichen Problemen wie andere in einer Stadt, in der rund ein Drittel der Kinder unter 15 Jahren von Hartz IV lebt. Aber manchmal erscheint sie auch als eine besondere Schule.
Georg Kallage erzählt etwa von den Schulinspektoren. Diese Experten hatten die Franziskusschule kurz nach den Sommerferien unter die Lupe genommen. "Und die Damen und Herren waren sehr verwundert, auf dem Schulhof von Mädchen und Jungen freundlich gegrüßt zu werden." Georg Kallage lächelt. "So etwas kannten sie von anderen Haupt- und Realschulen nicht." Diese Freundlichkeit, vielleicht habe sie mit dem Konzept zu tun, mutmaßt der Leiter. "Zum Beispiel damit, dass wir morgens im Kreis gemeinsam beten." Oder es liege an den Wochenanfangs- und Wochenabschlusskreisen. Alles möglicherweise Rituale mit Nebeneffekt. "Wenn man sich begrüßt, übt man Freundlichkeit ein – ohne dass sie extra im Lehrplan stehen muss."
Seit 1982 ist Georg Kallage an der Schule. Direkt nach der Lehrerausbildung in Vechta und Lohne war der gebürtige Goldenstedter als Lehrer für Mathe und Physik in die Jadestadt gekommen. Und als einer, den Kirche und Gemeinde geprägt haben. In seiner alten Heimat Goldenstedt zählte er zum Lektorenkreis um den damaligen Pfarrer Westendorf. In seiner neuen Heimat Varel stand der Vater von fünf Töchtern einige Jahre dem Pfarrgemeinderat vor.
Bis vor kurzem sang er in der Kantorei der Sankt-Bonifatius-Gemeinde gregorianische Gesänge. "Solange wir sonntags nach dem Gottesdienst geprobt haben, passte das. Jetzt ist der Termin in der Woche. Das schaffe ich nicht mehr", bedauert er, "leider".
Messbar guter Ruf
Auch, weil Georg Kallage in diesem Schuljahr die Hauptverantwortung übernommen hat – nach Jahren als Konrektor. Verantwortung auch für den guten Ruf der Schule. Ein Ruf, der messbar ist. Zum Beispiel in den Anrufen von Ausbildungsbetrieben auf der Suche nach einem neuen Lehrling. Oder in der Nachfrage. "Jedes Jahr müssen wir sechzig, siebzig Bewerbern absagen", sagt der Leiter. "Die Eltern sehen, dass wir eine Schule mit gutem Angebot sind. Christlich orientiert, aber nicht weltfremd." Sondern mit Blick auf die Nöte und Bedürfnisse von Schülern und Eltern.
Christlich orientiert – dazu zählen zum Beispiel Projekte in der Fastenzeit oder die traditionelle "Franziskusaktion" am Patronatstag. Oder die "Klassengottesdienste". Dazu marschiert jede Woche eine Gruppe gemeinsam in die Morgenmesse in der Willehadkirche. Nicht weltfremd – dazu zählt der Wandel, den die Schule gerade in den letzten paar Jahren durchlaufen hat und weiter durchläuft. Mit dem "Projekt Hauptschule" und mit der Entwicklung zur Oberschule.
"Der verbindliche Ganztagsunterricht zum Beispiel ist ein guter Weg", sagt Georg Kallage. "Ich sehe, wie unser Modell den Schülern hilft. Dass wir sie nachmittags nicht einfach betreuen, sondern dass ein Konzept dahinter steht." Mit übendem Lernen, Firm- oder Konfirmandengruppen. Auch die Sportvereine haben schon an die Tür des Rektors geklopft. Für Kinder aus sozial schwächeren Familien sei oft schon die regelmäßige warme Mahlzeit ein Gewinn. "Manche hätten sonst wohl einfach drei Euro für McDonald´s in der Hand."
Neue Mensa kommt
Die Franziskusschule steht vor weiteren Entwicklungen. Schon jetzt werden in der auf 200 Mahlzeiten ausgelegten provisorischen Mensa 300 Essen ausgegeben. Nach den Sommerferien sollen es in einer neuen Mensa 400 sein. "Gestern war der Architekt da", sagt Georg Kallage.
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Text: Michael Rottmann | Foto: Michael Rottmann in
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23.01.2012
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