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22.05.2012
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Willy Schrudde sorgt dafür, dass "seinen" Lesern Max Waterkotte (13), Beate Winkelmann (50) und Maria Gladen (87) der Lesestoff nie ausgeht. (v. l.).

Willy Schrudde sorgt dafür, dass "seinen" Lesern Max Waterkotte (13), Beate Winkelmann (50) und Maria Gladen (87) der Lesestoff nie ausgeht. (v. l.).

Katholische Öffentliche Bücherei von St. Laurentius

Büchereiarbeit: Herr über 600 neue Bücher pro Jahr

Dorsten-Lembeck. Wer die St.-Laurentius-Kirche in Dorsten-Lembeck durch den Nebeneingang betritt, ein paar Stufen nach unten geht, stößt auf ein kleines Juwel, auf das die Lembecker stolz sein dürfen. Es ist die Katholische Öffentliche Bücherei (KÖB) von St. Laurentius, die im vergangenen Jahr den 150. Geburtstag feiern konnte. Sie ist eine von drei bestehenden kirchlichen Gemeindebüchereien im Stadtgebiet von Dorsten. Zum Geburtstag erschien eine 76 Seiten starke Festschrift, in der der 77-jährige Willy Schrudde, der seit 19 Jahren die Bücherei ehrenamtlich leitet, die Geschichte der mittlerweile zur Institution gewordenen Gemeindebücherei dargestellt hat.

Im 19. Jahrhundert forderte die Sozialpolitik von der katholischen Kirche die Verbreitung von geistlicher Erbauungsliteratur und regte mit der Gründung des "Borromäusvereins" 1845 die Einrichtung von Büchereien an. Auch heute wird auch die katholische Bücherei in Lembeck von dem Verein beraten und betreut. Über die Anfänge der Bücherei St. Laurentius im Jahr 1861, als der Ort erst 2.000 Einwohner zählte, ist nicht viel bekannt. Der damalige Pfarrer Friedrich Graf von Galen richtete drei Jahre vor seinem Tod die Pfarrbücherei mit dem Namen "Volks-Bibliothek des Borromäusvereins" ein.

Von 1920 bis 1983 hieß sie "Volks- und Jugendbücherei", und bis heute hat sie den Namen "Katholische Öffentliche Bücherei". Inzwischen haben Computertechnik und ein weites Spektrum von ausleihbaren Medien Einzug in das Untergeschoss der Kirche gehalten. Zudem stehen Bestseller und aktuelle Werke von Autoren und Autorinnen wie Herta Müller, Philipp Roth, Ingrid Noll, Christa Wolf, Martin Sutter in den Regalen und Präsentationsständern. "Bislang konnte ich 22. 346 Ausleihen registrieren", sagt Willy Schrudde nicht ohne Stolz. Heute sind in der Bücherei Literatur aus allen Wissensgebieten zu finden, Bildbände und Romane, Krimis und Kinderbücher, Hörbücher, Spiele und Videos, die von den 2.670 Lesern – die älteste Leserin ist 96 Jahre alt – ausgeliehen werden. Darunter gibt es viele Stammleser, die nicht nur aus Lembeck kommen, sondern auch aus den benachbarten Gemeinden wie Wulfen, Deuten und Rhade sowie aus Borken.

Für sein "langjähriges Engagement im kulturellen und kommunalpolitischen Bereich" wurde Willy Schrudde mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. "Es ist seinem Einsatz zu verdanken", so der damalige Landrat Jochen Welt, dass die Bücherei insbesondere für Kinder und Jugendliche zu einer attraktiven Institution geworden sei.

Beachtlich ist der Jahresetat in Höhe von 7.000 Euro, mit dem Willy Schrudde Medien einkaufen kann. Die Summe setzt sich aus Spenden, Beiträgen des Fördervereins und aus Zuschüssen der Gemeinde, der Stadt und der Diözese Münster zusammen. Schrudde wählt die Bücher aus und richtet sich dabei nach den Bestsellerlisten der Zeitschriften und Magazine. 600 neue Bücher werden jährlich angeschafft. Kein Buch kommt ins Regal, von dem er nicht einen guten Eindruck gewonnen hat. Deshalb liest Schrudde viel. Dabei erinnert sich der pensionierte Sparkassen-Betriebswirt gern an seine Jugendzeit zurück, als er Karl May mit der Taschenlampe noch heimlich unter der Bettdecke gelesen hat.

"Besonderen Wert legen wir auf die Betreuung der beiden Kindergärten und der Don-Bosco-Grundschule, um die Kinder ans Buch zu führen. Es soll ein Versuch sein, sie von den Massenmedien fernzuhalten. Bücher führen weiter und bilden", sagt Schrudde. Seit 1996 kooperiert die Lembecker Bücherei mit der Stadtbibliothek Dorsten.

Dass die Katholische Öffentliche Bücherei in Lembeck bestens angenommen wird, bestätigen stellvertretend für die Leser drei Lembecker, die mit Kopf, Herz und Seele dabei sind. Zusammen zählen sie genauso viele Jahre wie "ihre" Bücherei: 150.

Maria Gladen (87 Jahre), Beate Winkelmann (50 Jahre) und der Schüler Max Waterkotte (13 Jahre). Bevor Max in die Bücherei kam, war er kein Lesefan. Heute liest er fast täglich und begeistert sich an Fantasy-Romanen. Obwohl der Gesamtschüler auch in der Schulbibliothek Wulfen Bücher ausleiht, ist die Lembecker Bücherei "seine Bibliothek". Er wünscht sich, dass sie immer ein Ruhepol bleiben wird.

Beate Winkelmann, die seit 20 Jahren in Lembeck wohnt, gefällt die persönliche Beratung durch Willy Schrudde. Wenn sie einen Buchvorschlag hat, schiebt sie, die gern Kriminalromane mit Lokalbezug sowie Beziehungsgeschichten liest, dem Büchereileiter ab und zu einen Zettel zu. Ihr Geburtstagswunsch: "Dass alles so persönlich bleibt, wie es ist."

Maria Gladen liest gern Berg- und Heimatromane vor dem Einschlafen. Denn "lesen beruhigt". Sie wünscht ihrer Bibliothek, dass Willy Schrudde noch lange die Bücherei leitet. Und der Leiter der Bücherei wünscht sich: "Dass mir der liebe Gott die Gesundheit erhält und ich noch lange in der Bücherei zum Wohl meiner Mitbürger arbeiten kann."

Öffnungszeiten

Die Katholische Öffentliche Bücherei ist geöffnet sonntags von 9.30 bis 11.30 Uhr, dienstags von 15 bis 17 Uhr und donnerstags von 16 bis 18 Uhr. Über den Medienbestand informiert die Homepage.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterBistumshandbuch: Katholische Öffentliche Bücherei (KÖB)
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterBistumshandbuch: Katholische Büchereiarbeit (Statistik)

Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.koeb-lembeck.de

Text: Maria Nienhaus | Foto: Maria Nienhaus in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
23.01.2012

    1. Bistumshandbuch: Katholische Büchereiarbeit
    1. Bistumshandbuch: Katholische Öffentliche Bücherei (KÖB)

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