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22.05.2012
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Hildegard Kröger überbringt Weihbischof Heinrich Timmerevers Neujahrswünsche.

Die Vorsitzende des Komitees katholischer Verbände, Hildegard Kröger, überbringt Weihbischof Heinrich Timmerevers Neujahrswünsche.

Freude auf die neue Kirche in Schillig

Neujahrsempfang von Weihbischof Timmerevers

Vechta. Der Alltag des kirchlichen Lebens im Oldenburger Land war im vorigen Jahr weiter stark durch den Prozess der Strukturveränderungen geprägt. Das hat Weihbischof Heinrich Timmerevers in seinem Jahresrückblick während des Neujahrsempfangs in Vechta hervorgehoben. Zwar sei der erste große Schritt, die Zusammenführung der Pfarrgemeinden, "weitestgehend" abgeschlossen. Doch bleibe die Aufgabe, neben den äußeren Strukturveränderungen auch der "inneren Reform" zu dienen. "Wir müssen uns gegenseitig wieder vertieft an die Wurzel des Bundes mit Gott führen lassen", sagte der Weihbischof.

Genau diesem Anliegen diene ein neues Seelsorgeprojekt des oldenburgischen Pastoralrates mit dem Namen "Ohrenschmaus". Von einander hören, was im Glauben bewege und stärke, sei ein guter Weg für die Gemeinden in eine lebendige Zukunft, sagte der Weihbischof.

Inzwischen sind die ursprünglich 123 oldenburgischen Gemeinden auf ein Drittel zurückgeführt worden. Die Zusammenlegungen von Holdorf mit Steinfeld und von Neuenkirchen mit Damme sind noch im Gang; weitere Veränderungen im Dekanat Delmenhorst sind nicht ausgeschlossen.

Neue Anstöße

Als "vielversprechend" habe er im Vorjahr den Auftakt zum Gesprächsprozess der Deutschen Bischofskonferenz "Im Heute glauben" wahrgenommen, sagte der Weihbischof weiter. Die Diskussion bei der Auftaktveranstaltung in Mannheim zwischen bischöflichen Vertretern und dreihundert Vertretern von Verbänden und Räten nannte er einen "sehr ermutigenden Dialog auf Augenhöhe" zur Standortbestimmung im Glauben. Für den Offizialatsbezirk war Stefan Schute aus Lindern Mitglied der Bistumsdelegation.

Weihbischof Timmerevers sprach auch Ereignisse an, die nach seinen Worten einen "Schatten" auf das kirchliche Leben in der Region gelegt haben (siehe unten). Er nannte die Missbrauchsfälle des ehemaligen Pfarrers der Gemeinde Allerheiligen in Delmenhorst und den Finanzskandal um Dechant Alfons Kühling in Cloppenburg. Er sprach von "unsäglichem Leid für die Missbrauchten" und einer "bedrückenden" Lage in Cloppenburg.

Als besonders freudiges Zeichen für das kommende Jahr nannte Weihbischof Timmerevers den Neubau der Marienkirche in Schillig. Die neue Kirche sei ein untrügliches Zeichen dafür, "dass Christus durch die Zeit hindurch und trotz aller Widrigkeiten seine Kirche baut."

Dokumentiert aus der Neujahrsansprache des Weihbischofs

Zu den Missbrauchsfällen eines ehemaligen Pfarrers:
"Eine Neujahrsansprache soll und kann nicht alles schönreden. Ich will nicht verschweigen, dass es im vergangenen Jahr auch Ereignisse bei uns gab, die nicht gut waren, die sich wie ein Schatten auf das kirchliche Leben gelegt haben. Da sind zum einen die offenkundig gewordenen mutmaßlichen sexuellen Missbräuche durch den ehemaligen Pfarrer der Gemeinde Allerheiligen in Delmenhorst. Das Bekanntwerden der Vorwürfe hat vielen Delmenhorstern den Boden unter den Füßen weggezogen. Auf zwei öffentlichen Gesprächsforen konnten die Gläubigen ihre nachvollziehbare Wut, ihre Enttäuschung und auch Verzweiflung zur Sprache bringen und ausdrücken. Ich habe viel Verständnis für diese Reaktionen. Die vorgeworfenen Taten sind verachtenswert und hinterlassen schwer traumatisierte Opfer, die ein Leben lang daran zu tragen haben.
Mit diesen Gesprächen wurde versucht aufzuarbeiten, wie auch die katholische Kirche in unserem Land sich darum bemüht, das Leid der Opfer anzuerkennen und ihnen verschiedene Hilfe zukommen  zu lassen. Wohl immer nur unzureichend ist damit etwas gutzumachen, aber jeder muss wissen, dass das Schweigen dazu in der Kirche ein Ende hat."

Zum Finanzskandal in Cloppenburg:
"Das vergangene Jahr war auch aufgrund der noch immer andauernden und äußerst  mühsamen Klärungen rund um das unselige Finanzgebaren des ehemaligen Pfarrers von Sankt Andreas in Cloppenburg eine schwere Belastung für die Kirchengemeinde, für die katholische Kirche im Oldenburger Land und schließlich auch für meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Offizialat und auch für mich persönlich. Seit einigen Jahren versuchen wir Licht in dieses Dickicht jahrelanger Missachtung allgemeiner Gesetze und Regeln im Umgang mit kirchlichen Stiftungsgeldern zu bringen. Und noch immer ist dieser Prozess nicht abgeschlossen.
Natürlich kann man die Frage stellen, ob die kirchliche Aufsicht nicht schon früher hätte handeln müssen. Ich kann mit Bestimmtheit sagen, dass dies vor 2007 nicht möglich war. All das, was seitdem an unrechtmäßiger Praxis zu Tage trat, spielte sich vorher außerhalb der Bücher, Buchungskreise und auf verschiedenen Schwarzkonten ab. Um die Aufarbeitung sowie die damit verbundenen Ermittlungen nicht zu behindern, konnte der Visitationsausschuss, den der Bischof von Münster eingesetzt hatte, erst vor einigen Wochen mit konkreten Ergebnissen an die Öffentlichkeit gehen. Dass bis dahin das Offizialat, die Seelsorger in Cloppenburg, Gremienvertreter und auch meine Person erhebliche Vorhaltungen, Beschimpfungen und Schmähungen aushalten mussten, ohne adäquat reagieren zu können, war sehr schmerzhaft und ist nicht ohne Spuren an uns vorbei gegangen. Bei allem bleibt festzustellen: In der ganzen Angelegenheit gibt es nur Verlierer. Das ist bedrückend."

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Weihbischof Heinrich Timmerevers

Text: Franz-Josef Scheeben | Foto: Franz-Josef Scheeben in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
10.01.2012

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