
Ute Giesen wurde von Pastor Johannes Vermöhlen für ihre Verdienste um die Kirchenmusik ausgezeichnet.
Musik als Lebenselixier
Ute Giesen hatte ihr berufliches Ziel immer vor Augen
Voerde/Ginderich/Büderich. Ute Giesen ist eine aktive und vielseitig begabte Frau. Das gilt besonders für die Kirchenmusik, der sie seit 25 Jahren eng verbunden ist. Für ihr Engagement wurde sie deshalb von Pastor Johannes Vermöhlen im Auftrag des Bistums Münster ausgezeichnet.
Seit 2001 drückt Ute Giesen in der Seelsorgeeinheit St. Mariä Himmelfahrt Ginderich und St. Peter Büderich die Orgelbank. Ihr Herzensanliegen: Musik und Glaube im Alltag deutlich zu verbinden. "Ich selbst lerne meine Noten am liebsten beim Bügeln", schmunzelt sie. Jedes Orgelspiel empfindet sie als spirituelles Erlebnis. Denn für die Frau aus Friedrichsfeld (Voerde) ist ihr Glaube eine Grundfeste im Leben. In ihrer Wohnung umgibt sie sich mit Skulpturen wie "Der Rufer in der Wüste" oder "Der verlorene Sohn". Giesen ist grundsätzlich an dem Thema Religion interessiert. So machte sie sich auf eine Spurensuche nach Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen während eines Auslandssemesters am religionswissenschaftlichen Institut im indischen Poona.
Leitung eines Chors
Neben dem Orgelspiel bedeutet Ute Giesen auch das Singen sehr viel. Ihr Chor "Harmonie Ginderich" gehört zum Chorverband NRW und beschäftigt sich auf ihre Initiative vor allem mit geistlicher Musik. Insbesondere Alte Musik im kleinen Ensemble fasziniert Giesen.
Drei Dinge zeichnen die Kirchenmusikerin aus. Sie lebt für Musik. Sie ist bildungshungrig. Sie bringt ihre Glaubensgrundsätze in die musikalische Ausbildung junger Menschen mit ein. Für ihren Jugendchor, den Sing- und Spielkreis St. Peter, komponiert sie gern, zuletzt die Musik "Arche Noah" und derzeit ein Singspiel über ein mittelalterliches Märchen. Die Wanderausstellung mit Heiligen – Bilder, die ihre Schützlinge mit ihr gestaltet haben – ist am Niederrhein unterwegs. "Denn ich bemerkte, dass die Heiligen immer mehr in Vergessenheit geraten", sagt sie.
Ute Giesen hat ihrem Drang zur Musik immer beherzt Nachdruck verliehen. Oft musste die Arbeitertochter von vorn anfangen, verlor jedoch nie ihr Ziel aus den Augen. Mit 13 Jahren gewann sie für ihr Flötenspiel einen Preis bei "Jugend musiziert". Sie erzählt: "Professor York Höller wollte mich daraufhin als Jungstudentin an die Musikhochschule Köln holen. Mein Vater hielt nichts davon. Aber ich setzte mich durch und durfte so immerhin den C-Kurs in Xanten besuchen, während ich noch Schülerin am Gymnasium Voerde war."
Singen mit Kindern
Für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verlangte das Bistum eine fundierte pädagogische Ausbildung. So folgte nach dem Abitur ein Lehramtsstudium an der Universität Duisburg in Katholischer Theologie und Musikpädagogik. Währenddessen füllte Giesen bereits eine Stelle als Kirchenmusikerin in St. Barbara Möllen aus.
Durch die Vermittlung von Professor Franz-Josef Nocke gelangte sie nach Duisburg- Meiderich. Sie kam in eine andere Welt. Im dortigen ökumenischen Zentrum spürte sie die Folgen der Aussiedlerwelle aus Polen, Russland und Tschechien in den Neunzigerjahren. "Ich war praktisch Integrationshelferin", berichtet Giesen. "Hausaufgaben betreuen, singen, flöten, das schafften wir zusammen und verständigten uns dazu mit Händen und Füßen."
Ein schwieriges Umfeld, in dem sie eines Tages sogar einen Wohnungslosen antraf, der auf der Orgelbank sein Süppchen kochte. Marienthal und Kamp-Lintfort waren weitere Stationen ihrer musikalischen Arbeit. "Der Beruf der Kirchenmusikerin ist schwierig", gesteht sie. "Man muss sich gegenüber Kirchenvorständen durchsetzen und ist als Frau eher von der Sparwelle in der katholischen Kirche betroffen."
In Köln hat sich Giesen jetzt zum Studium der Kirchenmusik eingeschrieben. Gleichzeitig arbeitet sie seit Oktober in Essen auf den Master im Fach Kinderchorleitung hin. Ein Pendlerleben, das sie neben ihrer Arbeit als Organistin auf sich genommen hat.
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Text: Martha Agethen | Foto: Martha Agethen in
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