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21.05.2012
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Den Stall hat Heinrich Kascha nach dem Vorbild der Alpenkrippe nachgebaut.

Den Stall hat Heinrich Kascha nach dem Vorbild der Alpenkrippe nachgebaut.

Krippenlandschaft:

Wie das Kamel in die Alpen kommt

Marl. Im Wohnzimmer ist kein Platz mehr für einen Weihnachtsbaum. Dieser ist auf den Balkon ausgelagert. Als zusätzlicher Ausgleich hängt am Balkongeländer eine beleuchtete Tannengirlande. Dabei hat Heinrich Kascha in diesem Jahr seine Alpenkrippe sogar kleiner aufgebaut als in den Vorjahren. Das Wohnhaus und der Stall für das Vieh sowie die Mühle stehen in seinem kleinen Bastelkeller. Das Kirchlein hat seinen Standort links neben der Krippe. "Für alles war dieses Jahr leider kein Platz", bedauert der Rentner aus Marl.

Seit 30 Jahren werkelt er regelmäßig in seinem kleinen Kellerraum. "Eigentlich schon viel länger. Ich habe in Schlesien bereits mit meinem Großvater Papierkrippen gebastelt, die von hinten mit einer Kerze beleuchtet wurden", erinnert er sich.

Auf die Idee, eine Alpenkrippe zu bauen, kam er bei einem Besuch in Ruhpolding. Dort fiel ihm ein Prospekt in die Hand, der als Vorlage für den ersten Stall diente. "Auch die Figuren habe ich dort gekauft. Sie sind alle handgeschnitzt", berichtet der 81-Jährige stolz. Die Bergkette, die als Hintergrund das Weihnachtsgeschehen schmückt, hat er aus Styropor nach Vorlage eines Fotos nachgearbeitet.

Kascha ist ein Fan der Berge, im Speziellen der Loferer Steinberge. Seit mittlerweile 24 Jahren verbringt der gelernte Chemiefacharbeiter einmal im Jahr seinen Urlaub in St. Martin bei Lofer, "immer in der gleichen Frühstückspension". Inzwischen macht er sich dorthin allein auf den Weg, denn die Kinder sind längst erwachsen, und seine Ehefrau teilt sein Hobby nicht. "Ich bleibe dann mit unserem Hund zu Hause und genieße die Ruhe", erzählt sie.

Viele Ideen bringt er mit aus dem Urlaub: auf Postkarten, Fotos oder von Prospekten. Doch er hat mehr als diese Erinnerungen im Gepäck, wenn er nach Marl zurückkehrt. "Das Dekorationsmaterial aus der Natur bringe ich ebenfalls von dort mit", sagt er und zeigt auf seine Krippenlandschaft. Und natürlich gehören auch die für die Region typischen Wegkreuze zur Ausstattung seiner Krippe. "Dabei ist es nicht einfach, einen passenden Korpus zu bekommen, denn diesen kann ich nicht selbst basteln", erklärt er.

Fast alles ist selbstgemacht, sogar die hölzernen Edelweiß. Die Tannen, die er in mühevoller Kleinarbeit aus grünen Matten für die Modelleisenbahn erstellt, die Tiertränke, die Brücke, die über den Gebirgsbach führt, und das beleuchtete Feuer der Hirten. "Und das Meiste gibt es wirklich. In der Hütte", er zeigt auf ein Häuschen mitten in der Bergkette, "habe ich auch schon mehrmals übernachtet."

Eine ähnliche Krippe gebe es übrigens in der barocken Wallfahrtskirche Maria Kirchenthal in St. Martin. "Mindestens zwei Mal wöchentlich gehe ich in die Kirche, wenn ich dort bin. Die Krippe bleibt das ganze Jahr über stehen", berichtet er. Und wenn es auf das Fest der Heiligen Drei Könige zugeht, dann stapft natürlich auch ein Kamel durch die nachgebaute alpine Landschaft.

Mit seiner Krippe verbindet Kascha zwei Hobbys. Er liebt es zu basteln, und er liebt seine Berge. Einen Tag dauert es, seine Weihnachtsdarstellung aufzubauen. Wenn Kascha am Heiligen Abend auf sein Werk schaut, beginnen seine Augen zu leuchten. Er erinnert sich an die Wanderungen zu den Gipfelkreuzen, denkt an seine Touren in den Bergen und die vielen Begegnungen mit den Menschen. "Es ist ein wundervolles Gefühl. Ich setze mich in meinen Sessel, danke Gott, dass ich noch so gut zurecht bin und höre Musik. Das ist das Größte."

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Text: Michaela Kiepe | Foto: Michaela Kiepe in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
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