
Mehr als 150 Bedürftige aus Moers – Kranke, Obdachlose oder Hartz-IV-Empfänger – feierten im vergangenen Jahr gemeinsam Weihnachten.
"Dann sind wir wenigstens nicht allein"
Weihnachtsfeier mit Bedürftigen
Moers. Seit zwölf Jahren feiert die Pfarrgemeinde St. Josef in Moers mit den Bedürftigen der Stadt den Heiligen Abend. "Denn Weihnachten ist vor allem ein Fest der Liebe", sagt Pfarrer Bücker.
In drei langen Tischreihen sitzen sie im Moerser Pfarrheim. Die Frauen und Männer haben sich alle "in Schale geworfen" – soweit sie können. Denn sie gehören nicht zu den Privilegierten der Gesellschaft. Nein, eher im Gegenteil. Viele sind arbeitslos, krank oder obdachlos. Oft bedingt ein Grund den anderen. Heute Abend wollen sie die Schattenseiten hinter sich lassen und Weihnachten feiern. Sabine und Wolfgang sind gemeinsam gekommen. Sie haben beide Pflegestufe eins. Der Sozialdienst katholischer Männer (SKM) hat sie eingeladen. Ihr Alltag ist eher eintönig. "Unser Tag beginnt mit dem Fernseher, und er endet auch so", sagt Wolfgang. "Dann ist die Feier eine schöne Abwechslung." Rolf ist das vierte oder fünfte Mal hier. Als Hartz-IV-Empfänger kann er sich ein so gutes Essen nicht leisten. "Außerdem bin ich allein zu Haus. Das ist das Schlimmste, was einem an Weihnachten passieren kann", sagt er. Der Ablauf ist alle Jahre derselbe: Der Pastor liest eine Weihnachtsgeschichte vor, dann wird das Buffet eröffnet, und am Ende gibt es eine Tüte.
Seit zwölf Jahren gibt es an Heiligabend die Weihnachtsfeier für Bedürftige in Moers. Eine Feier, die vom Caritasverband Moers-Xanten, dem SKM und von der Gemeinde St. Josef getragen wird. "Viele Menschen wissen gerade an Heiligabend nicht, wohin", sagt Ursula Schürings, die von Anfang an zum Vorbereitungsteam gehört. Sie, ihr Mann Horst-Günter und ihre vier Kinder sind in die Organisation der Feier eingebunden. "Dafür haben wir unseren Heiligen Abend geopfert", sagt sie. "Wir möchten den bedürftigen Menschen eine Chance geben, Weihnachten zu feiern."
Das erste Mal kamen 20 Personen zu der Feier. Von Jahr zu Jahr sind es mehr geworden. In den letzten Jahren kamen immer mehr als 150 Personen, die miteinander feiern wollten. "Die meisten kennen sich untereinander", sagt Schürings. "Die warten schon darauf. Auch, weil es am Schluss der Feier eine Weihnachtstüte gibt."
Das Team hat im Vorfeld 170 Tüten gepackt. Tabak, Kaffee, Süßigkeiten, Duschgel, einen Schal und Handschuhe gibt es diesmal als Geschenk. Die Tüten werden durch Spenden finanziert, die nach Veröffentlichungen in den Zeitungen und nach "Hinweisen von der Kanzel" eingehen.
"Jeder gönnt sich ja etwas zu Weihnachten", sagt Schürings. Das müsse auch für bedürftige Menschen gelten. "Weihnachten ist vor allem das Fest der Liebe", erinnert Pfarrer Heinrich Bücker. "Deshalb laden wir Wohnungslose, Menschen, die sich in Geldnot befinden, und Bedürftige zu uns ein. Wir sind Kirche, und Kirche ohne Caritas geht nicht", fügt er unmissverständlich hinzu. Dann geht der Pfarrer in den Saal, in dem sich die Menschen noch geräuschvoll unterhalten. Bücker beginnt, die Weihnachtsgeschichte vorzulesen. Es wird still.
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Text: Jürgen Kappel | Foto: Jürgen Kappel in
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