
Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer organisieren das Fest.
Besinnliche Momente in seltener Gemeinschaft
Weihnachtsfeier für bedürftige und ältere Menschen
Marl. Seit mehr als 20 Jahren findet in Marl an wechselnden Orten eine "Christliche Weihnachtsfeier für Bedürftige und Ältere" statt. Für die Gäste bedeutet die Feier mehr als ein warmes Essen: Sie spüren den Geist der Weihnacht.
Auf den Straßen liegt an diesem Spätnachmittag des Heiligen Abends der Schnee. Mit dicken Schals stehen einige Raucher vor der Tür des Pfarrheims von St. Josef in Marl-Drewer. Sie ertragen stoisch die Kälte, denn drinnen wartet die Wärme und ein wenig das Gefühl von Weihnachten. Im Pfarrheim herrscht ein buntes Durcheinander aus Stimmen, Musik und Geschirrgeklapper. "Unsere Mettbrötchen sind der Renner", freut sich Edeltraud Wydra (77) über den guten Appetit der rund 120 Gäste in dem großen Saal.
"Angefangen hat diese Feier, die ursprünglich für die Obdachlosen gedacht war, mit 20 Besuchern. Das war damals in der Küche bei der Caritas. Doch von Jahr zu Jahr wurde der Andrang größer. Zwar ist niemand in Marl mehr ohne Nachtasyl, aber das Bedürfnis nach einer Zusammenkunft am Heiligen Abend war groß", sagt Edeltraud Wydra.
So sieht das auch Pastoralreferent Wilhelm Heek. Bei ihm laufen an diesem Abend und auch schon lange davor die Organisationsfäden zusammen. "Viele Menschen spüren gerade in der Zeit vor Weihnachten die Einsamkeit und das Alleinsein besonders deutlich", sagt Heek. "Daher kommen viele Alleinstehende, aber auch Bedürftige jeder Altersklasse zu dieser Feier. Selbst Familien nutzen die Gelegenheit, um einmal etwas anderes zu sehen, als die Tristesse der eigenen vier Wände."
Es ist kurz nach dem Kaffeetrinken, der Posaunenchor hat sein festliches Potpourri beendet. An den Tischen im stimmungsvoll beleuchteten Pfarrsaal haben sich Menschen, die sich vorher nicht kannten, zusammengefunden. Sie reden über dies und das, die alltäglichen Probleme, aber auch über das bevorstehende Fest der Geburt Christi. Eine Frau tröstet einen weinenden Mann, dem sich die Weihnachtsstimmung zu schwer auf das Gemüt gelegt hat. Aber gerade das ist einer der Gründe, warum immer mehr Menschen zu dieser Feier zusammenkommen. Abwechslung und Trost in festlicher Zeit.
Nicht zu vernachlässigen ist auch der Anreiz von Kaffee, Kuchen, Brötchen und einer warmen Suppe. Denn auch ein Festessen gehört an diesem Tag vor Weihnachten dazu.
Heide Buchholz (69) ist eine der Helferinnen, die seit Anfang der Neunzigerjahre dabei sind. "Es macht mir viel Spaß zu helfen. Vor allem auch, wenn man soviel Dankbarkeit zurückbekommt", zeigt sich die Rentnerin ergriffen. "Das Brot und die Brötchen bekommen wir von den Marler
Bäckern gespendet. Und das warme Essen kommt aus der Küche des Marien-Hospitals."
Ein gutes Dutzend ehrenamtlicher Helfer wuselt an diesem Abend durch die Küche und den Saal. Als eine der helfenden Seniorinnen mit einem Servierwagen voller Schmutz-Geschirr an einer Türschwelle hängenbleibt, gibt es ein lautes Geschepper. Aber sofort springen zwei der Gäste auf, um Hand anzulegen. Vor dem Abendessen wird es dann auf einmal still. Eine Gruppe von Ministranten kommt in den abgedunkelten Saal. Die Gesichter spärlich von mitgebrachten Kerzen erleuchtet, stimmen die Jugendlichen das Lied von Rudolf, dem rotnasigen Rentier, an. Bei "Ihr Kinderlein kommet" verstummt auch das letzte Gemurmel, und so manches Auge wird feucht. Da ergreift der Geist der Weihnacht jeden im Saal. Gemeinsam singen die Gäste und die Helfer mit.
Bevor die Feier zu Ende ist und die Gäste aus der Wärme durch die Kälte ihres Weges ziehen, gibt es für jeden noch ein Präsent: etwas zu Essen und eine kleine "Finanzspritze" für die Feiertage. Auf den Straßen vor der Kirche ist inzwischen Ruhe eingekehrt. Die meisten Menschen sitzen im Kreis ihrer Lieben beim Abendessen. Zumindest einen Teil dieses Gefühls können die Alleinstehenden und Bedürftigen von diesem Heiligabend in St. Josef mitnehmen.
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Text: Dirk Bauer | Foto: Dirk Bauer in
Kirche+Leben
25.12.2011
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