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21.05.2012
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Das bringt ihr Beruf mit sich: Krankenschwester Renate Drzymalla muss auch an den Feiertagen arbeiten.

Das bringt ihr Beruf mit sich: Krankenschwester Renate Drzymalla muss auch an den Feiertagen arbeiten.

Der Arbeitstag für eine Krankenschwester

Heiligabend im St.-Marien-Hospital Lünen

Lünen. Renate Drzymalla ist mit Leib und Seele Krankenschwester. Deshalb ist es für sie völlig normal, ihren Dienst an Heiligabend und Weihnachten auszuüben. Die Stimmung im Krankenhaus sei eine besondere, hat sie in den vergangenen zehn Jahren erfahren.

Ein Weihnachtsbaum schmückt die Besucherecke und verbreitet ein bisschen Feiertagsstimmung in dem ansonsten typisch nüchtern ausgestatteten Krankenhausflur. Es ist ungewohnt ruhig auf der Station A 4 im St.-Marien-Hospital in Lünen. Kein Wunder, denn Patienten, die nach Hause gehen können, sind noch zu den Feiertagen entlassen worden.

Einige der 26 Betten des Bauchzentrums sind leer. "An diesen Tagen haben wir mehr Zeit für den einzelnen Patienten", sagt Renate Drzymalla. Die examinierte Krankenschwester hat – wie in den vergangenen Jahren – an Heiligabend und den beiden Weihnachtsfeiertagen Dienst. Das ist für die 49-Jährige kein Problem. "Wenn man sich für diesen Beruf entscheidet, dann weiß man vorher, dass man an Feiertagen arbeiten muss", sagt sie überzeugend.

Krankenschwester zu werden, das war schon ihr Wunsch, als sie noch mit ihrer Familie in Schlesien lebte. "Doch die Ausbildung war anderen vorbehalten; jungen Menschen aus höher gestellten Familien", erklärt sie die damaligen Umstände. Stattdessen hat sie Diätassistentin gelernt. Dann endlich konnte die Familie 1978 nach Deutschland übersiedeln. "Ich hatte allerdings keinen Abschluss, konnte kein Deutsch, und wir mussten ganz von vorn anfangen. Aber ich habe es geschafft", freut sie sich, und ein bisschen Stolz schwingt in ihrer Stimme mit. Denn zwei Jahre später hat Drzymalla in Witten ihre Ausbildung zur Krankenschwester begonnen und diesen Schritt und die Mühen bis heute nicht bereut. Seit 1992 arbeitet sie im St.-Marien-Hospital in Lünen. Mit Herz und Seele ist sie Krankenschwester, auch an den Feiertagen.

Als die beiden, inzwischen 25 und 20 Jahre alten Kinder noch klein waren, ist Drzymalla die Arbeit an den Feiertagen nicht leicht gefallen. "Das Gefühl, dass mein Ehemann und die Kinder zu Hause warten, hat weh getan", gibt sie zu. Da konnte es passieren, dass die Familie erst nach dem Dienst um 21.30 Uhr gemeinsam am festlich gedeckten Tisch Platz nehmen konnte. "Aber damit habe ich mich irgendwann abgefunden."

An Heiligabend kommen im Haus der Drzymallas bis zu zehn Personen zusammen. "Wir feiern nach schlesischer Tradition das Fest und gestalten entsprechend das Weihnachtsessen. Es gibt kein Fleisch, sondern nur Fisch. Und es müssen zwölf unterschiedliche Speisen auf dem Tisch stehen", berichtet die Krankenschwester. Wie sie all die Jahre Familie und Beruf unter einen Hut bekommen habe, fragt sich die Vollblut-Krankenschwester heute und gibt sich selbst die Antwort: "Es war stressig, aber es ist immer irgendwie gegangen."

Seit sie allerdings vor einigen Jahren eine ernste Krankheit überwunden hat, geht Drzymalla das Leben ruhiger an. "Das war wohl ein göttlicher Wink mit dem Zaunpfahl. Die Ruhe erlernt man scheinbar erst, wenn etwas passiert", sagt sie.

Die Vorbereitungen für das heimische Fest laufen inzwischen entspannt. "Das geht mit der Familie Hand in Hand. Und wenn wir bis zum Gottesdienst noch nicht fertig sind, wird danach weiter gekocht." Nach der Heiligen Messe und einem ausgiebigen Essen gibt es die Bescherung. Gemütlich sitzt die Familie mit Eltern und Geschwistern anschließend noch zusammen. Doch irgendwann ist für Renate Drzymalla der Abend zu Ende, denn am nächsten Morgen klingelt um 4.30 Uhr der Wecker. Frühdienst am ersten Weihnachtstag. "Da kann die Nacht dann schon ganz schön kurz werden", gibt sie zu.

Doch nicht nur zu Haus, sondern auch auf der Station A 4 ist die Stimmung am Heiligabend eine besondere. "Viele Patienten sind traurig, dass sie die Feiertage im Krankenhaus verbringen müssen. Manche sind so schwer krank, dass sie Angst haben, es könnte ihr letztes Weihnachtsfest sein", berichtet Drzymalla. Ein Erlebnis hat die 49-Jährige besonders geprägt. "Ich hatte gerade mein Examen und am Heiligabend Dienst. An diesem Tag ist ein Patient gestorben. Das hat mich sehr mitgenommen. "Lieber Gott, ausgerechnet am Heiligabend, muss das denn sein?", habe ich gefragt. Selbst heute noch, wenn ich Weihnachten ins Schwesternzimmer komme, schaue ich zuerst in den Unterlagen nach, ob es Patienten besonders schlecht geht", erzählt sie.

Mehr Zeit für die Patienten

Insgesamt geht es ruhiger als sonst zu auf der Station. Es gibt freie Betten, die Visiten finden nicht wie an Werktagen statt. "Ich nutze die Zeit, um mich auch mal ans Bett der Patienten zu setzen und mit ihnen zu reden. Ich merke, wie sie sich öffnen, gerade an solchen Tagen. Im normalen Dienst bleibt dafür heutzutage leider keine Zeit mehr", bedauert sie. Die Mitarbeiter im katholischen Krankenhaus wissen um diese Situation, und die Küche bietet ein besonderes Menü an und dekoriert das Essenstablett mit einem weihnachtlichen Schokoladen-Gruß.

Und wenn Drzymalla mit ihrer Kollegin am Nachmittag das Tablett mit Kaffee und Kuchen verteilt, bleibt immer wieder Zeit. "Das spüren die Patienten und sind glücklich darüber." Aus eigener Erfahrung weiß Drzymalla, dass eine Krankheit Menschen verändert. "Das kann in beide Richtungen sein: positiv oder negativ. Darauf muss ich achten." Und wer im Krankenhaus liege, sei auch krank. "Der darf weinen oder meckern. Das ist in Ordnung. In diesen Situationen helfen die Gespräche, zu denen sonst wenig Zeit bleibt."

Nach knapp zehn Jahren wechselt nun der Wochenend- und Feiertags-Dienstturnus für Drzymalla. "Aber ob ich an den Weihnachtsfeiertagen oder zum Jahreswechsel arbeiten muss, beides ist für die Familie nicht schön. Doch ich habe mich mit allen Konsequenzen für diesen Beruf entschieden." Und so ist für sie der Heiligabend ein Arbeitstag wie jeder andere – nur eben ruhiger und von einer besonderen Stimmung geprägt.

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Text: Michaela Kiepe | Foto: Michaela Kiepe in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
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