
Michael Rolfs mit "Gaga", einem roten Vari – einem Feuchtnasenaffen im Naturzoo Rheine, der in der freien Wildbahn in Madagaskar beheimatet ist.
Begeisterung für die Tiere im Zoo
Auge in Auge mit der Schöpfung
Rheine. Seine Begeisterung für die Tiere in den zoologischen Gärten ließ ihn auch als Student der Theologie nicht los. Also entschloss er sich, Tierpfleger zu werden. Heute arbeitet Michael Rolfs im Naturzoo in Rheine – ohne seinen religiösen Hintergrund vergessen zu haben.
Da saß er während seiner Studienzeit auf der Bank im münsterschen Allwetterzoo. Das Vokabel- und Grammatikheft für das Hebraikum auf dem Schoß und mit dem festen Willen, die wichtige Prüfung der antiken Sprache für sein Theologiestudium zu bestehen. Aber warum saß Michael Rolfs ausgerechnet dort? "Mein fester Wille zu lernen war nicht der einzige Grund. Ich war auch dort, um den Menschenaffen zuzuschauen."
Denn da war eine Begeisterung für die Tiere im Zoo, die er auch in seinem Diplomstudium nicht ablegen konnte. Sie hatte tiefe Wurzeln, erinnert sich der heute 38-Jährige. "Schon in einem Album aus meiner ersten Schulklasse habe ich geschrieben, dass ich Zoowärter werden wollte." Die Zoos waren häufiges Ausflugsziel, immer wieder sei er an den Wochenenden mit seinen Eltern in die zoologischen Gärten der Umgebung seiner Heimatstadt Erkelenz im Bistum Aachen gefahren. "Zu sehen, wie die Tiere lebten und wie sie reagierten, faszinierte mich."
Es blieb Hobby Nummer eins. Auch wenn viele Aktivitäten hinzukamen. Nicht zuletzt ein intensives Engagement in der kirchlichen Jugendarbeit, etwa bei den Messdienern. Und so kam es, dass bei der Berufswahl nach dem Zivildienst diese zwei Interessen miteinander konkurrierten. "Am liebsten hätte ich meine Naturverbundenheit und mein religiöses Interesse miteinander kombiniert." Die Wahl seiner ersten beiden Studienfächer zeigt das: "Ich begann sowohl Geografie als auch Theologie zu studiere – ich hatte die Idee, etwas in Richtung Entwicklungshilfe zu machen."
Leider habe seine Studienstadt Münster einen viel zu schönen Zoo gehabt, sodass die Ablenkung vom Lernen zu groß gewesen sei. "Die Lernhefte lagen auf meinem Schoß, aber blieben häufig zugeklappt." Viel lieber habe er etwa den Schimpansen oder Seehunden zugeschaut. "Meine alte Leidenschaft bekam weitere Nahrung." Rolfs merkte immer mehr, dass er das Theologiestudium zwar spannend fand, sein Herz aber an den Tieren im Zoo hing.
Also entschloss er sich, auch die Semesterferien weniger mit dem Lernen für das Studium zu verbringen und machte ein Praktikum bei den Tierpflegern im münsterschen Zoo. "Bei den Affen und Giraffen", erinnert er sich heute noch genau. "Weil ich sie besonders spannend fand." Der Zoo wurde zu einer bedrohlichen Konkurrenz zu seinem Studienleben. "Oft mal kurz hin, um zu schauen", erinnert er sich. "Oder auch mal ganze Tage zu anderen Zoos der Umgebung."
Leidenschaft siegte
Auch seine Freundin bemerkte seine Schwerpunktverlagerung. "Dann bewirb dich doch als Tierpfleger", forderte sie ihn schließlich auf. Was vielleicht der entscheidende Impuls dafür war, dass seine Leidenschaft für den zoologische Arbeit siegte. Denn kurze Zeit später setzte er sich mit seiner Bewerbung für einen Ausbildungsplatz im Naturzoo Rheine gegen etwa 400 Bewerber durch. "Vielleicht haben die Verantwortlichen etwas von meiner Leidenschaft bemerkt."
Heute ist er nach einigen Stationen in anderen Zoos wieder im Naturzoo in Rheine angekommen – als Zooinspektor, quasi als leitender Tierpfleger. Und hat in seinem Beruf längst auch seine religiösen Wurzeln wiederentdeckt. "Ich arbeite hier doch mitten in und mit Gottes Schöpfung", sagt Rolfs. Er wisse nur zu gut, was für ein Geschenk das sei. "Wer kann bei seiner Arbeit den seltenen Wundern der Natur denn schon so nah sein."
Was auch eine Verpflichtung sei. Das weiß er: "Wir können nicht nur hier die Arten erhalten, wir müssen auch ihre Lebensräume vor Ort erhalten." Konkret wird dieser Gedanke an vielen Stellen seiner Arbeit, nicht nur bei den Aktionen, mit denen sich der Zoo für den Schutz einzelner Tierarten in ihren Heimatländern stark macht. "Es geht vor allem um Sensibilisierung", sagt Rolfs. Und dafür sei ein Zoo ein wunderbarer Ort. "Denn gibt es bessere Botschafter für die eigene Sache als die Tiere selbst?" Wenn der Tag im Naturzoo nur für ein Prozent der fast 300.000 jährlichen Besucher in Rheine mehr sei als nur ein buntes Erlebnis, sondern auch eine Botschaft im Umgang mit der Schöpfung beinhalte, sei schon viel erreicht, rechnet er vor. "Denn es zählt jeder, der erkennt, wie wichtig die Natur nicht nur für das einzelne Tier ist, sondern für den Erhalt der gesamten Schöpfung."
Er persönlich genießt jeden Moment, in dem ihm dies bewusst wird. Die großen Momente wie etwa der Taufgottesdienst im Zoo, den er für einen Freund organisierte, genauso wie die unzähligen kleinen Augenblicke. Am Abend im Affengehege, wenn die Besucher gegangen sind und die Tiere genauso die Ruhe "ihres Feierabends" genießen wie er. "Gute Arbeit, Jungs", sage dann manchmal. "Ihr habt gut für eure Sache geworben."
Die vielen Spaziergänge mit seiner Frau durch den abends menschenleeren Park gehören auch zu diesen Momenten. Gerade in der Zeit, in der er mit ihr noch in einer Wohnung direkt am Zoo lebte. "In Erinnerung sind mir vor allem die Heiligen Abende geblieben", erzählt er davon. "Vor der Kirche sind wir mit meinen Eltern noch einmal die Storche füttern gegangen – eine wundervolle Einstimmung auf die Geburt Jesu." Rolfs freut sich jetzt schon auf die kommenden Weihnachtsfeste, die er mit seiner zweijährigen Tochter genauso beginnen möchte.
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Text: Michael Bönte | Foto: Michael Bönte in
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