
Eine Statue erinnert in Hopsten an Bischof Ketteler.
Vom Landpfarrer zum Arbeiterbischof
Erinnerung an Bischof von Ketteler
Hopsten. Drei Jahre war Wilhelm Emmanuel Freiherr von Ketteler Pfarrer der kleinen Landgemeinde im nordmünsterländischen Hopsten. In einem seiner ersten Briefe aus der neuen Gemeinde schrieb der westfälische Adelsspross und studierte Jurist 1846 voller Elan: "Mit der Stellung, die mir Gott jetzt überwiesen, habe ich das Höchste erreicht, was ich mir für die Stellung eines Menschen auf Erden von jeher erdenken konnte."
In der Landgemeinde erlebte Ketteler eine erschreckende Armut. Straßenbettelei war an der Tagesordnung, weil es in der Folge einer verheerenden Missernte zu einer schweren Hungersnot gekommen war. Ketteler ging von Haus zu Haus, um zu erfahren, wo die Not am größten war, und um zu sehen, wer Abhilfe schaffen und etwas geben konnte. Er kümmerte sich aufopfernd um die Verteilung von Almosen und nahm seine Verwandten in Anspruch, um ganze Fuder Roggen nach Hopsten bringen zu lassen.
"Das soziale Engagement Kettelers ist in der Gemeinde unvergessen und für uns Verpflichtung, den sozialen Auftrag der Kirche ernst zu nehmen", sagt Johannes Söntgerath, Pfarrer der Gemeinde St. Georg in Hopsten.
Das Jahr zum 200. Geburtstag Kettelers, der am 25. Dezember 1811 in Münster geboren wurde, nahm die Gemeinde zum Anlass, sich intensiver mit ihrem berühmten Pfarrer zu beschäftigen, der 1850 Bischof von Mainz wurde und die katholischen Arbeitervereine gründete.
Die Firmkatechese war auf das Wirken Kettelers ausgerichtet und stand unter dem Thema "In sozialer Verantwortung dem Glauben ein Gesicht geben". Die Jugendlichen beschäftigten sich mit der Bergpredigt und der Bedeutung christlicher Werte in der Gesellschaft. "Wir brauchen im politischen Leben Menschen, die sich am christlichen Menschenbild orientieren. Ketteler ist dafür eine Leitfigur", sagt Söntgerath. So habe der Arbeiterbischof die im 19. Jahrhundert übliche Kinderarbeit geächtet und sich für das Recht der Kinder auf Bildung eingesetzt.
Auch die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) in Hopsten und der KAB-Bezirksverband stellten bei ihren diesjährigen Treffen Ketteler in den Mittelpunkt, unter anderem bei einem Gottesdienst an der Wallfahrtskapelle St. Anna in Hopsten-Breischen, wo Ketteler vor 165 Jahren die Tradition der Anna-Wallfahrt wieder aufnahm.
Text: Johannes Bernard | Foto: Johannes Bernard in
Kirche+Leben
21.12.2011
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