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21.05.2012
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Ulla Heitkamp ist eine der 40 Ehrenamtlichen, die sich in der Suppenküche in Haltern engagieren.

Ulla Heitkamp ist eine der 40 Ehrenamtlichen, die sich in der Suppenküche in Haltern engagieren.

Deftiger Eintopf nach Hausfrauenart

Soziales Ehrenamt in der Suppenküche

Haltern. Es ist kalt draußen. Vor der Tür des "Flöz Q", einer Abendkneipe in der Halterner Innenstadt, treffen sich um 12 Uhr bereits die ersten Gäste. Drinnen geht es noch eifrig zu. Die Tische werden mit bunten Decken, Servietten, Löffeln und Gläsern gedeckt. Dann ist alles fertig. Um 12.30 Uhr kommen die Gäste mit einem freundlichen "Hallo" in den Thekenraum. Einige steuern gezielt auf bestimmte Plätze zu und begrüßen sich gegenseitig. Man merkt: Sie kennen sich. Andere Gäste schauen sich erst um und steuern auf einen freien Tisch zu.

Seit fast zwölf Jahren gibt es die Suppenküche der Caritas in Haltern. "Wir konnten anfangs keinen geeigneten Raum finden. Dann hat ein Gastwirt von unserem Problem gehört und uns seine Kneipe mittags kostenlos zur Verfügung gestellt", klärt Waldburg Bücker über die Hintergründe auf.

Die Suppenküche ist entstanden aus der Arbeitsgemeinschaft Obdachlosigkeit. Deren Mitglieder bieten Hilfe für Obdachlose und von Obdachlosigkeit bedrohte oder betroffene Familien an. "Interessant ist, dass wir die Zielgruppe, die wir im Hinterkopf hatten, mit der Suppenküche nicht so erreicht haben, wie wir es vermutet hatten", erzählt die Initiatorin weiter.

Zum Mittagstisch, der zwei Mal wöchentlich angeboten wird, kommen Menschen, die wenig oder gar kein Geld haben. "Hier darf jeder essen, der sich bedürftig fühlt. Wir kontrollieren nicht", erklärt Christel Grewing. Es kommen beispielsweise psychisch Kranke und alleinstehende Männer und Frauen. Viele machen sich auf den Weg in die Innenstadt, denn sie mögen es, in Gesellschaft zu essen.

Das Essen für die 25 bis 30 Gäste kochen die zahlreichen Ehrenamtlichen selbst. Heute gibt es Wirsingeintopf. Doch bevor das Essen verteilt wird, beten die Ehrenamtlichen mit den Gästen. Knapp 40 Ehrenamtliche in acht Teams kümmern sich im Wechsel unter der Leitung des dreiköpfigen Sprecherteams Christel Grewing, Andrea Neuhaus und Marie-Luise Rohmann um den Ablauf. "Alle drei bis vier Wochen ist jeder im Einsatz. Das funktioniert sehr gut", erklärt Neuhaus. Die 47-Jährige ist von Beginn an dabei.

Die Gäste genießen es sichtlich, am Tisch bedient zu werden. "Viele kommen, weil sie ansonsten zu Haus allein sind", erklärt Bücker. Wer es sich leisten kann, bezahlt einen Euro für das Essen, den Nachtisch und ein Getränk. "Das deckt aber nicht die Kosten. Wir leben von Spenden", erklärt Grewing. Inzwischen gebe es ein Bewusstsein für dieses Angebot. "Die Menschen denken an uns, und wir erhalten gezielt Spenden", freut sich die 52-Jährige. Auch der Inhaber der Abendkneipe habe gesagt, dass es sein Dienst an der Gesellschaft sei, den Raum zur Verfügung zu stellen.

Engagieren sich in der Suppenküche: (v.l.) Andrea Neuhaus, Waldburg Bücker, Christel Grewing und David Schütz.

Die Ehrenamtlichen kochen und bedienen nicht nur, sie setzen sich auch zu den Gästen, wenn dies gewünscht ist. Auf diesem Weg können sie, wenn erforderlich, weitere Hilfen anbieten. "Manche Gäste haben  Stammplätze. Zudem haben sich auch über die Jahre Freundschaften gebildet", hat Bücker beobachtet. "Es ist gut, dass sie sich untereinander Halt geben", freut sich auch Neuhaus.

Zum Mittagstisch kommen Männer wie Frauen. Doch gibt es einen Unterschied. "Die Männer haben oft großen Hunger. Sie sind sehr dankbar für das warme Essen und loben die Hausmannskost, die wir anbieten", erklärt Grewing. Es sind vor allem ältere Menschen, die den Mittagstisch aufsuchen.

David Schütz, Mitarbeiter beim Caritasverband Haltern und unter anderem zuständig für die Gemeindecaritas, schätzt die Arbeit des Suppenküchen-Teams. "Seit sechs Jahren gibt es freitags übrigens auch einen Mittagstisch im Ortsteil Flaesheim. Er wird von einem ehrenamtlichen Team der dortigen Gemeinde organisiert", sagt Schütz, der seit elf Jahren beim Caritasverband in Haltern arbeitet.

Die Ehrenamtlichen setzen gern ihre freie Zeit für andere Menschen ein. "Für mich gehört es zum Christsein dazu, mich für andere zu engagieren", erklärt beispielsweise Grewing. Sie hatte vor sechs Jahren einen Aufruf in der Tageszeitung gelesen und sich spontan gemeldet. Auch Neuhaus macht dieses Engagement Spaß: "Mich einzubringen, war für mich immer selbstverständlich. Zudem ist dieses Ehrenamt gut zu planen", sagt die 47-jährige Mutter. Ebenso möchte Bücker ihr Ehrenamt nicht missen. "Ich kann mir ein Leben ohne dieses Engagement nicht mehr vorstellen", sagt die 69-Jährige. "Es macht so viel Freude und gibt mir viel zurück", erklärt sie weiter.

Text: Michaela Kiepe | Fotos: Michaela Kiepe in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
19.12.2011

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