
Nach der Verkündigung durch den Engel, macht sich Maria auf den Weg zu Elisabet.
Entdecker-Tour im Advent: Stationen im Leben der Muttergottes
Der kostbare Marienaltar in der St.-Jakobi-Kirche
Coesfeld. Der Marienaltar in der St.-Jakobi-Kirche in Coesfeld ist ein Schmuckstück. Er zeichnet die verschiedenen Stationen im Leben der Muttergottes nach. "Allerdings nicht chronologisch", weiß der ehemalige Pfarrer der Gemeinde, Dieter Frintrop. "Die beiden Seitenflügel sind später hinzugekommen. Dadurch ist die Geschichte ein bisschen durcheinander geraten", erzählt der 76-Jährige.
Der Schrein stammt aus einer Antwerpener Werkstatt und ist datiert auf das Jahr 1520. "Es ist schon erstaunlich, dass sich eine so kleine Gemeinde – sie wurde bereits 1195 gegründet – damals diesen Altar anschaffen konnte", wundert sich Frintrop noch heute. Die beiden Flügel wurden 1892 dem Schrein hinzugefügt. Sie stammen vom Bildhauer Theodor Stracke aus Bocholt.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die St.-Jakobi-Kirche vollständig zerstört. Nur einige Steinskulpturen, der Taufstein aus der Zeit Anfang des 13. Jahrhunderts, an dem auch die selige Anna Katharina Emmerick getauft wurde, sowie fast alle Teile des romanischen Portals konnten aus den Trümmern geborgen werden. Der Altar hingegen war in dieser Zeit ausgelagert worden. "Er war in einem Silberbergwerk in der Nähe von Paderborn untergebracht. Wir haben es dem Einsatz des Barons von Wrede zu verdanken, dass die Holzkisten nach Kriegsende nicht nach Frankreich gebracht wurden", erzählt Frintrop weiter. Denn die Gemeinde konnte keine Papiere vorweisen, mit denen sie beweisen konnte, dass dieser Altar bereits Jahrhunderte in der St.-Jakobi-Kirche stand.
Seit 1980 steht der Altar im Chorraum der Kirche. |
Es dauerte viele Jahre, bis die neue Kirche in der Innenstadt errichtet war. Die Gemeinde feierte am 15. August 1954 Kirchweih. Der Marienaltar fand in einer Seitenkapelle seinen neuen Platz. "Doch wurde er von der Gemeinde erst als Schatz wieder richtig wahrgenommen, nachdem wir ihn an seinen heutigen Platz im Chorraum hinter den Altar gestellt hatten", erklärt Frintrop. Das war 1980.
Nur wer sich dem Marienaltar nähert, kann die vielen Details in den Bildergeschichten entdecken. Die wirklichkeitsnahen Darstellungen, so schreibt es Wilhelm Wenning in seinem Buch "Kunstwerke der Stadt Coesfeld", sollen die wahre Menschwerdung Jesu bezeugen. "Der Sohn Gottes ist in die Menschheitsgeschichte eingetreten und hat deren Mühsal und Last auf sich genommen. Die Schnitzer schildern die Welt ihrer Zeit."
Die Szene der Begegnung zwischen Maria und ihrer Verwandten Elisabet – die in prächtigen Gewändern der Antwerpener Gesellschaft des 16. Jahrhunderts dargestellt ist – folgt der Verkündigung. Lukas schildert sie in seinem Evangelium (1,39-56). Maria hatte sich auf den Weg zu Elisabet gemacht, um die Freude mit ihr zu teilen. Ihre Cousine war trotz ihres hohen Alters selbst im sechsten Monat schwanger und grüßte Maria mit den Worten: "Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?" Maria antwortet darauf mit ihrem berühmten Loblied, dem Magnificat.
Öffnungszeiten:
Die Coesfelder St.-Jakobi-Kirche ist täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet.
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Text: Michaela Kiepe | Fotos: Michaela Kiepe in
Kirche+Leben
18.12.2011
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