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21.05.2012
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Einige Mitglieder des Sprakler Sachausschusses Jugend haben auch in diesem Jahr alles vorbereitet, damit in der Nacht zum vierten Advent die große Backaktion steigen kann.

Einige Mitglieder des Sprakler Sachausschusses Jugend haben auch in diesem Jahr alles vorbereitet, damit in der Nacht zum vierten Advent die große Backaktion steigen kann.

Die Heinzelmännchen von Sprakel

Gemeindejugend backt für die Dorfbewohner

Münster. Christina Rottmann geht in Gedanken die Liste mit den Zutaten noch einmal durch: Mehl, Zucker, Margarine, Eier, Vanillezucker und Backpulver, dazu ein paar Zitronen: Eigentlich müsste alles, was man für die Herstellung von Spritzgebäck braucht, ausreichend vorhanden sein. Christoph Merschformann und Hendrik Maimann haben inzwischen den Ofen angeschlossen, der im Sommer mit in die Lagerfreizeiten fährt, im Winter jedoch ein stilles Dasein im Keller fristet – bis auf die Nacht zum vierten Advent: Da schlägt alljährlich seine große Stunde, da wird er neben den beiden Herden in der Sprakler Pfarrzentrumsküche unbedingt benötigt.

Bevor die Jugendlichen des erweiterten Sachausschusses Jugend im Marienheim eintreffen, sollten alle Vorbereitungen abgeschlossen sein, damit man zügig anfangen und motiviert durchstarten kann. Auch wenn die Aktion in diesem Jahr schon auf ein Vierteljahrhundert Geschichte zurückblicken kann – es ist noch immer eine Herausforderung, innerhalb eines Abends und einer Nacht Plätzchen für ein ganzes Dorf zu backen und zu verteilen – damit die knapp 3.000 Einwohner am Morgen des vierten Advents einen süßen Gruß von der katholischen Gemeindejugend vor ihrer Haus- oder Wohnungstür finden.

Wie genau die Aktion einmal angefangen hat, weiß keiner der jetzt Aktiven mehr. Es war wohl die Idee, sich als Gemeindejugend in Erinnerung zu rufen und den Menschen des Dorfs, über alle Konfessionsgrenzen hinweg, Dank zu sagen für deren Unterstützung bei anderen Aktionen des vergangenen Jahrs: ob Sternsinger oder Martinsumzug, ob Ferienlager oder Messdienerausflug.

Aus den eher improvisierten Anfängen ist inzwischen eine gut durchdachte "Massenproduktion" geworden, bei der jeder Handgriff sitzt: In großen Plastikwannen (wie man sie für Wäsche oder zum Baby-Baden benutzt) wird der Teig angerührt: Für jede Wanne hat man das Grundrezept auf die Menge von 30 Kilo Mehl hochgerechnet. Sobald die Masse gut durchgeknetet ist, geht es im Akkord weiter: den Teig in den Fleischwolf, aus dem umgehend das fertige Spritzgebäck herausquillt. Einer nach dem anderen steht bereit, um die Plätzchen an- und abzunehmen und auf die Backbleche zu befördern: schnell in den Ofen damit.

Viele tausend Kekse entstehen so an einem einzigen Abend, nach einigen Stunden – wenn die Anfangseuphorie verbraucht ist – müssen sich die jungen Leute auch schon einmal gegenseitig motivieren, um nicht nachzulassen: "Wir haben noch eine Menge zu tun."

Sind die Plätzchen erkaltet, werden sie in kleine Tütchen verpackt und mit einem selbst gebastelten Geschenkanhänger versehen. Darauf wünscht der Sachausschuss Jugend im Namen der gesamten Gemeindejugend von St. Marien den Empfängern einen gesegneten vierten Advent – und schon vorab ein frohes Weihnachtsfest.

Und dann geht es, meist weit nach Mitternacht, in die Dezemberkälte hinaus. Was für ein Temperatursturz nach der Wärme der aufgeheizten Küche! In den vergangenen Jahren, so erzählen die Jugendlichen, habe in der Backnacht immer tiefer Schnee gelegen. So konnte man die knapp 2000 Plätzchenbeutel per Schlitten durch den Ort transportieren  – immer in der Gefahr, auf dem nächsten vereisten Treppensims böse auszurutschen. Christoph Merschformann kann davon ein Lied singen …

Auch wenn es schon weit nach Mitternacht ist: Mitunter staunen die Jugendlichen, was auf den Straßen ihres Dorfs um diese Zeit noch los ist. Manch einer kommt von einer Party zurück und nimmt die Plätzchen als willkommenes Betthupferl in Empfang, eine alte Dame hat schon die ganze Zeit am Fenster gewartet, weil sie sich jedes Jahr so sehr auf den süßen Gruß freut. Sie spricht den Jugendlichen ihren Dank umgehend aus: eine der wenigen konkreten Reaktionen, die die Heinzelmännchen von Sprakel bekommen.

"Manchmal gibt es auch Enttäuschungen", haben die Jugendlichen in den vergangenen Jahren gelernt. Wenn sie vor einem Acht-Parteien-Haus acht Plätzchenbeutel ablegen, weil die Haustür um diese Zeit schon geschlossen war, einer der Mieter jedoch alle acht Beutel für sich einkassiert. Dann fällt ein Schatten auf die so gut gemeinte Aktion.

Und trotzdem: Die Vertreter des Sachausschusses machen mit großem Elan weiter. Am Samstag (17.12.2011) ist das Marienheim auch in diesem Jahr fest in Jugendhand.

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Text: Jan Magunski | Foto: Jan Magunski in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
16.12.2011

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