
Bei der Beratung bei Uwe Schumacher gibt es keinen Kaffee, nichts soll ablenken. Er bietet nur sein offenes Ohr. Und Kleenex-Tücher, wenn dann doch die Tränen der Verzweiflung strömen.
Solider Rat in schwerer Krise
Ökumenische Eheberatung in Oldenburg
Oldenburg. Die Ökumenische Eheberatung Oldenburg gibt es seit vierzig Jahren. Notwendig bleibt sie in Stadt und Umgebung. Aber die Probleme in der Stadt sind manchmal anders. Und hier kommen jüngere Menschen zur Kirche als sonst.
Uwe Schumacher lächelt anscheinend gerne, sitzt entspannt beim Gespräch, beantwortet ruhig alle Fragen. Von diesem Mann möchte man wohl gerne beraten werden, wenn es in der eigenen Ehe Probleme gibt.
Aber Schumacher kann auch anders. Erbittert spricht er von Menschen, die zu ihm kommen, nachdem sie vorher anderswo Rat gesucht haben. Bei Psychologen vielleicht, die eine "esoterische Religiosität" vertreten. Die behaupten, jene Ehe leide unter einer "kosmischen Verstrickung". Was dann den Betroffenen auch nicht weiterhelfe.
Ernsthafte Hilfe
Schumacher vermeidet Wörter wie "Unfug" oder "Quatsch". Aber tiefe Verärgerung kann man ihm schon ansehen. Doch er sagt aufatmend: "Diese Menschen suchen dann in ihrer Verzweiflung gezielt Rat bei einer konfessionellen Beratungsstelle. Weil sie wissen: Wir vertreten eine solide kirchliche Religiosität."
Fälle "esoterischer Beratung" liegen nach seiner Einschätzung durchaus im Trend in der Stadt, versichert der Leiter der Ökumenischen Eheberatungsstelle der beiden großen Kirchen. Inzwischen schicke sogar der Sektenbeauftragte der Evangelischen Landeskirche Klienten zu ihm. Freie Formen der Eheberatung lassen sich bei den vielen freien Psychologen finden, die diesen Dienst anbieten.
Im Telefonbuch der Großstadt muss man nicht lange blättern, um auf solche Adressen zu stoßen. Schumacher nennt das "den großen Markt der Privatpraxen, in denen sich Therapeuten irgendwie weitergebildet haben – von seriös bis zum Scharlatan."
Sehr gefragt
Die Kirche biete dagegen eine ernsthafte Beratung. Ernsthaft heißt: Die 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind hoch qualifiziert, haben die Ausbildung zum Diplom-Eheberater hinter sich. Ernsthaft heißt auch: Den Menschen wird so schnell wie möglich geholfen. Obwohl gerade das nicht immer leicht fällt, wie Schumacher zugibt.
Jeden Monat gebe es rund sechzig neue Anfragen, nur die Hälfte könne die Beratungsstelle sofort annehmen. Die Folge: eine lange Warteliste. "Ein Zeichen für das große Vertrauen, das Menschen zu uns haben. Obwohl wir noch nicht mal großartig Werbung machen: Mund-zu-Mund-Propaganda wirkt auch.
Partner im neuen Licht
Die Eheprobleme – sind die in der Großstadt Oldenburg vielleicht anders als auf dem Land? Kopfschütteln bei dem Fachmann. "Der Klassiker", so nennt er das, "ist hier wie da die Zeit, wenn bei Paaren die Kinder aus dem Haus gehen." Viele Eheleute sehen nach seinem Eindruck ihren Partner dann in einem neuen Licht, suchten deshalb ein neues Gefühl von Selbstständigkeit beim Fremdgehen.
In solchen Gesprächen versuche er, "das Drama" aus der Krise zu nehmen, auch wenn Betrug in der Ehe natürlich zu verurteilen bleibe. Aber manchmal lasse sich eine Krise auch entschärfen, ließen sich Paare, "die ja lange zusammenwaren", vielleicht wieder zusammenführen.
Der Inhalt der Beratung in der Stadt und auf dem Land ist also ähnlich. Gibt es also gar keine Unterschiede, wenn Ratsuchende kommen?
Und ob. Schumacher hat in Gesprächen mit seinen Kollegen in Cloppenburg und Vechta vor allem eines festgestellt: "Bei denen kommen die Paare mit einer Krise viel, viel später." Dort versuche man viel länger, die Fassade einer heilen Welt aufrecht zu erhalten.
Sehr entspannend
Dann aber wirke die Beratung auf dem Land "ganz unwahrscheinlich entspannend". Nach Schumachers Eindruck werden dort "viele Probleme zunächst eher unter den Teppich gekehrt". Der soziale Druck sei dort eben viel stärker.
Zu spät müsse aber nicht heißen hoffnungslos. Eine echte Erfolgsstatistik führe die Beratungsstelle nicht. Aber Schumacher kann auf eine Studie für das gesamte Bistum verweisen: Danach berichten drei Viertel der Klienten, die Beratung sei "hilfreich" gewesen für ihre Ehe. Eine ähnliche "Erfolgsquote" vermute er auch für die Beratungsstelle in Oldenburg.
Uwe Schumacher setzt noch einen überraschenden Satz hinzu: "Wir Berater sind nicht entscheidend." Die Hälfte des Erfolges liege an den Menschen, die mit dem festen Willen kämen, wirklich etwas für ihre Beziehung zu tun. "Die wollen ihre Ehe als hohes Gut bei uns retten", sagt der kirchliche Berater. "Sonst würden sie ja sofort zum Psychiater oder zum Rechtsanwalt gehen."
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Text: Franz Josef Scheeben | Foto: Franz Josef Scheeben in
Kirche+Leben
12.12.2011
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