
Die Skulptur der heiligen Lucia, geschaffen von dem Bildhauer Arnt Beeldensnider, wirkt durch ihre Anmut.
Entdecker-Tour im Advent: Licht in dunkler Jahreszeit
Die Skulptur der heiligen Lucia im Xantener Stiftsmuseum
Xanten. Auf den ersten Blick wirkt sie unscheinbar, die Skulptur der heiligen Lucia im Xantener Stiftsmuseum. "Die aus Eichenholz geschaffene Heiligenfigur ist farblich nicht gefasst und schwer auszuleuchten. Deshalb fällt sie dem Betrachter nicht sofort ins Auge", sagt Elisabeth Maas, stellvertretende Museumsleiterin. Und doch ist die Skulptur ein bedeutendes Werk des Meisters Arnt Beeldensnider, der auch unter dem Namen Arnt von Zwolle bzw. Arnt von Kalkar bekannt ist. Dieser niederrheinische Künstler prägte die Skulptur der Spätgotik nachhaltig.
Die heilige Lucia ist ein Meisterwerk dieser Epoche. In zartem S-Schwung bewegt, ist die Statue von Anmut und innerlichem Empfinden geprägt. Das graziös geneigte, sanft gerundete Gesicht mit den feinen Zügen, den dünnen Liddeckeln über herabblickenden Augen, der kleinen Nase, dem fein gespitzten Mund mit der vorgewölbten Unterlippe und dem kleinen Kinn verbindet sich eindringlich mit der Körperhaltung, den wellig herabfließenden Haaren und der virtuosen, volumenreich-plastischen Gewanddrapierung.
Zart spannt sich das eng geraffte Kleid über dem Oberkörper. Der schützende Charakter des festen Mantels ist spürbar. Fällt der Mantel an den Seiten in glatten Zügen, Muldungen, Röhren und Faltenschlängeln herab, so bildet das Gewand vor dem Körper vielfältige, eckige Faltentrichter und -schüsseln heraus.
Einerseits virtuos herabfließend, scheinen die Faltenzüge, die mit der rechten Hand hochgerafft werden, in umgekehrter Weise das Haltemotiv der Hände dynamisch zu betonen. Die so drapierten Faltenstrukturen geben dem Figuraufbau Lebendigkeit und etwas Augenblickhaftes.
Lucias Hals ist von einem Dolch oder Schwert durchbohrt – ein Hinweis auf ihr Martyrium. In der rechten Hand hält sie das Evangelienbuch als Hinweis auf die Standhaftigkeit im Glauben. In der Linken trug sie ehemals eine Märtyrerpalme. Ihre offenen Haare sind das typische Merkmal einer als Jungfrau dargestellten Heiligen. Unter dem Gewand sind die spitzen Schuhe sichtbar.
Die Xantener Lucia zeigt enge Verwandtschaft zu weiteren, Meister Arnt zugeschrieben Werken: der heiligen Lucia in Wardt (Xanten), der goldenen Madonna von Kalkar und einer Madonna in Aengenesch. Die Kunst Meister Arnts wurzelt letztlich in der Malerei des Niederländers Rogier van der Weyden und der spätgotischen Bildhauerkunst Utrechts sowie der Kunst im Herzogtum Geldern.
Die heilige Lucia ist historisch belegt. Etwa 286 in Syrakus auf Sizilien geboren, starb sie 304 (das Todesdatum ist nicht historisch) als Märtyrerin während der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian. Mit ihrer schwerkranken Mutter, so berichtet die Heiligenlegende, unternahm Lucia eine Pilgerfahrt nach Catania zum Grab der heiligen Agatha, wo ihre Mutter geheilt wurde. Lucia, die wie ihre Mutter Christin geworden war, gab ihren Erbteil den Armen und bat darum, ihre Verlobung auflösen zu dürfen. Ihr Verlobter übergab sie jedoch dem Präfekten, dem die Diokletianische Christenverfolgungen unterstanden.
Als man sie auf seinen Befehl ins Bordell bringen wollte, konnten weder ein Ochsengespann noch "tausend Männer", die Gefesselte von der Stelle bewegen. Weder ein rund um sie angezündetes Feuer noch siedendes Öl, das man über sie goss, konnten ihr etwas anhaben. Als man ihr ein Schwert durch den Hals stieß, verkündete sie das Ende des Kaisers und den Sieg des Christentums. Der Gedenktag der Heiligen ist der 13. Dezember, der frühere Tag der Wintersonnenwende. Erst durch die Gregorianische Kalenderreform 1582 wurde die Wintersonnenwende auf den 25. Dezember gelegt.
"Die Verbindung der Wintersonnenwende und dem Gedenktag der Lucia ist nicht zufällig", erläutert Elisabeth Maas. So sei der Name Lucia eng mit dem lateinischen Wort "lux" (Licht) verwandt. Auch habe man in der frühen Zeit des Christentums bereits vorhandene Feste mit christlichen Inhalten verbinden wollen. Beispielhaft sei das Fest Weihnachten, das am Tag des früheren Mitraskultes gefeiert wurde. Darüber hinaus verbreite das Fest der heiligen Lucia Licht in der dunklen Jahreszeit.
Im Bistum wird vor allem durch eine Prozession von Kevelaer nach Walbeck (Geldern) der Heiligen gedacht. Ziel der Wallfahrt ist eine bekannte Figur der Heiligen in der dortigen Kirche. Aber auch im westfälischen Harsewinkel gibt es das Patrozinium der heiligen Lucia.
Öffnungszeiten:
dienstags bis samstags von 10 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr. Am 24., 25. und 31. Dezember 2011 sowie am 1. Januar 2012 geschlossen.
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Text: Jürgen Kappel | Foto: Stiftsmuseum in
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12.12.2011
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