
Karl Gerads und Joachim Domogala (von links) haben den Dialogprozess in Geldern gestartet.
Miteinander ins Gespräch kommen
Dialogprozess: "Montags in Maria Magdalena"
Geldern. "Montags in Maria Magdalena" heißt die Themenreihe, in der über Veränderungen in der Seelsorge der Gelderner Pfarrgemeinde diskutiert wird.
Seit dem Dialogprozess in Mannheim, wo sich Bischöfe und Vertreter des Kirchenvolks trafen, um darüber zu diskutieren, was sich in der Kirche verändern muss, gibt es auch in den Pfarrgemeinden zunehmend Foren, in denen Denkanstöße ausgetauscht werden. Zum Beispiel in Geldern.
Im Gemeindepfarrbrief von St. Maria Magdalena hatte der Gelderner Klaus Gerads seine persönlichen Gedanken zur Situation in der Kirche und in den Gemeinden beschrieben. Darin beschäftigte sich der Pädagoge unter anderem mit der Befürchtung, dass die Kirche zu einer kleinen Gruppe schrumpfe. Eine Entwicklung, die aus seiner Sicht einen Verlust an Menschlichkeit zur Folge hat.
Traditionen bewahren, Priesternachwuchs fördern, Moralvorstellungen diskutieren, den Zölibat erhalten, Seelsorge vor dem Hintergrund immer größer werdender Gemeinden möglich machen – Stichworte, die nach Ansicht von Gerads eine Diskussion notwendig machen. "Kirche ist für mich zunächst und zuerst das Volk Gottes. Damit ist jeder Getaufte gemeint und gleichzeitig aufgerufen, Kirche und Gemeinde zu gestalten", sagte Gerads.
"Wir müssen unsere Stimme immer wieder erheben und unsere Gemeinschaft stärken." Gerads geht weiter: "Ich würde gern die erhofften Synergieeffekte durch die Fusionen auf den Prüfstand stellen." Der Einladung des Redaktionsteams zum ersten Gesprächsabend folgten ungewöhnlich viele Christen ins Gelderner Pfarrheim. Joachim Domogala, ebenfalls im Redaktionsteam des Pfarrbriefes aktiv, hatte alle Hände voll zu tun, die Befürchtungen der Gäste zunächst einfach als Bestandsaufnahme zu notieren.
"Ich hatte den Eindruck, es tat den Besuchern gut, einmal ihre Sorgen und Nöte auszusprechen", empfand Domogala. Nach dieser ersten Bestandsaufnahme folgte ein strukturierter Dialog, der auch künftig in die Reihe "Montags in Maria Magdalena" eingebunden wird. Während des ersten Dialogabends diskutieren die Teilnehmer über die Gestaltungsmöglichkeiten von Gottesdiensten durch Laien, um so viele Gläubige aller oder bestimmter Altersgruppen anzusprechen.
"Was hält uns noch?", fragten sich Jugendliche, die soeben gefirmt worden waren. Kaum moderne Kirchenlieder werden gesungen – immer eine Eucharistiefeier oder gar ein lateinisches Hochamt – kaum Gottesdienste außerhalb der Kirchenmauern – Stichworte wie diese prägten die Diskussion.
Die geeignete zeitliche Einbindung von Familiengottesdiensten war ein weiteres Anliegen der Anwesenden. Vielfaches Kopfnicken machte deutlich, dass die Klage, viele Bibelstellen würden in der heutigen Zeit von Christen – vor allem von jungen Christen – kaum noch verstanden, eine intensive Interpretationshilfe notwendig macht. Eine zweite Gruppe hatte sich zusammengefunden, um über den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen zu diskutieren. Aus ihrer Ideensammlung kamen zum Abschluss Anliegen wie: "Ich wünsche mir, dass die Kirche anerkennt, dass Ehen scheitern können. Und dass auch diese Christen, wenn sie es mit ihrem Gewissen vereinbaren können, zu den Sakramenten gehen können." Oft fühlten Betroffene sich aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Und ein weiterer Wunsch wurde formuliert: Das Paar solle bei einer zweiten Hochzeit gesegnet werden.
Die Christen in Geldern wünschen sich ein stärkeres seelsorgerisches Engagement der Priester. Die zunehmenden Verwaltungsaufgaben können aus Sicht der Diskussionsrunde Laien übernehmen. Alle Wünsche würden zunächst gesammelt und an die entsprechenden Gremien nach Münster geschickt, beschrieb Gerads.
Er berichtete, dass er nach diesem Abend positive Rückmeldungen erhalten habe: "Diese Diskussion ist eine Plattform, auf der die Christen in Geldern wieder miteinander ins Gespräch kommen." Die Diskussion wird fortgesetzt. Das nächste Thema, das in der Reihe "Montags in Maria Magdalena" auf dem Programm steht, wird im nächsten Jahr festgelegt.
Text: Helena Gerbecks | Foto: Helena Gerbecks in
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