
Einzelhandelskauffrau Karin Schick aus Löningen ist seit 25 Jahren Verkäuferin. Früher hatte sie nur einen Samstag im Advent frei. Die Zeit vor Weihnachten sei jedes Mal eine harte Zeit gewesen, sagt sie.
Trubel und Gedudel
Verkäuferin im Weihnachtsgeschäft
Löningen. Karin Schick aus Löningen über Advents-Samstage, Geschenkgutscheine und besinnliche Verkaufsgespräche.
Heiligabend kann es manchmal knapp werden. Wenn um eins die allerletzten Kunden kommen. "Meistens Männer", sagt Karin Schick lächelnd. Die auf den letzten Drücker noch ein Geschenk aus ihrem Modeladen brauchten. "Wir haben dann hübsch verpackte Gutscheine vorbereitet." Sie kennt ihre Pappenheimer. Da muss sie einfach nur noch den Euro-Betrag eintragen und fertig. So sei das eben an Heiligabend. Alles schnell, schnell, schnell bis kurz vor Schluss.
Dann schnell die Ladentür abschließen. Schnell Kasse machen. Schnell die 20 Kilometer nach Löningen. Schnell eine Kleinigkeit essen – und dann ab mit Leonie in die Kirche!
"Als sie noch klein war, war das oft so", sagt Karin Schick. Die Krabbel-Gottesdienste in der Löninger St.-Vitus-Gemeinde hat sie jahrelang selbst mit vorbereitet. "Die Feiern, bei denen es an Heiligabend immer so laut zugeht." Die 41-Jährige lächelt. Morgens früh noch der Stress im Geschäft und dann ist plötzlich Weihnachten. "Es war trotzdem schön", sagt sie.
Auch, weil sie schon damals alles geplant und vorbereitet hatte. Stichwort Geschenke. "Mit meiner 40-Stunden-Woche bekam ich als Verkäuferin ja nur einen einzigen Samstag in der Adventszeit frei", erklärt sie. "Da habe ich mir angewöhnt, alles schon vor dem ersten Advent zusammen zu haben. Und das mache ich bis heute so."
Die Wochen vor dem Fest waren schließlich hart genug. "Wenn man tagsüber jeden Tag von halb zehn bis abends um sechs mitten drin steht im Trubel. Freundlich sein, lächeln. "Darf ich ihnen behilflich sein?" Dazu vier, fünf Wochen lang von früh bis spät das Gedudel im Ohr." Den ganzen Tag blinkende Lichterketten, Reklame, Kunden im Weihnachtsstress. "Da hat man schon zu knausern gehabt." Von Montagmorgen bis Samstagabend um sechs.
"Und zu Hause erzählten Bekannte von besinnlichen Nachmittagen bei Tee und Plätzchen. Oder, dass sie in der Adventszeit auf Weihnachtsmärkten unterwegs waren." Karin Schick zuckt mit den Schultern. Wenn sie selbst nach so einem Samstag um sieben, halb acht endlich wieder zu Hause war, "dann bin ich nur noch aufs Sofa und habe gedacht: Nach mir die Sintflut."
Am Sonntagmorgen ging es dann zuerst zum Gottesdienst. "Immer haben wir das aber nicht geschafft", gibt Karin Schick zu. Anschließend kamen Wohnung und Haushalt an die Reihe. "Es war ja die Woche über vieles liegen geblieben." Und montags hatte sie meist wieder auf der Matte zu stehen. "Manchmal habe ich mir gewünscht: Oh, hätte ich auch einen Job wie mein Mann! Mit Feierabend freitags mittags um zwölf! Wo man mehr Zeit für sich hätte, einmal wegfahren könnte. Vielleicht mal auf einen Weihnachtsmarkt." Aber es waren immer nur kurze Augenblicke. Karin Schick ist "mit Leib und Seele" Verkäuferin. "Das war und ist mein Traumberuf", sagt sie und erzählt, wie sie schon als kleines Mädchen vor dem Kleiderschrank ihrer Mutter stand und Verkaufen spielte.
Nach dem neunten Schuljahr hatte sie als einzige in der Klasse den Vertrag für eine Lehre in der Tasche, in einem Textilgeschäft in Löningen. Den Laden gibt es schon lange nicht mehr. Vor 16 Jahren, kurz nach dem 100-jährigen Geschäftsjubiläum, war Schluss, mangels Nachfolger. Aber dort lernte Sie ihren Beruf lieben. "Den Umgang mit all den verschiedenen Menschen. Egal ob jung oder alt, reich oder arm."
Heute berät Karin Schick Kundinnen in einem kleinen Modegeschäft in Quakenbrück. Früher in Vollzeit, seit vor zehn Jahren ihre Tochter Leonie auf die Welt kam, als "geringfügig Beschäftigte".
Durch den Wechsel in einen 400-Euro-Job hat sie heute auch mehr Zeit für anderes: die Vorbereitung der Krabbel-Gottesdienste, Kommunionvorbereitung, Lektorendienst. Und seit neuestem auch für die Planung des Ameland-Lagers in den Sommerferien. Kirche und Gemeinde seien ihr immer wichtig gewesen, betont sie.
Karin Schick führt den Laden, kümmert sich um die Einteilung der vier Teilzeit-Kräfte, plant die Öffnungszeiten mit. Sie kennt auch die Zwänge, zum Beispiel die Sache mit den verkaufsoffenen Sonntagen. Vier pro Jahr sind in Niedersachsen erlaubt. Die Städte und Gemeinden können selbst darüber entscheiden, ob und wann sie die Möglichkeit nutzen. Alle Advents-Sonntage bleiben jedoch tabu.
"Ich wäre zwar dafür, wenn Sonntagsöffnungen für alle grundsätzlich gesetzlich verboten wären", sagt Karin Schick, "Aber es ist, wie es ist." Sie zuckt mit den Schultern. Sie sitzt gewissermaßen zwischen den Stühlen.
Als Jugendliche gehörte sie zur Löninger CAJ. Da haben sie abends Rosen an Verkäuferinnen verteilt, als das mit der Abendöffnung an Donnerstagen begann. Als Zeichen der Solidarität. Heute gehören sie und ihr Mann zur Löninger KAB. Auch da steht das Thema Sonntagsöffnung immer wieder auf der Tagesordnung: "Karin, du bist doch vom Fach. Was meinst du denn dazu?"
Sie wirbt dann auch um Verständnis. Die Händler in einer Kleinstadt auf dem Land hätten es schwer, sagt Karin Schick. Weil es die Kunden zum Shoppen in die Fußgängerzonen der großen Zentren ziehe.
"Da versuchen die kleinen Kaufleute eben mit Aktionen alles Mögliche, um sie in der Stadt zu halten." Auch wenn der Umsatz die Sache meist nicht lohne. "Es wird nicht mehr gekauft. Das verlagert sich nur."
Mitarbeiterinnen für den Sonntag zu finden, das sei allerdings kein Problem. "Im Gegenteil: Sie reißen sich sogar darum", sagt Karin Schick. Die Stunden werden doppelt vergütet.
Adventszeit ist die Hoch-Zeit des Einzelhandels. Das hat Karin Schick in der Ausbildung gelernt. Dann geht es um Umsatz und Zahlen. Aber manchmal bleibt auch mitten im Trubel Zeit für einen besinnlichen Gedanken.
Karin Schick erzählt von der älteren Dame. "Sie kaufte ein Geschenk und erzählte, wie sehr sie sich darauf freue, es an Heiligabend ihrer Enkelin zu überreichen. Und in solchen Momenten, da freut man sich ein wenig mit und spürt auch im Trubel, dass Weihnachten ist."
Ladenschluss und Sonntagsöffnung:
Geschäfte in Niedersachsen dürfen seit 2006 von Montag bis Samstag rund um die Uhr Waren anbieten. Zusätzlich sind auf Antrag bis zu vier verkaufsoffene Sonntage erlaubt. An den meisten Feiertagen sowie den Sonntagen im Advent bleibt die Ladentür geschlossen. In Nordrhein-Westfalen sind neben der Öffnung an Werktagen ebenfalls bis zu vier verkaufsoffene Sonntage erlaubt. Im Unterschied zu Niedersachsen darf einer davon im Dezember liegen. Wie zum Beispiel an diesem Wochenende in Wesel und Geldern. Zahlreiche katholische Verbände unterstützen im Einsatz für mehr Sonntagsruhe die "Allianz für den freien Sonntag". KAB, Katholische Betriebsseelsorge, die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, der Bundesverband Evangelischer Arbeitnehmerorganisationen sowie der Evangelische Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt setzen sich in diesem Zusammenschluss für den verstärkten Schutz von Sonn- und Feiertagen ein.
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Text: Michael Rottmann | Foto: Michael Rottmann in
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