
Uwe Bröcker von der Caritas Pflege & Gesundheit (links) und Wolfgang Dargel, Leiter des Caritas-Bildungswerks Ahaus, vor der Ahauser Moschee.
Kultursensible Altenpflege
Ausbildung muslimischer Pflegekräfte
Ahaus. In der Ridderstraße in Ahaus liegen die Geschäftsstellen der Caritas Pflege & Gesundheit und der Türkisch-Islamischen Kulturgemeinde mit ihrer Moschee nur wenige Schritte voneinander entfernt. Die räumliche Nähe hat vielleicht eine Kooperation vereinfacht, die zu einem Modellprojekt werden kann. In einer schriftlichen Vereinbarung haben die Caritas und die Kulturgemeinde festgelegt, spezifische Altenhilfeangebote für Mitglieder der Türkisch-Islamischen Kulturgemeinde und für alle muslimischen Mitbürger in Ahaus und Umgebung aufzubauen und zu entwickeln.
"Unser Ziel ist, allen muslimischen Bürgern einen Zugang zu den Angeboten der Caritas zu ermöglichen", sagt Uwe Bröcker von der Caritas Pflege & Gesundheit. Die Notwendigkeit, Altenpflegeangebote auszuweiten, liegt in der steigenden Zahl älterer und pflegebedürftiger Türkinnen und Türken, die vor 30 oder 40 Jahren als Gastarbeiter nach Ahaus kamen und dort dauerhaft eine neue Heimat gefunden haben.
Pflege in der Familie
Die Türkisch-Islamische Gemeinde zählt in Ahaus 2500 Mitglieder, pflegebedürftig sind etwa 150. "Sie werden zumeist in ihren Familien gepflegt. Es ist in den türkischen Familien noch üblich, Eltern oder Großeltern zu Hause zu pflegen. Aber dieser Zusammenhalt ist aufgrund der Berufstätigkeit der Jüngeren oft nicht mehr zu gewährleisten", sagt Bröcker.
Diese Entwicklung hat bei den Kooperationspartnern dazu geführt, unter Berücksichtigung kultureller und religiöser Besonderheiten gemeinsam Hilfsmaßnahmen zu entwickeln. Vieles steckt noch in den Kinderschuhen, aber mit Dalma Yildiz, der Frauenbeauftragten in der Türkisch-Islamischen Gemeinde, ist eine feste Ansprechpartnerin und Vermittlerin gefunden worden, um Probleme der Altenpflege und altersbedingter Erkrankungen wie Demenz zu thematisieren. Auf den Erfahrungen des Caritasverbands aufbauend, soll in der Moscheengemeinde ein Kreis von Ehrenamtlichen gebildet werden, der erste Hilfestellungen im Krankheits- oder Pflegefall geben kann.
In den nächsten Wochen soll in der Moschee die Pflegeberatung starten, wenn die Gemeindemitglieder ohnehin zum Freitagsgebet zusammenkommen. Im Frühjahr nächsten Jahrs soll das türkische Demenzcafé eröffnet werden. Die nächste Idee: "Essen auf Rädern" aus einer Küche, die an die Moschee angebaut werden soll.
"Möglicherweise kann in Nähe der Moschee eine Einrichtung für das betreute Wohnen geschaffen werden", blickt Bröcker in die Zukunft. Doch dafür müssten erst einmal Investoren gefunden werden.
Kultursensible Altenpflege heißt die Herausforderung, der sich auch das Caritas-Bildungswerk in Ahaus-Wessum stellt. Zu seinen Aufgaben zählen die Pflegeausbildung, die Fort- und Weiterbildung für Fach- und Führungskräfte der Pflege, Sozialarbeit und Hauswirtschaft.
Integration fördern
"Mehr als 1000 Schülerinnen und Schüler haben wir an unseren sechs Standorten erfolgreich in der Altenpflege ausgebildet. Aber unter ihnen sind nur wenige Muslime", sagt Wolfgang Dargel, Leiter des Caritas-Bildungswerks, der die Kooperation unterstützt und auch den Bedarf sieht: "Wir finden im Westmünsterland zwar noch genug Auszubildende, aber der Pflegebedarf wächst."
Auch Dargel möchte muslimische Jugendliche ermutigen, den Altenpflegeberuf zu ergreifen: "Sie beherrschen die Muttersprache und kennen die Gewohnheiten und religiösen Traditionen." Kultursensible Pflege bedeute, dass im islamischen Kulturraum nur männliche Pfleger die Pflege von Männern übernehmen können.
Dargel und Bröcker hoffen, in der Zusammenarbeit mit der türkischen Gemeinde so viel Vertrauen aufbauen zu können, dass ein interkulturelles Pflegeteam aufgebaut werden kann.
Ein Beispiel auch für gelungene Integration ist Zejnepe Emerllahu, die vor kurzem als erste junge Kosovo-Albanerin am Caritas-Fachseminar für Alten- und Familienpflege den Abschluss als Altenpflegerin erwarb. "Ich wollte diese Ausbildungs schaffen", sagt sie. Als Muslimin habe sie sich am Fachseminar sehr wohl und akzeptiert gefühlt.
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Text: Johannes Bernard | Foto: Johannes Bernard in
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08.12.2011
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