
Der 69-jährige Robert Kemper dirigiert seit 50 Jahren kirchliche und weltliche Chöre. Es ist dafür mehrfach ausgezeichnet worden. Er komponiert Christuslieder und Mariengesänge für alle Chorgattungen. Mehrfach trat er im Petersdom in Rom, in Notre Dame de Paris, in der Kathedrale zu Chartres, in Santiago de Compostela und in der Pius-Basilika im Marienwallfahrtsort Lourdes auf. Ein Bestseller wurde sein Lehrbuch "Sänger-Brevier – Kleine Musikschule für Chorsänger".
Chormusiker mit Leib und Seele
Musikdirektor Robert Kemper
Borken. Der Satz "Musik ist sein Leben" ist ein Allgemeinplatz. Aber wenn der Satz auf einen Mann zutrifft, dann auf Chordirektor Robert Kemper, zuhause im Borkener Ortsteil Gemen. Allerdings ist der Begriff "Musiker" auch wieder zu kurz gegriffen, weil Kemper nicht nur Chordirektor ist, sondern auch Musikpädagoge, Komponist, Arrangeur und nicht zuletzt Lyriker. Zahlreiche Auszeichnungen wurden ihm verliehen, wie zuletzt zum 50-jährigen Bühnenjubiläum.
Robert Kemper wurde 1942 in Borkenwirthe geboren. Nach der Volksschule ging er ins Internat in Steyl und machte seinen Abschluss am Gymnasium Mariengarden in Burlo. Nach einer Banklehre war er 41 Jahre als Bankkaufmann in Gemen tätig. Die Gründe für seine Liebe zur Kirchenmusik wurden schon früh gelegt.
Frühe Musikerziehung
Im Mutterhaus der Steyler Missionare wurde er als Zehnjähriger an die Kirchenmusik, den Chorgesang und an den Gregorianischen Choral herangeführt. Seit 1965 verstärkte er den Bass im Kirchenchor Cäcilia Borkenwirthe, einem reinen Männerchor. Kein Wunder, dass die Kirchenmusik, insbesondere die Musik für Männerchöre, sein künstlerischer Schwerpunkt wurde.
Als großer Verehrer des Gregorianischen Chorals bedauert Kemper, dass dieser nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil nicht mehr die richtige Wertschätzung erfährt. Er meint: "Der einstimmige Gregorianische Choral ist für mich die großartigste Mehrstimmigkeit in der Vokalmusik."
Aber auch die übrige Kirchenmusik liegt ihm am Herzen. Und da die großen Komponisten meist für gemischten Chor komponierten, der Kirchenchor in Borkenwirthe aber ein reiner Männerchor ist, griff er selbst zur Feder und komponierte und arrangierte für Männerchor. All das geht natürlich nicht ohne das Fundament des Glaubens. "Ich führe das auf meine kontinuierliche und geradlinige katholische Erziehung durch mein Elternhaus zurück", sagt Kemper, der die Kirchenmusik auf höchstem Niveau als "Dank und Verherrlichung des Schöpfers für das wunderbare Dasein und unsere Erlösung durch Jesus Christus" ansieht.
Eine Begegnung mit dem russischen Chormeister Serge Jaroff (1896 bis 1985) und seinem Don-Kosaken-Chor schlug ein weiteres Kapitel seiner musikalischen Vorlieben auf: die schwermütig anmutenden Gesänge der orthodoxen Kirchenliturgie. Und so fand und findet sich in den Konzerten der Kemper´schen Chöre fast immer mindestens ein Lied mit russischer Diktion.
Vor einigen Wochen hielt Kemper im Auditorium Maximum der Moskauer Musikhochschule einen Vortrag zum Thema "Der Wandel der Chormusik in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg". Dies alles verengt seinen Blick aber nicht auf einige wenige Musikrichtungen – nur Einseitigkeit wäre nicht seine Sache, würde nicht seine musikalisch-künstlerische Erfüllung bedeuten.
Als pädagogischen Skandal ohnegleichen empfindet Kemper, dass seit Ende der Sechzigerjahre in Deutschland in der Familie, in Schulen oder Vereinen und sogar in der Kirche kaum noch gesungen werde. "Blicken wir doch mal in unsere Gottesdienste: Es finden sich kaum Menschen unter 40 Jahren, welche die Kirchenlieder überzeugend mitsingen. Unsere heranwachsende Jugend, unsere Kinder und selbst Messdiener singen kaum noch die Gemeindelieder mit."
Kirchenliedgut pflegen
Das Neue Geistliche Lied habe bis auf wenige Ausnahmen keinen Anreiz und keinen Nachweis dafür erbracht, die entstandene Lücke schließen zu können, meint Kemper. Er plädiert dafür, dass auch Jugendliche das "wunderschöne jahrhundertealte Kirchenliedgut" wieder mitsingen können.
Einen weiteren Kritikpunkt hat der Kirchenmusiker: Offenbar würden viele der kostbaren Orgeln in den Kirchen nicht mehr benötigt. "Ich würde gern eine davon auch als Dauerausleihe in Empfang nehmen." Kemper wünscht sich, auch im Hinblick auf die vielen Gemeindefusionen, ein neues "Wir-Gefühl", dass auch bei den Kirchenchören ansetzen könne. Chöre könnten in Nachbarkirchen singen und so das Kennenlernen fördern.
Text: Hubert Gehling | Foto: Hubert Gehling in
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05.12.2011
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