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21.05.2012
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Schwester Lucia.

In der Kapelle entzündet Schwester Lucia Kerzen für die Patienten.

Mit Schwester Lucia Dießel auf der Dialyse-Station

Bei aller Unsicherheit etwas Verlässliches bieten

Emsdetten. Eine Patientin ist Schwester Lucia Dießel besonders in Erinnerung: "Eine junge Frau", sagt sie, "ihre Nieren haben von jetzt auf gleich versagt. Sie muss dauerhaft an die Dialyse." Die Frau leidet an einer so genannten Autoimmunerkrankung: Das Immunsystem hält körpereigenes Gewebe fälschlicherweise für einen Fremdkörper und bekämpft es. Auch an einen Sportler denkt Schwester Lucia zurück. "Er ist Mitte 30 und kommt jetzt auf die Transplantationsliste für eine neue Niere. Seine Familie und seine Freunde haben ihn immer unterstützt."

Schwester Lucia ist Clemensschwester und Krankenhaus-Pastoralreferentin im Marienhospital Emsdetten. Sie nimmt sich Zeit für die Patienten, hört ihnen zu, baut sie auf. Schwester Lucia ist 55 Jahre alt. Sie hat selbst 29 Jahre als Krankenschwester gearbeitet, ist mit dem Arbeitsumfeld demnach bestens vertraut. Von 2004 bis 2007 hat sich die Ordensschwester zur Krankenhaus-Pastoralreferentin ausbilden lassen. Seit vier Jahren ist sie im Marienhospital tätig.

Den Patienten Zuversicht geben

Schwester Lucia kennt die Gedanken derer, die auf die Dialyse angewiesen sind: "Die Patienten haben Angst", sagt sie. "Sie wissen: Dialyse, da muss ich oft hin. Sie müssen sich im Alltag völlig danach richten." Im Gespräch versuche die Seelsorgerin deshalb, den Sorgen Raum und den Patienten neue Zuversicht zu geben. Vor ihrem Büro im Obergeschoss des Marienhospitals liegen Handzettel aus, die auf die Krankenhausseelsorge hinweisen. Das Bild darauf zeigt die Jünger im Boot: Der Sturm auf dem See – das passt. Auch diese Männer hatten vermutlich Angst. "Jeder hat seine Stärken", sagt Schwester Lucia, "der eine ist ein Kämpfertyp, der andere zieht die Energie, die er braucht, aus seinem familiären Umfeld."

Nach Angaben des Bundesverbandes Niere, einer Selbsthilfeorganisation der Dialysepatienten und Nierentransplantierten, sind in Deutschland rund 80.000 Patienten auf die Dialyse angewiesen. Die Dialyse ist ein Verfahren zur Blutreinigung. Es kommt zum Einsatz, wenn die Nieren versagen. Zwischen drei und sechs Stunden dauert ein Durchgang – je nach Gewicht des Patienten. Das Blut wird entwässert und entgiftet. Die stationäre Dialyse im Emsdettener Marienhospital hat acht Plätze. Hier werden die Patienten behandelt, die dialysepflichtig sind, und zudem an einer Begleiterkrankung leiden: Lungenentzündung, Knochenbrüche, Darmerkrankungen. 13 Mitarbeiter kümmern sich um die Patienten. Die ambulante Dialyse findet meist in Arztpraxen statt.

Vertrautheit schaffen

Vormittags ist Schwester Lucia auf den verschiedenen Stationen des Krankenhauses unterwegs – auch bei den Dialyse-Patienten. "Wenn jemand kontinuierlich kommt und die Kranken besucht, ist es für sie – bei aller Unsicherheit – etwas Verlässliches", sagt Schwester Lucia. Gerade die Dialysepatienten seien ja diejenigen, die wieder und wieder kämen. "Einige müssen jeden Tag an die Dialyse, andere drei Mal in der Woche", sagt Schwester Lucia, "da entsteht natürlich eine Vertrautheit." Die Seelsorgerin benennt eine für sie bedeutende Erfahrung: "Ich darf nicht davon ausgehen, dass dem Patienten dieses oder jenes gut tut", sagt sie, "das kann am nächsten Tag ganz anders sein." Auch das gemeinsame Gebet wolle sie keinem aufdrängen. "Wenn der Patient beten möchte, ist es gut, wenn er es nicht möchte, ist es auch gut."

Im Erdgeschoss des Marienhospitals befindet sich eine kleine Kapelle. Schwester Lucia kommt gerne hierher. Sie zündet eine Kerze an und denkt noch einmal an das ihr im Gespräch Anvertraute zurück. Ihren Ansatz der Krankenhausseelsorge beschreibt die Ordensfrau so: "Unter allen Ängsten ist etwas Tragendes. Jeder hat eine Kraftquelle in sich. Wenn es gelingt, dass der Mensch da `rankommt, ist schon viel gewonnen."

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Text: Katharina Deuling | Foto: Katharina Deuling
02.12.2011

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