Chancen nutzen
Laien werden stärker in die Seelsorge eingebunden
Wesel. Ganz modern und frisch gestylt wirkt das neue Pfarrhaus der Weseler St.-Martini-Kirche, in das Pastor Stefan Sühling im Juli eingezogen ist. Neue Büros haben auch die Pastoralreferenten Raphael Günther und Marius Stelzer sowie Kaplan Thomas Hahn bekommen. So hat das Leben auf der großen Baustelle vorläufig ein Ende. Die andere "Baustelle" mit den neun Kirchtürmen von vier Pfarreien, die seit dem 1. August 2011 eine Seelsorgeeinheit bilden, bleibt vorerst bestehen.
Eine Steuerungsgruppe für den Prozess der Zusammenführung der rechtsrheinischen Pfarreien, die aus 13 Ehrenamtlichen und drei Hauptamtlichen besteht, wurde gebildet. Sie tagt wöchentlich im neuen Pfarrhaus mit mehrstündigen Gesprächen. Der Bislicher Franz-Wilhelm Peters, Mitglied des Kirchenvorstands, ist zuversichtlich: "Wir managen das schon. Die Leute müssen mehr Beweglichkeit aufbringen. Dann merken sie, dass es ein Gewinn ist, über die eigenen Grenzen zu spähen. Der neue Pastor geht es gut an. Er ist authentisch und offen."
Sühling lobt das gute Klima im Team. Er weiß: "Im Zuge von Veränderungen gibt es Leute, die Stress aushalten können." Er selbst ist einer davon. "Baustellen" sind für ihn ein reizvolles Betätigungsfeld. "Schließlich habe ich als 16-Jähriger eine Lehre in einem Architekturbüro gemacht", schmunzelt er.
Verändertes Rollenbild
Die neue Pfarrei ist zahlenmäßig zu groß, um eine Gemeinde nach traditionellem Vorbild zu sein. Franz-Wilhelm Peters, der auch die "kleine" Fusion der St.-Johannes-Gemeinde vor fünf Jahren mitmachte, hört oft von den Sorgen der Gemeindemitglieder. Manche orientierten sich in andere Gemeinden, da die Gottesdienste verlegt worden waren. "Wer früher nach der Samstagsmesse zum Stammtisch ging, dem fehlt jetzt etwas", sagt Peters. "Viele haben Angst, dass die Stimmung unpersönlich wird. Früher vertraute man darauf, dass der Priester, der einen getraut und die Kinder getauft hat, auch bei der Beerdigung dabei ist. Der Pastor andererseits wusste zum Beispiel genau, welche Probleme es in einer Familie gab. Jetzt liegen die Stationen der Neupfarrei aber bis zu 35 Kilometer auseinander."
Sühling legt auf eines Wert: "Es geht doch eigentlich darum, im Glauben beheimatet zu sein." In diesem Zusammenhang sind Hausbesuche ein sensibles Thema. "Ich versuche, einer Bitte möglichst nachzukommen, kann aber nicht der persönliche Hirte aller 24.000 katholischen Christen sein. Das Rollenbild ändert sich. Man muss von der Vorstellung Abschied nehmen, dass der Pastor immer selbst kommt", meint Sühling. Für ihn stellt sich die Frage, wie Kirche heute in der veränderten Situation noch ein persönliches "Gesicht" haben kann. Für den Seelsorger sind Frauengemeinschaften oder Seniorengruppen unverzichtbar. "Kapläne oder Pastoralreferenten sind ebenfalls wichtige Ansprechpartner und übernehmen in Zukunft verstärkt seelsorgerische Aufgaben", meint er. Ehrenamtliche werden verstärkt einbezogen. Wichtig sei die Verlässlichkeit, dass auf Wunsch jemand kommt.
Vorderste Priorität hat für Sühling vorläufig die Jugendarbeit. "Für die Jugend ist ja nicht die Kirche der eigentliche Lebensraum, sondern die Schule. Da muss man ansetzen." Eine ganze Wand im Konferenzraum ist mit Stichworten gepflastert: offene Jugendarbeit, Schulen, Pfadfinder-, Sternsinger-, Messdienergruppen sind nur einige Aspekte, die der Überlegung bedürfen.
Auch die Arbeit in den Kirchenvorständen ändert sich. "Vor fünf Jahren waren wir zehn Leute, jetzt sind wir nur noch zu dritt. Wir müssen Verantwortlichkeiten retten, wenn es demnächst nur noch einen Kirchenvorstand geben soll. Die Finanzen beispielsweise sollten aus der Seelsorgearbeit ausgeklammert werden", sagt Kirchenvorstandsmitglied Peters.
An eine Auflösung von lokalen Kirchenchören ist nicht gedacht. "Chöre sind Ausdruck gelebten Glaubens", sagt Pfarrer Sühling. "Auch kleine Chöre erhalten auf diese Weise ihre Existenzberechtigung." Am ersten Advent gibt es ein gemeinsames Abendgebet. Weihnachtsgottesdienste werden wie 2010 gefeiert. Am Mittwoch (23.11.2011) erscheint erstmals der neu gestaltete 16-seitige Pfarrbrief im Format des "Familienjournals" von Kirche+Leben. Er wird an alle Haushalte sowie über die Bistumszeitung verteilt.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Text: Martha Agethen in
Kirche+Leben
21.11.2011
Neues Seelsorgekonzept
Im Bistum Münster wird derzeit ein neuer Diözesanpastoralplan erstellt. Er soll Schwerpunkte der Seelsorge benennen. Ein erster Entwurf steht zum Herunterladen bereit.
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Die Bibelarbeiten befassen sich mit Schriftstellen aus dem Alten und Neuen Testament und eignen sich für die Gemeindearbeit und für die persönliche Auseinandersetzung mit der Heiligen Schrift.
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