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14.11.2018
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Weltweit beachtet wurde der Oldenburger Kreuzkampf vom November 1936: Eine französische Zeitschrift illustrierte ihren Bericht von der entscheidenden Protestversammlung in Cloppenburg mit dieser Zeichnung. Rechts stehend Reichsstatthalter Carl Röver.

Weltweit beachtet wurde der Oldenburger Kreuzkampf vom November 1936: Eine französische Zeitschrift illustrierte ihren Bericht von der entscheidenden Protestversammlung in Cloppenburg mit dieser Zeichnung. Rechts stehend Reichsstatthalter Carl Röver.

Mit Wut und voller Verbitterung

Vor 75 Jahren: Oldenburger Kreuzkampf

Oldenburg. In der oldenburgischen Bistumsregion hat die Erinnerung an den "Oldenburger Kreuzkampf" vom November 1936 eine besondere Bedeutung, auch nach jetzt 75 Jahren. Kirche+Leben beschreibt die Ereignisse und lässt einen Zeitzeugen zu Wort kommen.

Der Brief des Landwirts aus Lutten bei Vechta liest sich unbeholfen genug: "Es ist mir bekannt geworden, dass das Kreuz aus der Schule entfernt werden soll. Ich als christkatholischer Mann verlange, dass das Kreuz in der Schule bleibt. Ich bitte das Ministerium, dass Sie dahin wirken, dass der Glaube an Gott erhalten bleibt. Mit Gruß, H. Meyer."

Meyer wandte sich damit an den nationalsozialistischen Schulminister im Land Oldenburg. Und der wollte mit seinem Erlass vom 4. November 1936 ja gerade das erreichen: dem Glauben den Boden entziehen, die Schulen ihres katholischen Geistes berauben. Indem zunächst einmal Kreuze und Lutherbilder aus den Schulen verbannt wurden.

Der Konflikt hatte sich aufgeheizt, als Geistliche keine Lehrer mehr an Bürgerschulen sein sollten, als Religionsunterricht an Landwirtschaftsschulen gestrichen wurde. Widerspruch der Priester führte zu dieser Aktion der Regierung.

Die war nicht lange vorbereitet; auf Widerstand hatte sich die Regierung nicht eingestellt. Umso mehr waren die Nazis überrascht, als sich ihnen Tausende Menschen entgegenstellten. In einer spontanen Volkserhebung, die während der Nazizeit in dieser Form, so der Vechtaer Historiker, Professor Joachim Kuropka, einzigartig blieb.

Sofort Empörung

Allgemeiner Unmut über den Erlass war sofort zu spüren, der Weg zu konkreten Aktionen aber geht zurück auf den großen Einsatz der Priester und hier besonders des Kaplans Franz Uptmoor aus Sevelten bei Cloppenburg. Der hatte in einer dramatischen Predigt am Totengedenktag im Marienwallfahrtsort Bethen vor Tausenden Pilgern zum Widerstand aufgerufen. Die Alternative, so sagte Uptmoor, laute: "Entweder Christus oder Satan, Glaube oder Unglaube, lebendiges Christentum oder Bolschewismus". Schon jetzt gelte es Widerstand zu leisten: "Wenn man uns das Kreuz aus den Schulen nehmen will, niemals, niemals und nochmals niemals werden wir uns damit zufrieden geben. Wir werden kämpfen bis zum Letzten für das Zeichen des Christentums."

Damit war der Anstoß gegeben: Bei den traditionellen Novemberwallfahrten der oldenburgischen Gemeinden nach Bethen predigte wohl jeder Pfarrer auf dieser Basis und rief zum Protest auf.

Mit diesen Folgen: Bürgermeister und Lehrer weigerten sich, dem Erlass zu folgen. Parteiorganisationen erschienen nicht mehr zum Dienst, Landesbauernschaft und andere ehrenamtliche Strukturen der Ortschaften zerfielen.

In den Kirchen gab es besondere Andachten, täglich wurden die Glocken geläutet, manchmal auch die Not- und Brandglocke. Auf den Kirchtürmen in Dinklage, Mühlen und Holdorf wurden große, leuchtende Kreuze angebracht.

Vollends wachgerüttelt wurde die Regierung aber durch unerlaubte Versammlungen, schließlich stand Deutschland unter Ausnahmerecht. Dazu kamen Aktionen wie in Essen (Oldb.), als Menschen Kreuze selbst in die Schulen brachten.

Zudem fuhren Delegationen in die Stadt Oldenburg, um den Minister umzustimmen – durch mündlichen Protest in dessen Arbeitszimmer, aber auch durch Hupkonzerte vor seinen Fenstern. Offensichtlich hatte die Regierung einen solchen Widerstand nicht einkalkuliert, sie wollte einen Schritt zurückweichen und den Erlass aufgeben.

Dann auch in Bislich

Der Reichsstatthalter für Oldenburg, Carl Röver, ging dafür selbst zu einer Kundgebung in die Münsterlandhalle in Cloppenburg. Er kam dort am 25. November vor rund zehntausend Menschen aber kaum zu Wort, konnte schließlich nur kurz den Rückzug bekannt geben, bevor die Menge schon jubelnd aus der Halle strömte.

Die oldenburgischen Katholiken fühlten sich als Sieger, hatten sie doch der Diktatur ein Zugeständnis abgetrotzt. Ihr Widerstand ermutigte auch in anderen Regionen des Bistums zu Protesten: In Bislich am Niederrhein wurden im Januar 1937 die Kreuze in den Klassenräumen von der Vorderwand über die Türen gehängt; heftige Proteste beim Regierungspräsidenten führten zur Rücknahme der Anordnung; das Kreuz erhielt wieder "seinen Ehrenplatz", wie es hieß.

An den Kreuzkampf wird im oldenburgischen Teil des Bistums regelmäßig erinnert: Alle zwei Jahre feiern die Gläubigen den so genannten Bekenntnistag im Marienwallfahrtsort Bethen – als Erinnerung an den mutigen Widerstand in düsterer Zeit.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterOldenburger Kreuzkampf: Widerstand im Kleinen (18.11.2011)

Text: Franz Josef Scheeben | Repro: BMO-Archiv in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
18.11.2011

    1. Oldenburger Kreuzkampf: Widerstand im Kleinen

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