
Hoffnung auf das ewige Leben möchte Irmgard Levers den Menschen geben, die in ihrer letzten Lebensphase eine Sterbebegleitung wünschen. Die 70-Jährige schenkt den Sterbenden nicht nur ihre Nähe, sondern bereitet sie bewusst auf die entscheidende Begegnung im Tod mit Gott vor. Sie spricht nie vom Tod, sondern von dem neuen Leben, in das die Sterbenden eingehen.
Spirituelle Sterbebegleitung
Übergang in ein anderes Leben
Lienen. Wie viele Stunden sie an den Betten sterbender Menschen verbracht hat, kann Irmgard Levers nicht sagen. Protokoll führt sie nicht. Es müssen aber unzählige Stunden sein, in denen sie Sterbenden ihre Nähe schenkt. Mehr als 130 Menschen hat sie in ihrer Gemeinde in Lienen und in anderen Orten des Tecklenburger Landes "auf das andere Leben vorbereitet", wie sie sagt. Das andere Leben ist das, was für sie nach dem Tod kommt. Das Wort Tod vermeidet sie: "Ich spreche lieber davon, dass Sterbende in ein anderes Leben gehen", sagt die engagierte Katholikin. Sie spricht von dem neuen Leben, in das sie eingehen, oder von der Begegnung mit einem Gott, der sie "unendlich und für immer liebt".
Irmgard Levers möchte Sterbende bewusst auf die entscheidende Begegnung im Tod mit Gott vorbereiten. Sie möchte ihnen die Angst vor dem Sterben nehmen, sie empfindet es als christliche Aufgabe, den Sterbenden zu helfen, sich versöhnt mit Gott, ihren Angehörigen und mit sich selber aus diesem Leben zu verabschieden. Für sie sind das die "Sternstunden" der Erfahrung Gottes.
Die 70-jährige gelernte Hauswirtschaftlerin und Mutter von vier Kindern will ihren Glauben anderen nicht "aufzwingen". Sterbende begleitet sie, wenn sie und die Angehörigen es wünschen. In der kleinen Gemeinde Lienen und in den Nachbarorten kennen die Alten- und Pflegeheime Irmgard Levers, ihre humorvolle Art, wie sie mit den Bewohnern umgeht. In der katholischen Pfarrgemeinde ist sie ohnehin bekannt als jemand, der seit vielen Jahren einen Glaubensgesprächskreis leitet und nun schon seit 21 Jahren ehrenamtlich eine spirituelle Lebens- und Sterbebegleitung leistet.
Zur Sterbebegleitung ist die aus dem westmünsterländischen Südlohn stammende Katholikin "durch Zufall" gekommen. 1990 erhielt sie einen Hinweis, dass das Bistum Münster einen zweijährigen Ausbildungskursus für Erwachsenen-Katechese startet. "Ich bewarb mich und wurde zu einem ersten Kennenlernen eingeladen. Schwester Magdalena Heeke leitete den Tag. Bald aber merkte ich: Es geht um Altenseelsorge. Das war nicht mein Ziel", erinnert sich Irmgard Levers. Eigentlich wollte sie den Kursus schnell wieder verlassen, "aber Schwester Magdalena meinte, ich solle doch noch etwas bleiben".
Es folgte eine Meditation über ein Jesus-Wort, das die damals 49-Jährige als Berufung empfand. Die Schriftstelle lautet: "Amen, Amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und führen, wohin du nicht willst" (Joh 21, 18).
Berührt von einem Jesus-Wort
Dieses Wort sprach die Lienenerin an. Irmgard Levers absolvierte die theoretische Ausbildung in der Altenseelsorge und den praktischen Teil in einem Pflegeheim. "Schon bald saß ich bei sterbenden Menschen. So nahm ich wahr, wie sehr diese Menschen bereit waren, meine Hilfe anzunehmen", erinnert sie sich. Wenig später hängte sie ein zusätzliches Seminar mit dem Thema "Spirituelle Sterbebegleitung" an. "Wir waren alle sehr froh, dass uns das Bistum ein solches Seminar ermöglichte." Schwester Magdalena bot den "spirituellen Sterbebegleitern" an, einen eigenen Kreis zu gründen. Dieser Kreis von damals arbeitet bis heute intensiv und kommt dreimal im Jahr zusammen. "Für mich sind diese Tage immer eine gute Möglichkeit zum Austausch und für meine Arbeit immer hilfreich."
In der Adventszeit nimmt sie im Kloster Gerleve an Exerzitien teil, um "aufzutanken". Einer ihrer Begleiter ist Pfarrer em. Edgar Fritsch, der über sie sagt: "Glaubwürdig ist sie, weil sie niemals mit falschem missionarischen Eifer daherkommt, sondern sich feinfühlig zurücknimmt, wenn es angebracht erscheint. Andersgläubigen begegnet sie taktvoll. Ihre Frömmigkeit ist gut geerdet, ist lebensecht und lebensfroh. Sie bereitet zwar Sterbende auf das andere Leben vor, aber sie spekuliert nicht darüber, als wüsste sie schon alles."
Im Grunde, sagt Irmgard Levers, falle ihr die Sterbebegleitung nicht schwer, und wahrscheinlich sei ihr Dienst schon vorgezeichnet gewesen. Zu ihren frühesten Erinnerungen an die Trauer gehören der Tod ihres Onkels, der im Krieg gefallen war. Damals hat sie erlebt, wie wichtig es ist, andere zu trösten. Ein Gefühl, das sie selbst verspürte: "Dessen war ich mir damals noch nicht bewusst. Heute weiß ich, dass dieses Gefühl, Menschen beizustehen, die weinen und traurig sind, schon früh ausgeprägt war."
Tod und Trauer erlebte sie in jungen Jahren in ihrer Familie. Ein 17-jähriger Cousin verunglückte einen Tag vor Heiligabend tödlich, als er für seine Mutter das Weihnachtsgeschenk besorgen wollte. "Die Nachbarn kamen. Es wurde gebetet und gemeinsam geweint. Auch bei diesem tragischen Tod hat Gott seine Hände über uns gehalten. Durch ihn wurden wir getröstet."
Die Zusage christlicher Hoffnung erfuhr sie in der Sterbewoche ihrer Mutter im elterlichen Haus, als im Beisein der Angehörigen und Nachbarn der Pfarrer im Schlafzimmer eine Auferstehungsmesse feierte: "Wir sangen Osterlieder. Alle Gebete waren ein Dank an den auferstandenen Christus. Unsere Mutter weinte Tränen vor Glück und wir auch."
In ihrer Sterbegleitung erlebt Irmgard Levers, wie unterschiedlich die Gedanken und Wünsche Sterbender sind. Manche sehnen sich nach den Gebeten, möchten das "Ave Maria" noch einmal hören, andere hadern mit Gott und mit sich selbst, zweifeln, äußern ihre Angst, wiederum andere wollen mit der Kirche nichts zu tun haben, sind aber dankbar, wenn ihnen jemand zur Seite steht, auch wenn er "vom ollen katholischen Verein" kommt.
Wenn Irmgard Levers ihre Besuche auf den Stationen eines Pflegeheims unternimmt oder die Familien aufsucht, dann hat sie immer eine kleine Aktentasche bei sich, worin sich alles befindet, was sie zur Sterbebegleitung braucht: das Kreuz aus Jerusalem, einige Kerzen, Streichhölzer, ein Buch mit Gebeten, die Bibel, ein Liederheft und Wasser aus dem See Gennesaret.
Mit Unterstützung ihrer Freundin Hanna Lohmeyer hat Irmgard Levers ein kleines Buch über ihre Erfahrungen geschrieben. "Es will zum Nachdenken anregen und eine kleine Hilfe sein", sagt sie.
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Text: Johannes Bernard | Foto: Johannes Bernard in
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