
Wege erwachsenen Glaubens nennt sich die Gesprächsreihe im Straelener Pfarrheim, in der die eigenen Glaubenserfahrungen im Vordergrund stehen.
Glaubenskursus
Im Glauben erwachsen werden
Straelen. Zugegeben, eine gemütliche Runde auf der Kegelbahn ist nicht unbedingt das passende Ambiente, sich mit Themen des christlichen Glaubens zu befassen. Bärbel und Rainer Gurski aus Straelen haben jedoch die Erfahrung gemacht, dass es in beinahe allen Situationen des Alltags schwierig ist, seinen Glauben oder sein Christsein in Diskussionen einfließen zu lassen. Und: "In jedem Beruf macht man ständig Fortbildungskurse. Nur im Glauben bleiben wir auf dem Stand der Schulkenntnisse stehen", ergänzt Bärbel Gurski.
Im Straelener Pfarrheim wird deshalb im Glaubenskursus intensiv über Gott und über den Glauben gesprochen. Der Besuch diese Kurses gleicht einer Momentaufnahme in einer Reihe von Abenden der inzwischen vierten Einheit des Glaubenskurses "WeG", in denen sich Erwachsene intensiv über ihre Erfahrungen austauschen. "WeG" steht für Wege erwachsenen Glaubens.
Stets anwesend, aber dezent im Hintergrund, beobachtet Pfarrer Ludwig Verst das Geschehen, während dieses Mal Diakon Holger Weikamp zum Thema "Lass dich lieben" in Anlehnung an das Gleichnis vom verlorenen Sohn aus dem Lukas-Evangelium aufbereitet.
Das Ehepaar Bärbel und Rainer Gurski zählt zum WeG-Team der ersten Stunde. "Das System wurde uns auf Bistumsebene vorgestellt. Es hat uns begeistert, dass Laien aus ihrer Glaubenserfahrung zu Laien sprechen dürfen", berichtet der Rentner.
In vielen Lebenssituationen zucke einem der Gedanke durch den Kopf: "Da kann nur Gott gewirkt haben", sagen die Straelener, die es als bereichernd empfinden, dass persönliche Glaubenszeugnisse die Würze eines jeden Abends ausmachen.
Nach den ersten Glaubenskursen hatte sich der erste Hauskreis gebildet, der sich den Namen "Effata" gab. Inzwischen bildeten sich drei private Kreise, die regelmäßig zusammenkommen, um in häuslicher Umgebung intensiv über Bibeltexte, Glaubensfragen und Kirchenthemen zu diskutieren.
Diakon Holger Weikamp begleitet die Hauskreise in ihrer Entstehungsphase und zieht sich zurück, sobald er den Eindruck hat, dass sie eigenständig weitergeführt werden, steht aber immer für Fragen zur Verfügung. Maria Kamphuis gehört einer solchen Runde an: "Ich habe festgestellt: Die wollen alle dasselbe. Ich bin begeistert über das Vertrauensverhältnis, das sich gebildet hat. Die Gesprächsinhalte bleiben vertraulich."
Es ergäben sich im Austausch neue Blickwinkel. Eine veränderte Sichtweise rege dazu an, Aspekte von der anderen Seite zu beleuchten, erläutert Kamphuis. Sie habe sich bislang nicht intensiv in der Kirchengemeinde engagiert, das werde sich ändern. Teilnehmer Werner Geurds schildert eine Situation, in der der Glaube selbstbewusst in die Öffentlichkeit getragen wurde: "Wir waren auf dem Rückweg von der Kevelaer-Wallfahrt und hatten überlegt, ob wir durch den Straßentrubel des Straelener Stadtfestes in unsere Pfarrkirche einziehen sollten oder einen Umweg einschlagen sollten. Nach einigen Argumenten haben wir entschieden: Warum wollen wir überhaupt durch die Hintertüre ins Gotteshaus einzuziehen?"
In Straelen sind die Christen selbstbewusster geworden. Gott bleibt jetzt Thema in der Gemeinde. Wer sich beteiligen möchte, ist herzlich eingeladen.
Text: Helena Gersbeck | Foto: Helena Gersbeck in
Kirche+Leben
07.11.2011
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