
Caritas-Mitarbeiter informierten zum Beispiel über "Essen auf Rädern" Wohnen im Alter und Tagespflege.
Klage über Überlastung und unzureichende Bezahlung
Caritasverbände informierten über Pflegereform
Ahaus/Vreden/Borken/Coesfeld. Dringende Appelle an die Politik zum schnellen Handeln in Sachen Pflegereform beherrschten eine Podiumsdiskussion der vier Caritasverbände für die Dekanate Ahaus und Vreden, Borken, Coesfeld und Kleve im Borkener Vennehof. "Wir verlieren jeden Tag enorm viel Zeit. Dabei können wir uns gar keinen Stillstand erlauben. Das Problem wächst uns über den Kopf", sagte Ludger Risse, Vorsitzender des Landespflegerats Nordrhein-Westfalen, zur "dramatischen Situation" im Pflegebereich.
"Es muss eine grundlegende Reform her", forderte Ex-Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt in der Diskussionsrunde.
Vor 150 Zuhörern, darunter viele Pflegekräfte, war das Thema "Pflege trifft Politik" gleichzeitig Abschluss einer Aktionswoche der Caritas Pflege & Gesundheit mit 25 Veranstaltungen.
Im Vennehof wurde über Pflegereform, Pflegebedürftigkeit, Pflegestützpunkte, Pflege-TÜV und das Berufsbild diskutiert. Schon weil derzeit geschätzte 50.000 Pflegekräfte fehlten, müsse schnell etwas passieren. In der derzeitigen Bundespolitik "herrsche Stillstand", sagte Risse. "Eigentlich müssten 1,4 Millionen Pflegekräfte auf die Straße, um auf eklatante Missstände aufmerksam zu machen."
Moderator Kurt Georg Ciesinger nannte Zahlen: Bei den Beschäftigten im Pflegebereich herrsche ein um 20 Prozent höherer Krankenstand als im Durchschnitt, 15 Prozent der Pflegekräfte klagten über zu hohe körperliche Belastungen. Die berufliche Verweildauer liege bundesweit bei nur gut acht Jahren, wie verschiedene Studien belegten.
Das Landespflegegesetz könne nicht vernünftig reformiert werden, bevor der Bund nicht reagiere, meinte Landesministerialrat Markus Leßmann vom NRW-Landesministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter. Matthias Mört, Leiter des Fachbereichs Pflege & Gesundheit beim Caritasverband für das Dekanat Borken und Vorstandsmitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Leitender Pflegepersonen forderte neue Rahmenbedingungen: "Die Pflege muss sich neu aufstellen. Die Bürokratie muss verschlankt werden." Auch der Pflege-TÜV (Pflegetransparenzvereinbarung) müsse auf den Prüfstand. Pflegekräfte müssten mittlerweile "mehr und mehr bürokratische Dinge erledigen und ihre Arbeit dokumentieren als tatsächlich pflegen".
Die Dokumentation sei ein "Monster", sagte Pflegerat Risse. Und überhaupt habe der Pflegeberuf "ein gänzlich falsches Image". Deutlicher müsse zum Vorschein kommen, welche "hochqualifizierte Arbeit täglich von Pflegekräften verrichtet wird". Die Gesellschaft verdränge das Problem der Pflege, meinte Ministerialrat Leßmann. Sein Ministerium sei dabei, bessere Arbeitsbedingungen in Nordrhein-Westfalen zu schaffen.
Ulla Schmidt sagte: "Pflegekräfte brauchen eine anständige Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen. Die Gesellschaft sollte den Pflegeberuf höher einschätzen. Dann finden sich auch junge Menschen, die diesen Beruf ergreifen."
Im Vorfeld der Diskussion hatten die Caritasverbände auf einem "Markt der Möglichkeiten" über ihre Tätigkeiten und Angebote informiert. Dazu zählen zum Beispiel "Essen auf Rädern", Wohnraumberatung, Wohnen im Alter, Tagespflege, Hospiz und Palliativpflege oder senioren- und behindertengerechtes Wohnen.
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Text: pd | Foto: pd in
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07.11.2011
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