
Silvia Füting, Olaf Saddeler und Christa Testroet (v.l.) helfen, barrierefrei zu planen.
Selbstständigkeit fördern
Caritas berät bei Planung barrierefreier Wohnungen
Dinslaken-Wesel. Der demographische Wandel zieht Probleme nach sich, besonders im Wohnungsbau. Architekt Olaf Saddeler und die Sozialarbeiterinnen Silvia Füting und Christa Testroet vom Caritasverband Dinslaken-Wesel haben es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen bei der Planung eines barrierefreien Umbaus zu beraten. Gern kommen sie ins Haus, um vor Ort kostenlos und unverbindlich Umbauten zu besprechen. Das Ziel liegt auf der Hand: Selbstständiges Wohnen soll bis ins hohe Alter gefördert und der Umzug ins Altenheim verhindert werden.
Die Klientel ist breit gestreut. Anfragen betreffen den Wunsch nach einem möglichst schicken Badezimmer ebenso wie nach einem Optimum an Barrierefreiheit bei eher kleinem Budget. Finanziert wird die Wohnberatung von den Pflegekassen und dem Kreis Wesel.
Ab 2012 ist die Wohnberatung im neuen Caritas-Gebäude am Weseler Bahnhof zu finden. Neben der Stammklientel von derzeit rund 90 Prozent möchten die Berater auch jüngere Menschen erreichen. Das Angebot gilt auch für an Demenz Erkrankte und Behinderte. Wer erst einmal auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen ist, den lehren die Stolperfallen in einer Wohnung schnell das Fürchten. Eingangsstufen stellen mitunter ein Ärgernis dar; Rampen können Abhilfe schaffen. Die größte Falle ist das Bad. Duschwannen herkömmlicher Art lassen sich selbst in guter körperlicher Verfassung nur schwer erklimmen. Waschbecken sind nicht unterfahrbar. Die richtige, der Körperhöhe angepasste Toilette zu finden, will sorgfältig bedacht sein. In älteren Einfamilienhäusern können die ebenerdigen, winzigen Gästetoiletten nicht zum Bad umgebaut werden.
Die Caritas überprüft Kostenvoranschläge und klärt Probleme mit Behörden. Architekt Saddeler findet immer etwas, was man streichen könnte, spricht persönlich mit Handwerkern und überwacht die Abnahme. In sechs Jahren konnte Saddeler eine Menge Erfahrungen sammeln: "Wir sind bemüht, den Bestand so hilfreich wie möglich zu gestalten. Bei vorhandenem Eigentum sind die Probleme gering. Barrierefreie Mietwohnungen dagegen sind teuer und selten."
Im Jahr 2030 wird im Kreis Wesel jeder Dritte über 65 Jahre alt sein, der Bestand an altengerechten Wohnungen jedoch beträgt nur ein Prozent. "Die Realität ist eine Katastrophe", befindet Saddeler. "Wenn Menschen ein oder zwei Jahre länger zuhause bleiben könnten, wären Kommunen, auf die nun riesige Probleme zukommen, etwas entlastet."
Gegenzurechnen sind auch rund 24.000 Euro jährlich, die Pflegekassen bei Heimaufenthalt aufzubringen haben. Der Zuschuss für einen Umbau beträgt derzeit 2.557 Euro. Wer selbst initiativ wird, muss allerdings mit der Auflage rechnen, beim Auszug zurückzubauen. Das Hilfsangebot der Caritas ist noch nicht flächendeckend bekannt. 1.200 Flyer wurden in Arztpraxen ausgelegt. Auch Pflegedienste werben mittlerweile dafür. Ein umgebautes Bad bedeutet auch für sie eine erhebliche Entlastung.
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Text: Martha Agethen | Foto: Martha Agethen in
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07.11.2011
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