
Zu Hause wird Johanna Bax (vorn) rund um die Uhr von der polnischen Haushaltshilfe Radoslawa Kalinowska versorgt und fühlt sich deshalb geborgen.
Zu Hause rund um die Uhr betreut
Legale Hilfe aus Polen
Kevelaer-Geldern. Früher hat Johanna Bax noch selbst gekellnert, fast 50 Jahre lang. Heute bekommt die 89-jährige ihr Essen gebracht, von Radoslawa Kalinowska, ihrer polnischen Haushaltshilfe, die seit mehreren Wochen bei ihr im Haus in Kevelaer-Winnekendonk wohnt und heute Bratkartoffeln zum Mittag zubereitet hat. "Ich bin so froh, dass jetzt immer jemand da ist", sagt Johanna Bax, die zwar kaum noch aus dem Krankenbett in ihrem Wohnzimmer aufstehen kann, aber geistig noch sehr rege ist.
Das Pflegeteam der Caritas, das sie betreut, hatte ihr die Haushaltshilfe vermittelt. Nachdem sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert und die Nachteinsätze bei der Caritas sich gehäuft hatten, stand Johanna Bax vor der Wahl: entweder umziehen in ein Pflegeheim oder eine polnische Haushaltshilfe engagieren. Dass sie sich für die zweite Variante entschied, hat sie nie bereut. "Ich kann weiter zu Hause wohnen, werde aber fast rund um die Uhr betreut", sagt Johanna Bax.
Ein wenig schwer fiel anfangs vor allem die Verständigung. Johanna Bax spricht kein Polnisch, ihre Haushaltshilfe Radoslawa Kalinowska kaum Deutsch. Doch schon nach kurzer Zeit und etwas Hilfe durch Danuta Sojda, die die Einsätze der polnischen Haushaltshilfen für den Caritasverband Geldern-Kevelaer koordiniert, kamen die beiden Damen bestens zurecht. Radoslawa Kalinowska, die aus der Kleinstadt Suwalki nahe der litauischen Grenze stammt, kocht, wäscht, wischt, hält das Haus in Ordnung und ist einfach da, wenn sie gebraucht wird.
Als erster Verband im Bistum Münster hatte der Caritasverband Geldern-Kevelaer bereits im Mai, als die Arbeitnehmerfreizügigkeit auch für polnische EU-Bürger eingeführt wurde, damit begonnen, Haushaltshilfen aus Polen an Senioren am Niederrhein zu vermitteln.
Bezahlbare Alternative
"Damit möchten wir Menschen, die eine 24-Stunden-Betreuung im Haushalt benötigen, eine bezahlbare und legale Alternative bieten", sagt Regina Schüren, Bereichsleiterin "Caritas – Pflege und Hilfe zu Hause". Legal, mit Anmeldung, Bezahlung nach dem Tarif des Hausfrauenbunds, Urlaubsanspruch, Vorbereitungskursen und einer Betreuung der Heimatfamilie durch die Caritas in Polen.
Die Abwicklung aller Formalitäten – wenn gewünscht inklusive Gehaltsabrechnung – erledigt die Caritas. "Die Patienten selbst müssen nur noch den Arbeitsvertrag und die Einzugsermächtigung für unsere Servicepauschale unterschreiben", sagt Regina Schüren. Die liegt bei 76,50 Euro im Monat.
Insgesamt müssen die Patienten mit Kosten bis zu 2.000 Euro monatlich für die Haushaltshilfen rechnen, die im Haus wohnen und rund um die Uhr Sicherheit und Unterstützung bieten. Damit ist das Angebot der Caritas teurer als eine illegale Beschäftigung, aber teilweise günstiger als die Angebote gewerblicher Vermittler. Zudem helfen Caritas-Mitarbeiter bei sprachlichen Barrieren und anderen Problemen.
Die Grundidee dieses Angebots stammt von der Caritas in der Erzdiözese Paderborn, wo das Projekt unter dem Namen "Caritas 24" läuft. Dort hat man bereits seit 2010 gute Erfahrungen mit der Vermittlung polnischer Haushaltshilfen gemacht.
"Es kommen immer mehr Anfragen von neuen Patienten, aber auch von Menschen, die ihre bislang 'schwarz' beschäftigten polnischen Haushaltshilfen nun legal beschäftigen möchten", sagt Regina Schüren.
In Kürze werden acht polnische Haushaltshilfen der Caritas im Südkreis Kleve beschäftigt sein – so wie Radoslawa Kalinowska, die nach den ersten Wochen sagt: "Am liebsten würde ich für ein ganzes Jahr am Niederrhein bleiben".
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Text: Tobias Kleinebrahm | Foto: Tobias Kleinebrahm in
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