
Für Spielsüchtige sind vor allem die zahlreichen Automatenspiele ein magischer Anziehungspunkt.
Gefahr Spielhalle
Nur Unglück mit dem Glück
Ahlen. Roter Teppich, nette Begrüßung, gern auch ein Kaffee. Mit dem Betreten der Spielhalle taucht der Besucher in eine Scheinwelt ein, und für den süchtigen Spieler verwandeln sich die Münzen und Scheine im Portmonee in Spielgeld. Im Vergleich zu Alkoholkranken sind Spielsüchtige mit sieben Prozent in der Sucht- und Drogenberatung im Kreis Warendorf noch eine "Randgruppe", aber mit Wachstumstendenzen. Das hat Hermann Wetterkamp vom Caritasverband Ahlen festgestellt.
90 Prozent der Spielsüchtigen, die die Suchtberatung im Kreis Warendorf aufsuchten, seien Automatenspieler, die Übrigen gingen ins Casino oder nähmen an Internetspielen und Sportwetten teil. Wetterkamp und seine Kolleginnen im Suchtberater-Team haben sich deshalb am ersten landesweiten "Aktionstag Glücksspielsucht" beteiligt, um auf die noch unterschätzten Gefahren aufmerksam zu machen. Auch in Münster, Steinfurt und Rheine starteten die Caritas-Berater Aktionen.
"Die größte Gefahr geht eindeutig von den Automaten aus", erläutert Wetterkamp. Davon sind auch in Ahlen in den letzten Jahren viele zusätzlich aufgestellt worden. 121 Automaten waren es in 2008, im letzten Jahr schon 171. Sie stehen nicht nur in Spielhallen, die für unter 18-Jährige tabu sind, sondern auch in Imbissläden und Kneipen.
Ein Verbot von Glückspielautomaten in allen Gaststätten, Tankstellen und Einkaufszentren, wie es die Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dykmanns fordert, wird auch von den Suchtberatern der Caritas unterstützt. Das wäre ein wichtiger Schritt, ist Wetterkamp überzeugt. Dass dies kaum durchzusetzen sein wird, ist ihm bewusst: "Seit gut zehn Jahren übersteigen die Einnahmen des Staats aus Glücksspiel die aus der Alkoholsteuer."
Auch wenn kein Rauschmittel konsumiert werde, könne das Glücksspiel die von Drogen und Alkohol bekannten Suchtsymptome auslösen, erklärt Renate Theissen-Beckmann von der Ahlener Beratungsstelle. "Spielsucht ist auch als Krankheit anerkannt und in schweren Fällen eine stationäre Therapie möglich und sinnvoll."
Dunkelziffer bei Frauen
Geschätzt 30.000 suchtkranke Glücksspieler gibt es in Nordrhein-Westfalen, 23 Beratungsstellen bieten ihre Hilfe an. Erreicht werden damit längst nicht alle Betroffenen. Insbesondere Frauen finden, wie auch bei anderen Suchterkrankungen, nur schwer den Weg in die Beratung. In Ahlen machen sie gerade einmal knapp zwölf Prozent aus. Elke Pohlmann von der Suchtberatungsstelle schätzt ihren tatsächlichen Anteil aber auf ein Drittel. Sie hat deshalb unter anderem einen speziellen "Frauenflyer" entwickelt, auf dessen Rückseite Frauen zum Beispiel einen Selbsttest ausfüllen können.
Selbst zu erkennen, wann das Spiel zur Sucht wird, ist für den Betroffenen nicht offensichtlich. "Der Übergang ist schleichend", erklärt Suchtberaterin Helena Sieniawski. Der Einstieg allerdings fast immer der Gleiche: "Viele sagen, dass sie beim ersten Mal gewonnen haben." Aber dann verliert man, will den Verlust ausgleichen, ist sicher, dass nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit der große Gewinn kommen muss, aber dann sind manchmal "Haus und Hof" schon verspielt.
"Spieler sind Spieler, auch Schauspieler", sagt Theissen-Beckmann. Sie seien sehr erfinderisch darin, immer wieder an neues Geld zu kommen. Theissen-Beckmann und ihre Kollegen erklären Betroffenen in Einzel- und Gruppengesprächen, was die Sucht auslöst und wie sie wirkt. "Wir wollen ihnen bewusst machen, welche Funktion die Sucht hat und warum sie in bestimmten Situationen unbedingt spielen wollen", erklärt Theissen-Beckmann. Gleichzeitig zeigen die Suchtberater Alternativen auf.
Manchmal hilft das schon, häufig ist eine stationäre Behandlung über sechs Wochen notwendig. Ungefähr die Hälfte der Betroffenen schafft es über diesen Weg. Um den Erfolg zu stabilisieren, wird Nachbetreuung angeboten. Gearbeitet wird auch mit den Angehörigen.
Derzeit entwickeln die Ahlener Suchtberater ein neues Konzept für eine ambulante Therapie.
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Text: Harald Westbeld | Foto: Thorsten Pahlke ,
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17.10.2011
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