
Mit Freude bei der Probenarbeit: Die Mädchen der Jungen Kantorei in Kevelaer im Musiksaal des Priesterhauses.
Mit Herz und Seele musizieren
Ungewöhnliche Probenarbeit in der Kantorei
Kevelaer. Unter der Leitung des Basilikakantors Romano Giefer vereint die junge Kantorei in Kevelaer die Freude an der Kirchenmusik und den Glauben an die Gemeinschaft.
Einen Spaziergang am Fluss sollen sie sich vorstellen. Einen, bei dem ein Paar im Gleichschritt wandelt. "Genau das ist das Gefühl des totalen Gleichklangs", sagt Chorleiter Romano Giefer seinen jungen Sängern. Der Einstieg in die Probe ist für Außenstehende ungewöhnlich. Sowohl die schwungvollen Armbewegungen der Sänger als auch die kurze Einlage aus dem Film "Sister-Act", lassen eher vermuten, man sei in einem Gymnastikkursus und nicht bei einer Chorprobe.
Die Probe der Jungen Kantorei in Kevelaer bietet dem Zuschauer durchaus eine Menge zu sehen – aber vor allem schöne Klänge zu hören. Einmal in der Woche kommen 25 Kinder und Jugendliche zusammen, um mehr zu tun, als nur zu singen: "Verantwortung übernehmen und die Auswirkung erfahren", sollen die Sänger, sagt der Basilikakantor. "Die Mädchen und Jungen haben ihren festen Platz in der Gemeinde."
Denn das, was jeden Dienstagnachmittag aus dem Musiksaal am Priesterhaus hallt, ist die professionelle Interpretation der Lieder aus der Kirchenmusik, aber auch überhaupt von musikalischer Literatur. Neben der Freude am Gesang wissen die Sänger besonders das Miteinander zu schätzen.
Zum Beispiel dann, wenn die Junge Kantorei gemeinsame Ausflüge unternimmt und an anderen Orten singt. "Das ist ein tolles Gefühl, anderswo empfangen zu werden", sagt die 18-jährige Ronja, die bereits von Kindesbeinen an mitsingt. 14 Jahre ist sie nun dabei – und ans Aufhören hat sie nie gedacht. Zumindest nicht ernsthaft.
Der zehnjährige Benedikt und der zwölfjährige Fritz lassen sich nicht davon beeindrucken, dass andere Jungen ihre Chormitgliedschaft belächeln. Sie singen gern in der Jungen Kantorei mit – auch wenn sie die lateinischen oder englischen Stücke oft erst einmal nicht verstehen. "Erstaunlicherweise singen die Kinder auch diese Lieder korrekt und vor allem mit dem passenden Gefühl", sagt Giefer, "sie haben längst ein Gespür dafür entwickelt, worum es geht." Er bedauert, dass oftmals die Durchlässigkeit zwischen Kinderchor und dem Singen der Erwachsenen nicht gegeben sei.
Ihm ist es ein Anliegen, den Nachwuchs zu begeistern. Er möchte "die besondere Wirkung des Singens in das Bewusstsein rücken". Sowohl bei den kirchlichen Hochämtern, aber auch während des Auftritts beim Heimatabend der geselligen Vereine Kevelaers.
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Text: Katrin Reinders | Foto: Katrin Reinders in
Kirche+Leben
26.09.2011
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