
Martin Ahls, Pfarrer St. Sixtus.
Interview mit Pfarrer Martin Ahls
Eine der größten Einheiten
Haltern. Alle Gemeinden in Haltern schließen sich an diesem Wochenende (18.09.2011) zur neuen Pfarrei St. Sixtus zusammen. Mit fast 24.000 Mitgliedern ist dies zurzeit eine der größten Pfarreien im Bistum Münster. Kirche+Leben sprach mit dem neuen Pfarrer Martin Ahls über die Fusion.
Kirche+Leben: Wann haben Sie sich auf den Weg gemacht?
Martin Ahls: Unbewusst hat der Prozess bereits im Jahr 2000 mit den gemeinsamen Feierlichkeiten zum Heiligen Jahr begonnen. Den danach einsetzenden Prozess der Umgestaltung der Bistumslandschaft haben wir in Haltern am See ziemlich genau beobachtet. Dass der ursprüngliche Plan mit drei Gemeinden in sehr unterschiedlichen Größen – 4.000 und 8.000 sowie 13.000 Gemeindemitglieder – zu Gunsten der "großen Lösung" verworfen wurde, kam letztlich aus dem Wunsch, jetzt etwas zu schaffen, das dann auch Bestand haben kann.
Wenn wir jetzt sehen, dass andere Gemeinden bereits den nächsten Fusionsprozess vor sich haben, können wir über unsere Situation einigermaßen froh sein. Für die nähere Vorbereitung haben wir jetzt ein knappes Jahr gebraucht und dabei versucht, die Gemeinden im laufenden Prozess zu informieren und mitzunehmen.
Kirche+Leben: Gab es Vorbilder?
Ahls: Wir haben uns natürlich an anderen Großpfarreien und ihrem Weg orientiert. Letztlich haben wir mit unseren neun Gemeinden aber auch einen eigenen Weg gesucht und gefunden. Die Bildung von 25 Arbeitsgruppen war sicher sehr anstrengend, hat der Sache aber gut getan. Hier wurde kleinteilig, zügig und sehr effizient gearbeitet – und außerdem wuchsen Vertrauen und das Bewusstsein für die gemeinsame Sache.
Kirche+Leben: Wie wird die Seelsorge in Zukunft gestaltet werden?
Ahls: Die Pfarrei ist groß, aber in ihr bleiben die neun Gemeinden feste Größen. Jeder Gemeinde haben wir einen Hauptamtlichen als Begleiter des Gemeindeausschusses zugestellt. Hier sollen die Belange der Gemeinden gesammelt werden. Seelsorge wird vor Ort stattfinden, da bin ich ganz sicher, auch wenn sich die organisatorischen Strukturen verändern. Wir feiern weiterhin an allen Orten die heilige Messe, die Kinder werden getauft, die Eheleute getraut, die Verstorbenen beerdigt, und für die persönliche Seelsorge bleibt sicher auch Raum. Es gilt aber auch, dass eine Rund-um-Versorgung, in der "der Pastor" überall dabei ist, nicht mehr geht. Daher sind wir froh, dass es so viele in den Gemeinden gibt, die auf ihre Weise mitmachen und seelsorglich mitwirken.
Kirche+Leben: Welche Vorteile sehen Sie in der Fusion? Gibt es Nachteile?
Ahls: Es gibt beides. Zu den Vorteilen gehört sicher das zukünftige Pastoralbüro, das montags bis samstags besetzt sein wird. Hier werden viele Fäden zusammenlaufen. Auch die Mitarbeiter werden viele Entfaltungsmöglichkeiten haben, die ihren Charismen entsprechen. Den Blick auf das Ganze zu haben, ist sicher manchmal auch entlastend. Wir freuen uns über das große Team, zu dem auch wieder ein Kaplan gehören wird.
Zu den Nachteilen gehört ganz sicher das Gefühl, kirchliche Heimat zu verlieren und anonymer zu werden. Kein Pastor, keine Pastoralreferentin kann 24.000 Gemeindemitglieder kennen. Das spüren Gemeindemitglieder, und das ist schmerzhaft. Aber wir arbeiten daran, so gut wir können. Ich nehme auch wahr, dass viele, die oft viele Jahre die Gemeinden mit getragen haben, jetzt sagen: "Es ist gut, ich höre jetzt auf". Das ist dann oft nicht direkt mit der Fusion verbunden, eher letzter Anstoß, Zäsur. Jeder Verlust tut hier weh, so verständlich er auch scheint. Letztlich bleibt die Hoffnung auf Gottes Führung auch in dieser unruhigen Zeit.
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