
Regionalbischof Wilfried Theising kümmert sich in seiner Freizeit selbst um die Sonnenblumen, die er in seinem Garten gepflanzt hat.
Die Herzen der Menschen gewinnen
Weihbischof Theising: Eng mit der Region verbunden
Region Kleve-Wesel. Ja, er ist angekommen. Um so mehr, als er seit März 2011 auch im Kapitel seine Wohnung beziehen konnte. Mehrere Monate hatte die umfassende Sanierung der beiden Gebäude gedauert. Doch das Warten hat sich gelohnt. Regionalbischof Wilfried Theising empfindet es durchaus als Vorteil, in der Region verankert zu sein. "Das hat am Niederrhein eine besondere Bedeutung", sagt er. Denn die Niederrheiner seien stolz auf ihre langjährige christliche Tradition, die die 1.200-jährige Bistumsgeschichte bei weitem übersteigt. Die vielfältigen Beziehungen zu den Nachbistümern wie Köln und Nachbarländern wie die Niederlande, die mit den Bistümern Maastricht oder Utrecht großen Einfluss auf die Kirchengeschichte am Niederrhein hatten, sind seiner Meinung nach die Gründe für das selbstbewusste Auftreten großer Pfarren wie Xanten oder Kleve.
Selbstbewusste Pfarren
"Termine sind schneller gemacht, als wenn ich in Münster meinen Schreibtisch hätte", sagt Theising. "Xanten liegt zentral, deshalb sind die Wege nicht so weit." Auch auf die Mentalität der Niederrheiner hat sich der Regionalbischof gut einlassen können. "Die Unterschiede zwischen den Westfalen und den Niederrheinern sind nicht so groß. Und das Platt kann ich zwar nicht sprechen, aber gut verstehen."
Den Struktur- und Stellenplan des Bistums in der Region zu verankern, ist bisher Theisings zentrale Aufgabe neben den Firmungen und Visitationen gewesen. Dass ein solcher Plan zum ersten Mal erarbeitet worden ist, hat für Theising eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. "Das hat es bistumsweit noch nicht gegeben. Das war intern ein großes Stück Arbeit", sagt er. Der Plan gebe Verlässlichkeit, da er die zukünftige Struktur offenlege. Diesen Plan mit den Gemeinden zu diskutieren, Überzeugungsarbeit zu leisten, liegt ihm am Herzen.
Dass die Vorstellungen des Bistums nicht eins zu eins umgesetzt werden, dass die Kritik aus den Gemeinden ausgewertet und in den Plan eingearbeitet wird, dass es durchaus Veränderungen in den Planungen geben wird – das alles bemüht sich Theising den Gemeinden bei seinen Besuchen immer deutlich zu machen. "Mit diesem Plan werden wir die Zukunft der Gemeiden sichern", ist Theising sich sicher. Deshalb fährt er unermüdlich durch die Region – mit dem Ziel, die Menschen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Dabei kennt Theising die Sorgen und Nöte der Gemeinde: Die Angst vor Identitätsverlust und die Sorge, die Eigenständigkeit aufgeben zu müssen. "Ich nehme diese Sorgen sehr ernst", sagt er und verweist auf seine langjährige Tätigkeit als Pfarrer. Die Erfahrungen als Seelsorger vor Ort sind ihm heute sehr hilfreich. "So kann ich den Gesprächspartnern vermitteln, dass nicht alles zusammenbricht, wenn wir Strukturen verändern. Im Gegenteil – oft bleiben wir dann erst handlungsfähig."
Regionalbischof Theising sieht es als seine Aufgabe an, den Menschen in den Gemeinden Mut zu machen. Und er wird auch nicht müde, den Bürgermeistern in den Städten und Gemeinden klar zu machen, dass sich die Kirche nicht von gesellschaftlichen Aufgaben wie beispielsweise Kindergärten, Krankenhäusern sowie Jugend- und Altenarbeit zurückzieht. "Denn Glaube hat immer mit dem konkreten Leben zu tun."
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Text: Jürgen Kappel | Foto: Jürgen Kappel in
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