
Maria und Manfred Hinzmann kümmern sich um den Bildstock und das Umfeld.
"Dat leste Stücksken förn Herrgott"
Paten pflegen den Bildstock "Bussems Krüüs"
Dorsten-Rhade. Hofkreuze, Bildstöcke oder Bildsäulen befinden sich an Wegen oder Weggabelungen. Die Wegkreuze stehen aber auch an Bauernhöfen oder Feldern. Sie sind aus Stein oder Holz. In einem tabernakelartigen Aufbau zeigt der Bildstock oft ein Kruzifix oder eine Heiligendarstellung. Immer wieder bleiben Wanderer an diesen Kreuzen zur Andacht stehen, oder Feldprozessionen führen an ihnen vorbei. So manches Kreuz überdauert eine lange Zeit, weil die Bewohner des Hofs es betreuen und die Pflege von Generation zu Generation weitergeben. Andere hingegen werden von Paten gepflegt, wie "Bussems Krüüs" an der Einmündung Tüskerbrook und Wellbrockweg in Dorsten-Rhade. Die Gemarkung wurde von alters her Woerden genannt. Die Pflegepatenschaft des Kreuzes am früheren kleinen Prozessionsweg hat seit fast drei Jahrzehnten das Ehepaar Manfred (74) und Maria Hinzmann (72) übernommen, das sich mit viel Liebe und Geschick des Bildstocks annimmt.
Der Bildstock hat eine eigene Geschichte im Auf und Ab der Jahrzehnte. Als der Kötter Bußmann um 1900 nach Amerika auswanderte und seinen elterlichen Hof mit Feldern und Äckern verkaufte, legte er notariell fest, dass ein kleines Stückchen Land nicht abgegeben werden dürfe. Auf diesem ließ er einen Bildstock zum "ewigen Gedenken an Gottes Ehre" errichten. Dazu sagte er: "Dat leste Stücksken bliew för usse Herrgott", wie die Mutter von Maria Hinzmann, Franziska Hilvers, ihrer Tochter erzählte.
Das ist mittlerweile Vergangenheit, denn der Bildstock steht jetzt an einem anderen Ort. Als 1950 mit dem Umlegungsverfahren der Grundstücke auch der Weg verlegt wurde, errichtete man am neuen Platz, gegenüber des alten Standorts, einen neuen Bildstock, den die Rhader Heinrich Fischediek und Josef Hülsken bauten, um die Hinterlassenschaft des Auswanderers aufrecht zu erhalten. Am Bußmanns Hof hatte bis dahin lediglich ein Holzkreuz gestanden.
Der Bildstock kam in den Besitz der Gemeinde, die für den Unterhalt sorgen musste. Für die Fronleichnamsprozessionen schmückten zuerst Frauen aus Rhade den Bildstock, dann verwaiste der fromme Ort immer mehr, bis sich der Heimatverein Rhade in seiner Gründungsversammlung 1982 des Bildstocks annahm. Das Ehepaar Hinzmann – beide sind bis heute aktiv im Heimatverein, und Manfred Hinzmann war von 1994 bis 2009 Vorsitzender – adoptierte "Bussems Krüüs" sofort und pflegt seit fast drei Jahrzehnten das Glaubenszeugnis. Da muss gegossen werden, Unkraut gehackt, neu bepflanzt, mit dem Handbesen durch die gemauerte Nische gefegt und die gesamte Stätte sauber gehalten werden. Maria Hinzmann: "Es ist uns eine Herzensangelegenheit. Man darf das doch nicht verkommen lassen." Die Station liegt immerhin genau 403 Meter vom Haus des Ehepaars entfernt.
1983 machten sich die beiden an eine Grundreinigung, pflanzten Rhododendron-Büsche, Kirschlorbeer und Zypressen, setzten Randplatten um den Ort und gaben so dem Bildstock wieder ein würdiges Aussehen. Für das Ehepaar war es eine Ehrensache, die Kosten dafür aus eigener Tasche zu übernehmen – bis heute.
Allerdings währte die Freude an der Bepflanzung nicht lange. Kurze Zeit später wurden sämtliche neu gepflanzten Sträucher und gesetzten Randplatten gestohlen. Um diese Erfahrung reicher, bepflanzten die Hinzmanns den Ort neu, versahen aber die drei Findlinge mit Ketten, damit sie nicht gestohlen werden konnten.
Zwei Jahre später zerstörten Randalierer den Bildstock. "Das tat uns richtig weh", sagt Maria Hinzmann, "dass die Randalierer sogar vor dem Kreuz nicht Halt gemacht hatten. Es stammte aus dem 19. Jahrhundert und gehörte meiner Mutter." Das Kreuz ersetzten zwei alte Frauen aus dem Dorf, Maria und Anna Kerzel. Auch dieses wurde wieder völlig zerstört. Unbekannte schossen mit Luftgewehren auf den Korpus und besprühten den Bildstock mit Farbe. Spuren sind heute noch sichtbar. Auch das dritte Kreuz, diesmal ohne Korpus, wurde gespendet und im Jahr 2002 gegen ein Kreuz mit Korpus, das Maria Wilms stiftete, ausgetauscht. Es ist bis heute unbeschädigt, denn der Schlosser Ludger Kuhlmann fertigte für die Nische, in der das Kreuz steht, ein Gitter an. Dieses spendete er.
Bei Prozessionen wird an dem in idyllischer Lage in den Feldern stehenden geschmückten Bildstock angehalten und es werden Gebete gesprochen. Auch sieht man Wanderer oder Radfahrer, die an dem kleinen Feldbildstock kurze Rast machen, zu der die Bank an der Weggabelung einlädt. Dann kommen dem Ehepaar Hinzmann die guten Gründe ihres ehrenamtlichen Tuns in den Sinn: "Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass das Heimaterbe für die Nachwelt erhalten bleibt", sagt Manfred Hinzmann, während seine Frau Maria ihm nickend beipflichtet und meint: "Es ist auch zur Ehre Gottes. Die Prozession geht alle drei Jahre daran vorbei. Und dass die Menschen, die an dem Bildstock inne halten, sich an unseren Herrgott erinnern!"
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Text: Maria Nienhaus | Foto: Maria Nienhaus in
Kirche+Leben
08.08.2011
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