
Die Einfahrt auf dem Kevelaerer Kapellenplatz ist der Höhepunkt jeder Lichterfahrt. In diesem Jahr nahmen 730 Motorräder an der Wallfahrt teil.
Bikertreffen bei der Gottesmutter
27. Motorradfahrer-Wallfahrt in Kevelaer
Kevelaer. In regelmäßigem Rhythmus heulen die Maschinen der Motorräder auf. Immer wieder. Immer häufiger. Und immer lauter. Es herrscht beinahe eine Atmosphäre wie beim Formel-Eins-Rennen auf dem Nürburgring kurz vor dem Start. Dazwischen mischen sich jetzt Huptöne in unterschiedlichen Tonlagen. Der Lärm von 730 Motorrädern schwillt immer mehr an. Ein Geruch von Benzin liegt wie eine Dunstwolke über der Walbecker Straße. Die Biker ziehen ihre Helme auf, knöpfen ihre Gurte zu, überprüfen mit raschen Blicken ihre Instrumente und die Uhr: Es ist kurz vor 19 Uhr. Wenige Minuten noch, dann startet die Lichterfahrt der 27. Motorradfahrer-Wallfahrt in Kevelaer. In der ersten Reihe hat auch Pfarrer und Wallfahrtsrektor Rolf Lohmann auf einer Maschine Platz genommen, das Kreuz in der Hand.
Mit dem Kreuz vorweg ist Pfarrer Rolf Lohmann dabei. |
Der Verein für die Motorradfahrer-Wallfahrt hatte ihn bereits vor seiner Einführung in Kevelaer aufgesucht und ihn gebeten, bei der Lichterfahrt das Kreuz zu halten. Die Zusage war für ihn Ehrensache. "Ein guter gemeinschaftlicher Geist herrscht in dieser Gruppe", sagt er. Angst mitzufahren hat er trotz des schlechten Wetters keine. Er ist vielmehr gespannt auf die 50-minütige Wallfahrt. Wie auf ein geheimes Zeichen hin setzt sich der Korso plötzlich in Bewegung. Gleich einer Riesenschlange bewegen sich die Motorradpilger durch die niederrheinische Landschaft. Durch Ortschaften wie Twisteden, Lüllingen, Auwel-Holt und Arcen zieht sich die Strecke. An den Straßenrändern stehen Schaulustige und winken. Auf Transparenten begrüßen sie die Biker, die mit einem Hupkonzert den Gruß erwidern.
Der Regen trommelt auf das Visier der Helme, wie im Film fliegt die Landschaft an den Bikern vorbei. Eine Stimmung, die zumindest die Beifahrer hinten auf den Sitzen kurzfristig zum Nachdenken anregt, während die Fahrer sich auf die nassen Straßen konzentrieren müssen. Ist es nicht wie im Leben, das oft wie in einem Film an einem vorbeizieht? Muss man nicht in manchen Situationen richtig Gas geben und in anderen wieder vorsichtig beschleunigen, damit man nicht aus der Kurve getragen wird?
Am Sonntag geben sich zwei Biker-Paare vor der Gnadenkapelle das Ja-Wort und werden von Kaplan Martin Klüsener (rechts) getraut. |
Doch es bleiben nur wenige Augenblicke, in denen man seinen Gedanken nachgehen kann. Die Biker nähern sich dem Kevelaerer Kapellenplatz, dem Ziel der Wallfahrt. Die Straßen sind abgesperrt, sodass die Biker ungestört zur Gnadenkapelle fahren können. Obwohl es in Strömen regnet, haben sich viele Menschen auf dem Platz versammelt, um die Lichterfahrt, den Höhepunkt jeder Motorradfahrerwallfahrt, zu beobachten. Die Glocken der Basilika begrüßen die Pilger, und die Biker erwidern den Gruß mit einem lautem Hupkonzert.
Der Wallfahrtsrektor hat die Regenkombi schnell gegen liturgische Gewänder getauscht und wartet vor dem Bild der "Consolatrix Afflictorum". Das Kreuz, das die Wallfahrt angeführt hat, steht im Beet vor dem Abbild der Madonna aus Luxemburg. Er sei schwer beeindruckt, beginnt Lohmann seine Ansprache. Dass sich trotz Wind und Wetter 730 Biker auf den Weg zur Gottesmutter gemacht haben, nötigt ihm Respekt ab. "Eine tolle Truppe, eine tolle Gemeinschaft", sagt er. Leute, die etwas auf sich nehmen könnten, brauche die Gesellschaft. Lohmann erinnert auch an die tödlich verunglückten Motorradfahrer, deren Namen Jahr für Jahr auf einer Rolle in der Kapelle "Maria in der Not" verewigt werden.
Lohmann bezieht sich in seiner kurzen Ansprache auf das Motto der Wallfahrt "Ihr seid zur Hoffnung berufen". Dass man sein Ziel vor allem gesund erreiche, dass die Partnerschaft gelinge, dass sich die Welt froh und friedlich entwickele – all dieses seien Aspekte des Wallfahrtsmottos. Und am Schluss gibt Wallfahrtsrektor Lohmann noch einen Ausblick auf den kommenden Tag, an dem zwei Bikerpaare sich das Ja-Wort geben werden. Das sei Hoffnung pur.
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Text: Jürgen Kappel | Foto: Jürgen Kappel in
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