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21.05.2012
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Maria Kollmer.

Maria Kollmer mit Pilgerausweis und Jakobsmuschel. Im nächsten Jahr geht sie die letzte Etappe nach Santiago.

In elf Jahren zum heiligen Jakobus

Maria Kollmer pilgerte in Etappen

Lindern. Die Oberfläche war jedes Mal schnell weg. Das höfliche "Wer bis Du? Was machst Du? Wo kommst du her?" Und das Bedürfnis, sich neuen Bekanntschaften bloß von seiner Schokoladenseite zu präsentieren. Maria Kollmer lächelt. "Das lässt sich gar nicht durchhalten. Weil man spätestens nach zwei, drei Tagen einfach nicht mehr kann."

Sie erzählt von Blasen und blutigen Füßen. "Die hatte ich jedes Mal", sagt die 22-Jährige. Und Sonnenbrand – gerade in den letzten Jahren. "Seit wir in Südfrankreich oder Nordspanien unterwegs sind. Wir reiben uns zwar die ganze Zeit ein. Aber irgendwann erwischt es einen dann doch."

Mit zwölf Jahren angefangen

Anfangs kam das seltener vor. In den ersten Jahren des Pilgerprojekts, zu dem Pfarrer Michael Kenkel aus dem oldenburgischen Holdorf seit 2001 junge Leute einlädt. In den ersten Jahren noch als Kaplan von Garrel.

Zu Fuß nach Santiago wollte er mit einer Gruppe laufen. Aber nicht die ganze Strecke auf einmal, sondern in jährlichen Etappen. Und Maria Kollmer war jedes Mal dabei. Zuerst noch nicht auf den Pfaden des offiziellen Pilgerwegs. Sondern irgendwo durch die norddeutsche Tiefebene, emsländische Moore oder die münsterländische Parklandschaft.

Wo die Wege einsam sind und Santiago-Pilger eher exotisch. "Fragen Sie  mal irgendwo in Löningen oder Cloppenburg nach einem Pilgerstempel für Santiago! Da gucken die Leute nur verständnislos. Bitte was?"

Gepäck kommt per Bus mit

Auf jeden Fall hat Maria Kollmer mit den Jahren gelernt, was für einen Pilgertag wichtig ist, was man in seinen Rucksack packen sollte. "Wir sind ja Luxuspilger", erklärt die angehende Heilerziehungspflegerin. "Das bedeutet: Unser Gepäck müssen wir nicht selber schleppen. Das wird mit einem Bus jeweils zur nächsten Station gebracht."

Deshalb reichten für die Tagesstrecke Müsliriegel, Wasser, ein Handy, Obst und ein bisschen Sonnencreme. "Keine Regenjacke", betont sie. Jetzt, in Spanien regne es ja sowieso selten. "Aber auch in den Jahren davor hatten wir ein Superglück. Vielleicht zwei oder drei Regentage in zehn Jahren."

Ein Handy bräuchte die junge Frau eigentlich auch nicht. "Ich rufe ja auch aus dem Urlaub nie an", meint sie lächelnd. "Ich sage meinen Eltern: Wenn mir was passiert, dann meldet sich wohl einer. Ansonsten bin ich in zehn Tagen wieder da."

Für besonders fromm halte sie sich nicht. "Eher normal", meint Maria Kollmer. Und erzählt, dass sie in Lindern Messdienerin und Gruppenleiterin und im Sachausschuss Jugend des Pfarrgemeinderats mitmache.

Manche ihrer Freundinnen jedenfalls hätten anfangs nicht viel damit anfangen können, als sie mitbekamen, dass sie nach Santiago pilgern wolle. Einige sagten: "Du bist ja bekloppt", erinnert sie sich.  "Oder: Haste dich noch nicht gefunden? Weil es ja heißt: Man findet sich auf dem Weg." Maria Kollmer lächelt nachsichtig. "Ich hatte aber nie den Druck, sie davon zu überzeugen. Jeder soll sehen, was für ihn das Richtige ist."

Viel Zeit für Gespräche

Natürlich verändere man sich durch so eine Erfahrung auch. "Ich kann aber nicht sagen: Ich bin dadurch so oder so geworden. Man verändert sich auch ohne zu pilgern. Aber ich würde heute sagen, dass das Ganze etwas ist, was zu mir gehört", sagt Maria Kollmer.

Mittlerweile sei es auch überhaupt nicht mehr anstrengend, anders als in den ersten zwei Jahren. "Da mussten wir immer erst mal eine Stunde schlafen, wenn wir irgendwo angekommen sind. Weil wir so erschöpft waren."

Auf die täglichen Gottesdienste am Ziel freue sie sich fast immer. Jedes Mal suche Michael Kenkel einen anderen Teilnehmer für eine kurze Statio aus. "Ich war in St. Denis an der Reihe, das ist ein Vorort von Paris. Die Kirche ist wahnsinnig schön. Es war toll!" Einzeln pilgern – das wäre nichts für sie. "Keinen Kilometer würde ich schaffen", sagt Maria Kollmer. "Ich brauche die Gruppe, die mich mitzieht."

Gemeinsam unterwegs sein, das bedeute laufen, reden, schweigen – und viel nachdenken. Stoff dafür gab es in den Jahren genug. "Die Touren finden immer in den Sommerferien statt. Und das waren für mich manchmal wichtige Veränderungsphasen", erklärt Maria Kollmer. Der Übergang von der Realschule aufs Gymnasium zum Beispiel. Oder die Zeit nach dem Abi. "Als ich mich gefragt habe, ob meine Entscheidung richtig ist. Da war der Weg auch eine gute Chance, sich mit anderen auszutauschen."

Sie sagt bewusst "austauschen". "Es gibt keine Wortgefechte, wo die Fetzen fliegen. Man hat Zeit, und man wartet nicht auf eine schnelle Antwort. Da kann man ja auch noch  mal nachdenken und eine Stunde später erneut über eine Sache reden."

Und alles in der Hitze. "Null Schatten", sagt Maria Kollmer, in den Bergen Nordspaniens. "Und ich hasse Berge", erklärt sie.

Zehn Jahre sind mittlerweile vergangen. Für 2012 ist die Zielankunft in Santiago angekündigt. Natürlich freut sie sich darauf. Ein zwiespältiges Gefühl. "Weil das Ganze dann irgendwie auch vorbei ist."

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Text: Michael Rottmann | Foto: Michael Rottmann in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
27.07.2011

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