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11.12.2018
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Schwester Annegund Hessling

800 Kilometer lang war der Pilgerweg, den Schwester Annegund Hessling gegangen ist.

Jeder Tag ein neuer Aufbruch

Unterwegs auf dem Jakobsweg

Dülmen. Der Sehnsucht Raum geben, nach dem, was das menschliche Leben um ein Vielfaches übersteigt. Das bedeutet für Schwester Annegund Hessling das Pilgern. Die seit drei Jahren im Dülmener Maria-Ludwigstift, einem Altenheim der Clemensschwestern, in dem 90 Ordensfrauen im Alter zwischen 60 und 100 Jahren wohnen, lebende und arbeitende Ordensfrau hat sich auf den Weg gemacht, vom französischen Saint-Jean-Pied-de-Port aus den 800 Kilometer langen Weg ins spanische Santiago de Compostela zu gehen. Jeder Tag brachte sie zwischen 20 und 25 Kilometer ihrem Ziel näher. Insgesamt war sie sieben Wochen unterwegs.

"Zum Pilgern braucht man nicht nur gute Schuhe, Getränke und Brot im Rucksack. Entscheidend sind der Mut, die Freude und die Bereitschaft, sich auf den Weg einzulassen und zu erkennen, dass Mensch-Sein grundsätzlich heißt, unterwegs zu sein in dieser Welt", erzählt sie. Zum Gepäck gehörte nicht nur der neun Kilogramm schwere Rucksack, sondern auch ein Rosenkranz sowie eine Medaille der seligen Schwester Euthymia, die zu Lebzeiten oft sagte: "Ik kann dat wull".

Schwester Annegund wanderte über Gebirgspässe und durch Großstädte, lernte kleine Bergdörfer und die Kulturlandschaften Zentralspaniens kennen. "Viele gute Menschen traf ich. Und alle hatten das gleiche Ziel. Noch etwas anderes macht den Pilgerweg so reizvoll. Es ist die Gemeinschaft der Mitpilger, der bekannten und der bisher fremden, die gegenseitige Hilfsbereitschaft und die gemeinsamen geselligen Abendstunden", hält sie ihre Eindrücke fest.

So unterschiedlich der Weg sei, so verschieden seien auch die Menschen, die auf ihm unterwegs sind, ist der Ordensfrau aufgefallen. Ob der 81-jährige Heinrich aus Herne oder der Kanadier, der für seine kranke Frau unterwegs war, oder Alice und Angela aus England, die den Weg nicht aus Glaubensgründen gingen, sondern aus Wanderlust. "Einer jungen Frau bin ich begegnet, die seit vier Monaten von Basel in der Schweiz unterwegs war und 2.300 Kilometer zurück gelegt hatte, um ihre gescheiterte Beziehung zu verarbeiten", nennt die 66-Jährige ein weiteres Beispiel. Jeder konnte seinen Weg gehen im ruhigen Rhythmus seiner Schritte, im Einklang mit der Natur, dem Gesang der Vögel lauschend, im Genuss der Freiheit und frei von den Zwängen des Alltags. Im Gegensatz zum Alltag, in dem sie wenig Zeit zum Nachsinnen habe, um sich selbst zu begegnen, sei sie beim Wandern gezwungen gewesen, bei sich selbst zu bleiben, langsam zu gehen. "Das Pilgern spricht alle Sinne an. Es beginnt bei den Füßen und geht über den Bewegungsapparat in die Wahrnehmung des ganzen Körpers bis hin zum Schauen der Landschaft und dem Hören ihrer Stille. Auch das Essen und Trinken tut dem Körper gut, es klärt und reinigt ihn. Die Beziehung zu Gott wird intensiver, man bekommt Neues in den Blick und entdeckt wieder die Schönheit von längst vergessenen Dingen."

Jeder Tag sei wie ein neuer Aufbruch gewesen. Besonders in der Messeta der spanischen Hochebene, in der Flachheit und Eintönigkeit dominieren, in der kein Baum und kein Strauch zu sehen sei, werde der Geist angeregt, sich zu öffnen. "Ich bin sozusagen gezwungen, bei mir selbst zu bleiben, da es kaum Ablenkung gibt."

Fast alle Herbergen, ob privat von der Kommune oder der Kirchengemeinde geführt, seien in sehr gutem Zustand gewesen. "Manche hatten einen Blumen geschmückten Innenhof oder sogar einen kleinen Swimmingpool, eine Terrasse. Andere hatten ein Kaminfeuer im Haus", berichtet die Ordensfrau, die in Telgte, Warendorf, Duisburg und am Niederrhein in der Familienpflege tätig war.

Besonders beeindruckt habe sie der Ort Crus de Ferro, der auf einer Hochebene liegt. "Aus einem großen Steinhaufen ragt ein langer Holzpfahl, darauf steht ein kleines Eisenkreuz. Es wird berichtet, dass die Pilger seit Jahrhunderten dort einen Stein ablegen. Für viele Pilger bedeutet das Ritual auch das symbolische Ablegen von seelischen Lasten. Der Stein sollte möglichst schon von zu Hause mitgebracht werden", erzählt die Pilgerin. Sie selbst legte an dieser Stelle einen Stein ab, den sie 1973 aus dem französischen Taizé mitgebracht hatte. "Das war kurz vor meiner Entscheidung zur Ewigen Profess. Er stellt meinen symbolischen Dank dar für die vielen Jahre meines bisherigen und des kommenden Ordenslebens."

Die ersehnte Ankunft in Santiago erlebte Schwester Annegund mit zwiespältigen Gefühlen. Nach der Ruhe des Wegs kam sie in das pulsierende Leben der Stadt. "Die Ruhe war dahin, und doch fand ich es auch wieder schön, das lebendige Treiben der Menschen, ihre unbeschwerte Stimmung wahrzunehmen."

Beeindruckt von der Kathedrale, in der sie – wie es bei allen Pilgern Brauch ist – die Jakobusfigur begrüßte und umarmte, dankbar und froh zugleich, dort sein zu dürfen. Auch am Ziel traf sie immer wieder Pilger, die sie unterwegs kennen gelernt hatte. "Die Atmosphäre beim Pilgergottesdienst hatte eine solche Wirkung auf mich, dass mir Freudentränen kamen. Es war unbestreitbar: Meine Seele war nun wirklich angekommen."

Von Santiago machte sie sich weiter auf den Weg, um in den Wallfahrtsort Muxia zum Heiligtum der Wallfahrtskirche "Virxe da Barka" direkt an der Atlantikküste zu laufen. Nach ihrer Rückkehr sei es nicht einfach gewesen, sich nach der ungebundenen Lebensweise wieder zu Hause auf die Ordnung einzustellen. Ihr Fazit: "Wer sich auf einen Pilgerweg begibt, kann diesen Weg als Spiegel für sein weiteres Leben nehmen."

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Text: Michaela Kiepe | Foto: privat in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
25.07.2011

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