
Pfarrer Karl-Heinz Wielens von der Bocholter St.-Bernhard-Gemeinde favorisiert einen selbstständigen pastoralen Bezirk für den ländlichen Raum. Seine Pfarrei besteht aus den Landgemeinden Lowick, Liedern, Spork und Suderwick.
Erleichterung in den Pfarreien St. Bernhard und St. Georg
Gemeinde-Fusion im Bocholter Westen verschoben
Bocholt. Große Erleichterung machte sich im Pfarrheim in Bocholt-Lowick breit, als Generalvikar Norbert Kleyboldt die Zusage gab, dass die vorgesehene Zusammenführung der Pfarreien St. Bernhard und St. Georg vorerst nicht durchgeführt werden muss. Ob die Schaffung einer größeren Pfarrei im Bocholter Westen jedoch in Zukunft irgendwann einmal nötig wird, blieb offen.
40 Ehrenamtliche aus den Gremien der Mitverantwortung und die Seelsorgeteams waren der Gesprächseinladung gefolgt, um noch einmal ihren Standpunkt mit Generalvikar Kleyboldt zu erläutern. Am Treffen nahmen auch Karl Render, Mitarbeiter in der Hauptabteilung Seelsorge-Personal, und Wilfried Renk von der Stabsstelle Gemeindefusion und Führungsunterstützung im Bischöflichen Generalvikariat Münster teil.
Generalvikar Kleyboldt sagte, dass es Ziel des Bistums sei, größere Pfarreien zu bilden, ohne das lebendige Leben der Gemeinden zu beeinträchtigen. Das Bistum plane, Satzungsentwürfe für so genannte Ortsausschüsse in den einzelnen Gemeindeteilen herauszugeben, um gerade das ehrenamtliche Engagement vor Ort zu stärken. Karl Render informierte über den Stellen- und Strukturplan der Diözese Münster. Er räumte ein, dass in der Anfangsphase der Umsetzung durchaus Fehler gemacht wurden, auch was den Stil der Vermittlung der Fusionspläne betrifft. Man habe sich zudem an den kommunalen Grenzen im Dekanat Bocholt-Rhede-Isselburg orientiert. Für den Bocholter Westen habe man die Pläne neu überdacht. Eine Fusion mache "derzeit keinen Sinn". Hinsichtlich der Personalplanung würden beide Pfarreien in absehbarer Zeit weiter separat betrachtet.
Gute Argumente
Im Vorfeld des Gesprächs hatten die Gemeinde-Vertreter in schriftlichen Eingaben an die Bistumsleitung überzeugende Argumente dafür geliefert, warum eine Zusammenführung zum jetzigen Zeitpunkt und auch in absehbarer Zeit nicht sinnvoll ist. Ein Grund dafür liegt in den "historischen" Fusionen beider Gemeinden. In der Stadtpfarrei St. Georg mit ihren heute 12.500 Gemeindemitgliedern gab es 2001 die Zusammenführung mit St. Laurentius, 2009 folgte die größere Einheit mit St. Norbert. Erst vor einem Jahr gründete sich die "neue Pfarrei" St. Bernhard aus den vier Landgemeinden St. Bernhard Lowick, St. Michael Liedern, St. Michael Suderwick und St. Ludgerus Spork. Über die Zusammenführung in St. Bernhard sagte Pfarrer Karl-Heinz Wielens: "Eine Fusion ist ein anstrengender Prozess. Jede Gemeinde ist darauf bedacht, die bisherige Vielfalt des gemeindlichen Lebens nicht verloren gehen zu lassen. Unsere vier Ortsteile sind gewachsene Dörfer mit einem vielfältigen Eigenleben und räumlich weit voneinander getrennt. Sie zusammenzubringen, ohne die dörflichen Traditionen aufzugeben, ist unser aller Ehrgeiz und braucht noch Zeit." Eine Fusion mit der Stadtpfarrei St. Georg würde einer Diffenzierung zwischen Stadt und Land nicht entsprechen.
Ähnlich argumentierten die Gemeinde-Vertreter in St. Georg. Pfarrer Hans-Rudolf Gehrmann sagte: "Selbst wenn die Gemeinden St. Bernhard und St. Georg zu einer Pfarrei fusionieren müssten und dann ein Seelsorgeteam, einen Kirchenvorstand und einen Pfarrgemeinderat hätten, würden auf Dauer eine Stadtgemeinde und eine Landgemeinde bleiben." Es gebe räumliche und gewachsene Strukturen, auf die Rücksicht genommen werden müsse.
Über die nun erzielte Regelung sagte Gehrmann schmunzelnd: "Die Mutterpfarre St. Georg ist froh, wenn ihre Töchter eigenständig bleiben."
Pfarrer Wielens warb dafür, sich auch in den Gemeinden mit der Reformtheologie des Zweiten Vatikanischen Konzils neu zu beschäftigen. Der Seelsorger wünschte sich, dass in dem breit angelegten Dialogprozess in der deutschen Kirche die derzeitigen Zulassungsbedingungen zum priesterlichen Amt und der Pflichtzölibat keine Tabuthemen sein dürfen.
Erinnerung an Konzil
"Das kirchliche Leben hat sich in den letzten 20 Jahren stark verändert. Wir müssen diesen Entwicklungen Rechnung tragen. Die Lösung kann nicht darin bestehen, die pastoralen Räume immer größer zu ziehen. Ein Rückzug der Kirche aus dem ländlichen Raum wäre fatal. Die Kirche benötigt mutige Schritte. Vieles hat die Konzilstheologie schon vor Jahrzehnten formuliert. Daran sollte weitergearbeitet werden", sagte Wielens.
Mit Blick auf seine Pfarrkirche St. Bernhard sagte er: "Im nächsten Jahr feiern wir das 50-jähriges Kirchenjubiläum. Das Gotteshaus entstand Dank der Mithilfe vieler Lowicker. Es war ein Zeichen des Aufbruchs. Zeichen des Aufbruchs brauchen wir auch heute."
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