
Ein Familienmensch mit Wurzeln auf dem Land: Neupriester Thomas Kathmann nach einer Primizmesse in der Bakumer Filialkirche Lüsche Sankt Josef mit seiner Großmutter Gerda Garwels.
Vierzehn Tage – dem Herrgott eine Frist gesetzt
Neupriester Thomas Kathmann ist Zimmermann
Bakum. Es war am 23. September 2003. Wer wird sich noch genau erinnern können, was er an diesem Tag getan hat, was sich an diesem Tag ereignete? Thomas Kathmann aus Märschendorf bei Bakum kann das. Da lief nämlich eine Frist ab, die er dem Herrgott gesetzt hatte. So berichtet er es heute. Vierzehn Tage, in denen er auf ein Zeichen für den künftigen Lebensweg warten wollte. Ganz genau habe es der Herrgott nicht genommen, sagt Kathmann. "Es war dann doch der sechzehnte Tag."
Für ihn gebetet
Aber ein Tag, der sein Leben entscheidend veränderte. Eine Bekannte seiner Mutter, die im Sterben lag, bat um seinen Besuch. "Ich selbst kannte die gar nicht." An ihrem Krankenbett hörte er dann: "Ich habe für dich den Rosenkranz gebetet, dass du den geistlichen Beruf wählst." Thomas Kathmann weiß das noch wie heute: "Das hat mich wie ein Hammer vor den Kopf getroffen." Und über seinen weiteren Lebensweg entschieden.
Der hat ihn an diesem Abend zum Beispiel in die Filialkirche Lüsche Sankt Josef geführt, zu einer seiner Primizmessen in der Heimatgemeinde Bakum. Zuvor habe er schon den ganzen Tag die Krankenkommunion ausgetragen, berichtet Thomas Kathmann.
Die Begeisterung des frisch Geweihten, das Elend und das Leid von Todkranken – ein Problem? "Oft kann man einfach nur auf den Herrgott verweisen", sagt Thomas Kathmann. "Dass er den Kranken nicht im Stich lassen werde." Oder man müsse einfach mit dem Kranken schweigen.
Thomas Kathmann kennt das Leid und das Elend von Schwerkranken. Er ist in seinem früheren Beruf als Zimmermann einmal von einem Dachstuhl gefallen, lag wochenlang im Krankenhaus. Ob er je wieder arbeitsfähig werden würde, war unklar.
Wieder sehen?
Schlimmer noch war ein anderer Unfall, als ihm auf der Baustelle ein Nagel ins Auge fuhr – mehrere Tage dauerte es bis zu der Nachricht, dass er sein Augenlicht behalten würde. "Solche Not hat natürlich Fragen in mir hervorgerufen", berichtet er.
Zunächst stellte er den erlernten und geliebten Beruf als Zimmermann nicht infrage. Auch nicht den Plan, nach Gesellen- und Meisterprüfung einen Betrieb zu übernehmen und in der Heimat eine Familie zu gründen. Nachdem er als Gesellenstück zum Beispiel eine Walmdach-Ecke abgeliefert hatte – maßstabsgetreu als kleineres Modell, aber korrekt entworfen, berechnet und aufgebaut.
Geblieben war ihm auch immer eine handfeste und selbstverständliche Frömmigkeit, wie er sie im Haus der Eltern in der Bauerschaft Märschendorf kennengelernt hatte. "Beten vor dem Essen, sonntags zur Kirche gehen – das war alles ganz normal und stand außer Frage". Später fiel ein Schatten auf seinen Lebensweg, ein persönlicher Schicksalsschlag. Thomas Kathmann, bis dahin mit beiden Füßen fest auf der Erde, eben ein standfester Handwerker, geriet ins Schwanken. Sollte er den Weg als Zimmermann weiter verfolgen? Oder gab es andere Wege für ihn?
Erste Antworten fand der junge Mann in dem bosnischen Ort Medjugorje, wo seit zehn Jahren die Muttergottes erscheinen soll. Offiziell zeigt sich die Kirche dort zurückhaltend, die Seelsorge für Pilger sei jedoch wichtig, heißt es nach amtlichen Angaben.
Wie bei Don Camillo
Seelsorge zum Beispiel für Menschen wie Thomas Kathmann. "Ein Bus voll mit Jugendlichen auf dem Weg nach Medjugorje – das war schon eine lebendige Atmosphäre", berichtet er. Für den jungen Zimmermann war die Zeit dort aber immer auch "so etwas wie Exerzitien."
Eine geistliche Zeit also, eine Zeit der Orientierung. Die ihn zu einem ganz neuen Verhältnis zum Herrgott führte. In seinen Fragen und Nöten suchte Thomas Kathmann das Gespräch mit ihm in der Kirche, "ganz persönlich, wie in den Büchern von Don Camillo", berichtet er.
In diesen Gesprächen habe er auch das Ultimatum formuliert, mit der Frist der vierzehn Tage. Das dann erlösend beantwortet wurde.
Raue Sprache vom Bau
Theologie studierte Kathmann in einem Seminar für Spätberufene, wo er die anderen Studenten durch die raue Sprache vom Bau anfangs wohl oft in Verwirrung gestürzt habe, sagt er mit einem Augenzwinkern.
Die Nähe zum ursprünglichen Beruf ist ihm geblieben: "Ich baue heute noch einen Hochsitz nach dem anderen zusammen." Hochsitz – das verweist auf das Hobby des Neupriesters. Oft sitzt er von der Abenddämmerung bis ins Morgengrauen am Waldrand, seine Bockflinte Kaliber 12 Millimeter aufgelegt. "Da finde ich innere Ruhe – und das tut mir gut."
Keine Sorgen
Als Kaplan in Emsdetten bei Rheine steht jetzt anderes im Vordergrund: Seelsorge in einer großen Gemeinde, nicht zu vergleichen mit dem ländlichen Bakum. Eine Herausforderung, der er sich zuversichtlich stellen werde. Ganz nach seinem Primizspruch aus dem Buch Nehemia im Alten Testament: "Macht euch keine Sorgen; denn die Freude am Herrn ist eure Stärke."
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Text: Franz Josef Scheeben | Foto: Franz Josef Scheeben in
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