
Reliquiare – wie diese Paulus-Büste – übernehmen Vermittlungs- und Vergegenwärtigungsleistungen. Durch ihre äußere Form regen sie zur geistigen Betrachtung des im Inneren Geborgenen an.
"Ungewöhnlich hoher Grad an Lebendigkeit"
Paulus-Büste als Kunstwerk des Monates
Münster. Eine Reliquienbüste des Heiligen Paulus, die um die Mitte des 13. Jahrhunderts entstanden ist, präsentiert das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster als Kunstwerk des Monats Juni. Die teilte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) mit.
"Es ist ihr ungewöhnlich hoher Grad an Lebendigkeit, der diese hölzerne Bildnisbüste des Heiligen Paulus so besonders macht", heißt es in der Mitteilung. Sie zeigt den Apostel in eine rot-blaue Tunika gehüllt, die sich in feinen Falten straff um seine Schultern legt. Der Stoff wurde ursprünglich von einer großen, heute verlorenen Schmucksteinschließe gehalten. Eine goldene Borte säumt den Kragen. Die Büste weist charakteristische Merkmale der Paulus-Ikonographie auf: Dazu zählen das länglich-schmale Gesicht, der von einem dunklen Haarkranz eingefasste kahle Schädel und der spitz zulaufende Bart.
Angefertigt für den St.-Paulus-Dom
Angefertigt für den Schatz der Kathedralkirche St. Paulus zu Münster, steht die Paulusbüste nach LWL-Angaben in der Tradition des so genannten goldenen Kopfreliquiars des Heiligen Paulus, das um 1050/70 entstanden ist und als das älteste erhaltene Bildnisreliquiar seiner Art gilt. Als Kopfreliquiar gehört die Paulusbüste zu der Gruppe der so genannten körperteilnachbildenden Reliquiare.
Reliquiare in Kopf-, Arm-, Hand- oder Fußform inszenieren die in ihrem Inneren bewahrte Reliquie als Teil des Heiligenleibes. "Bildnisreliquiare wie die hölzerne Paulusbüste verweisen auf die der Reliquie innewohnende Heilskraft des Heiligen", erklärt Klara Petzel vom LWL-Museum, Autorin des Kunstwerks des Monats Juni. Heute befinden sich allerdings keine Reliquien mehr in der Paulus-Büste. Vermutlich befanden sich Reliquien im Sockel, der nicht erhalten ist, so der LWL.
Kommunikations- und Repräsentationsmedien
Reliquiare sind weit mehr als bloße Aufbewahrungsbehälter: Sie sind Kommunikations- und Repräsentationsmedien und übernehmen wichtige Vermittlungs- und Vergegenwärtigungsleistungen. Durch ihre äußere Form regen sie zur geistigen Betrachtung des im Inneren Geborgenen an, heißt es in der Mitteilung des Landschaftsverbandes.
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Text: göc, pd | Foto: pd
20.06.2011
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