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21.05.2012
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Pfarrer Hermann Otto (links) und Pastor Felix Schnetgöke.

Pfarrer Hermann Otto (links) und Pastor Felix Schnetgöke können sich auf viele Engagierte verlassen.

"Hauptsache, hier wird noch Gottesdienst gefeiert"

Gemeindefusion im Süden von Rheine

Rheine. Eine Rivalität zwischen den Dörfern im Rheiner Süden gibt es, seit Wasser die Ems hinunterfließt. "Als mein Sohn in Hauenhorst in den Fußballverein kam, hat man ihm als erstes eingeimpft: Man darf gegen jeden verlieren, nur nicht gegen Mesum", erinnert sich Roland Simon vom Seelsorgerat der Seelsorgeeinheit Elte-Mesum-Hauenhorst schmunzelnd. Man kann sich also vorstellen, dass es keine Liebesheirat war, als die drei Gemeinden St. Ludgerus Elte, St. Johannes Baptist Mesum und St. Mariä Heimsuchung Hauenhorst vor zehn Jahren zur Seelsorgeeinheit "ElMesHorst" zusammengeführt wurden.

Heute sieht man die Sache gelassen. Zehn Jahre Zusammenarbeit haben Vertrauen wachsen lassen. Dass es, wie es der Strukturplan des Bistums Münster vorsieht, nun zur Bildung einer gemeinsamen Gemeinde im Rheiner Süden kommen wird, nimmt man in Elte, Mesum und Hauenhorst bemerkenswert unaufgeregt zur Kenntnis. "Für die meisten war das doch abzusehen", beschreibt Seelsorgeratsmitglied Barbara Overesch aus Mesum die Stimmungslage.

Den Menschen sei vor allem wichtig, dass die Kirche weiter vor Ort präsent bleibe, meint Roland Simon: "Sie sagen: Hauptsache, hier wird noch Gottesdienst gefeiert."

Tatsächlich sollen die drei Kirchen als Gottesdienststätten erhalten bleiben. Zudem sieht der Stellenplan des Bistums für die neue Gemeinde im Rheiner Süden zwei Diözesanpriester, einen Priester der Weltkirche und eine Gemeindereferentenstelle vor. Damit ähnelt das neue Modell dem Ist-Zustand: Die rund 11.000 Katholiken der Seelsorgeeinheit werden derzeit von Gemeindepfarrer Hermann Otto und den beiden Priestern Felix Schnetgöke (Vicarius Cooperator) und Vasilica Pana (Vicarius Cooperator) betreut.

Eigentlich könnte man sich mit der Umsetzung des Strukturplans bis 2015 Zeit lassen. Weil aber Pfarrer Otto als Pfarrer und Leiter der Seelsorgeeinheit zum Jahresende zurücktreten wird, kommt es nun schneller als gedacht zum Zusammenschluss. "Bis Ende 2012 soll die neue Gemeinde stehen. Ein neuer Pfarrer soll schon Ende dieses Jahres kommen", erklärt Pfarrer Otto den Fahrplan. Otto selbst möchte auch nach seinem Ausscheiden weiter als Vicarius Cooperator für die Seelsorgeeinheit beziehungsweise für die neue Süd-Gemeinde tätig bleiben.

Der Seelsorgerat begleitet seit zehn Jahren das Zusammenwachsen der drei Gemeinden. Vorstandsmitglied Albert Heinecke aus Elte lobt das konstruktive Miteinander in dem Gremium. Viele gemeinsame Aktionen seien schon auf den Weg gebracht worden: die gemeinsame Fronleichnamsprozession zum Beispiel, die im jährlichen Wechsel durch die Gemeinden zieht und in diesem Jahr in Elte stattfindet.

"Dadurch, dass wir seit zehn Jahren als Seelsorgeeinheit zusammenarbeiten, sind wir auf einem guten Weg. Vieles, was andere Gemeinden jetzt noch vor sich haben, liegt längst
hinter uns", sagt Heinecke.

Gleichwohl gibt es auch Rückschläge. Ein echtes "Wir-Gefühl" sei in der Seelsorgeeinheit noch nicht vorhanden, urteilt Gertrud Helming, langjährige Ehrenamtliche aus Mesum. Zwar werde in den Gemeindegremien gut und konstruktiv gearbeitet, doch sei es manchmal schwierig, das, was am runden Tisch besprochen werde, auch in die Gemeinden zu transportieren.

Ein Vorbild könnten die Verbände sein, sagt Helming: "Die Frauengemeinschaft oder die Kolpingsfamilie kriegen das schon gut hin, gemeinsam mit den anderen Gemeinden etwas zu bewegen."

Auch eine latente Angst vor Benachteiligung bleibt nicht aus, wenn drei unterschiedlich große Partner sich zusammentun. "Für die Mesumer ist das vielleicht am einfachsten, weil sie mit etwa 6.500 Gläubigen die größte Gemeinde bilden", schildert Pastor Felix Schnetgöke seine Einschätzung. Im kleinen Elte mit seinen 1.600 Gemeindemitgliedern sei das schon anders: "Die Angst, untergebuttert zu werden, ist groß."

Albert Heinecke kennt die Vorbehalte. Teilen kann er sie nicht. "Wir hatten nie den Eindruck, dass wir über den Tisch gezogen werden sollen", betont er. Natürlich gebe es im Dorf viel Wehmut darüber, dass sich ausgerechnet im Jahr des 350-jährigen Jubiläums der Kirchengemeinde das Ende ihrer Selbstständigkeit abzeichne, so Heinecke. Angesichts des Priestermangels und der demografischen Entwicklung müsse man aber Realist sein.

Zwei wesentliche Punkte sind auf dem Weg zur neuen Süd-Gemeinde noch zu klären: Wo steht die Pfarrkirche, und wie soll die neue Gemeinde überhaupt heißen? Die erste Frage scheint relativ unstrittig, da Mesum in der geografischen Mitte liegt und die größte Kirche hat. Was die zweite Frage angeht, will sich der Seelsorgerat zunächst auf eine Vorgehensweise zur Patronatsfindung verständigen. Zwei Diskussionslinien zeichneten sich bereits ab, verrät Pfarrer Otto: "Die einen möchten einen neuen Namen. Die anderen könnten sich aber auch gut St. Ludgerus vorstellen."

Bündelung der Kräfte

Egal wie die neue Gemeinde heißen wird: Um sie zukunftsfähig zu machen, wird es darauf ankommen, vorhandene Kräfte zu bündeln. "Die meisten haben inzwischen eingesehen, dass die Verbindung nötig und sinnvoll ist", meint Barbara Overesch. Denn Kirche sei auf dem Rückzug, auch in ur-katholischen Gegenden. Und so ist es vor allem die Sorge um die Weitergabe des Glaubens, die die Katholiken in den drei Dörfern eint.

"Wir müssen uns fragen, wie wir es schaffen, dass die Menschen sich noch von Gott und Christus einnehmen lassen", skizziert Roland Simon die wichtigste Herausforderung. "Dafür tragen wir alle die Verantwortung: den Glauben in Hauenhorst, Mesum und Elte lebendig zu halten."

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Text: Kay Müller | Foto: Kay Müller in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
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